Timm Kehler auf der E-world 2026. Quelle: Stefan Sagmeister
Der Vorstand des Verbands „Gas und Wasserstoffwirtschaft“ sieht Erdgas weiterhin als unverzichtbar für das deutsche Energiesystem an
Die Botschaft von Timm Kehler war eindeutig: „Erdgas ist kein Auslaufmodell.“ Es ist und bleibt auch in Zukunft wichtig für die deutsche Energiewirtschaft sowie die Industrie. „Gas ist systemrelevant“, so der Vorstand des Verbands „Gas und Wasserstoffwirtschaft“ bei einer Presseveranstaltung im Rahmen der E-world in Essen.
Der Energieträger Erdgas hatte in den vergangenen Jahren kein gutes Standing in der Öffentlichkeit. Der Stopp der russischen Erdgaslieferung und die einhergehende Verteuerung des Rohstoffs haben am Image gekratzt. Zudem werden Umweltgruppen nicht müde, darauf hinzuweisen, dass Erdgas ein fossiler Rohstoff ist, dessen CO2-Emissionen den Klimawandel beschleunigen.
Und trotzdem: „Der Gasverbrauch in Deutschland ist im Jahr 2025 wieder gestiegen“, sagte Kehler. Nach den Rückgängen in den vergangenen Jahren habe der Verbrauch um rund drei Prozent auf 835 Milliarden kWh zugenommen. Was auch bemerkenswert ist: „Der Verbrauchsanstieg ist über alle Sektoren hinweg zu betrachten.“
Erdgas sei auch deswegen wieder attraktiv, weil die Großhandelspreise in den vergangenen drei Jahren deutlich gesunken seien. Sie bewegten sich wieder „in einem vernünftigen Maß“ und lägen deutlich unter den Niveaus der Energiekrise. Der Preisrückgang habe sich im vergangenen Jahr auch bei den Endkunden niedergeschlagen. Im Wärmemarkt seien die Verbraucherpreise für neue Verträge um nahezu 20 Prozent zurückgegangen. In vielen Fällen lägen die Preise wieder im einstelligen Cent-Bereich pro kWh.
Keine neue Abhängigkeit von den USA
In Sachen Versorgungssicherheit verwies Kehler auf eine deutliche Bewegung in den vergangenen Jahren. Deutschland und Europa hätten ihre Lieferbeziehungen in der Vergangenheit deutlich diversifiziert. Die „Abhängigkeit vom russischen Erdgas haben wir aufgelöst.“ Dieser Trend habe sich zuletzt weiter fortgesetzt.
Eine neue Abhängigkeit von anderen Produzenten nach dem Ausfall der russischen Erdgaslieferung sieht Kehler indes nicht. Versorgungssicherheit müsse europäisch gedacht werden. Der europäische Gasmarkt sei stark integriert und durch ein engmaschiges Transportnetz geprägt.
Auch eine marktbeherrschende Rolle der USA bei den LNG-Lieferungen sieht der Verbandsvorstand nicht. Ein wesentlicher Vorteil liege darin, dass es in den USA eine Vielzahl an LNG-Produzenten gebe, unter denen ein intensiver Wettbewerb herrsche.
Zusätzlich gewännen neue Lieferländer wie Aserbaidschan sowie perspektivisch Staaten in Nordafrika an Bedeutung. Für Deutschland bleibe Norwegen der mit Abstand wichtigste Lieferant, ergänzt durch LNG-Importe über deutsche Terminals sowie durch Lieferströme über die Niederlande und Belgien.
Was tun mit den Gasspeichern?
Essenziell für die Versorgungssicherheit seien aber Erdgasspeicher. Auf die aktuellen Füllstände eingehend, sah Kehler keine ernsthaften Probleme bei der Versorgung. Mit einem Füllstand von rund 27 Prozent liege Deutschland zwar unter dem jahrelangen Durchschnitt. Kurzfristig bestehe keine akute Gefahr einer Gasmangellage, da die Versorgung über Importkapazitäten und grenzüberschreitende Verbindungen abgesichert sei.
Mittel- und langfristig stelle sich jedoch die Frage nach dem notwendigen Umfang der Speicherinfrastruktur. In Deutschland gebe es sehr große Speicherkapazitäten, gleichzeitig zeichneten sich Stilllegungsabsichten einzelner Anlagen ab. Die Klärung, wie viele Speicher langfristig vorgehalten werden sollen, sollte laut Kehler dabei nicht allein dem Markt überlassen werden.
Er hob die systemische Bedeutung der Gasspeicher für das gesamte Energiesystem hervor. Sie seien entscheidend für den saisonalen Ausgleich von Energie und könnten in ihrer Dimension nicht durch Batteriespeicher ersetzt werden, auch wenn diese für die Optimierung des Strommarktes eine wichtige Rolle spielten.
Dienstag, 10.02.2026, 14:30 Uhr
Stefan Sagmeister
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