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Energie & Management > Geothermie - Lithium soll weiteres Standbein in Bruchsal werden
Thomas Kölbel und Laura Herrmann, EnBW, an der Pilotanlage zur Lithiumgewinnung. Quelle: EnBW
Geothermie

Lithium soll weiteres Standbein in Bruchsal werden

An der Geothermieanlage Bruchsal will die EnBW in den nächsten Monaten einen Demonstrator zur Lithium-Gewinnung errichten. Geschätzte Fördermenge: 800 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent.
Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) will in den nächsten Monaten am Geothermiekraftwerk Bruchsal einen Demonstrator zur Lithium-Gewinnung errichten. Dieser soll die Forschungsanlage ablösen. „Die kombinierte Wärme- und Lithium-Gewinnung wird für uns zu einer strategischen Chance“, erklärte Thomas Kölbel, Geschäftsführer der Geothermiegesellschaft Bruchsal GmbH, einer gemeinsamen Gesellschaft von EnBW und den Stadtwerken Bruchsal. In einem Webinar am 22. September mit dem Titel „Tiefe Geothermie verstehen – Strom, Wärme und bald auch Lithium?“ stellte Kölbel die Anlage Bruchsal sowie die weiteren Pläne der EnBW vor. 

Das Ziel der EnBW ist es nach Angaben von Thomas Kölbel, an der Geothermieanlage Bruchsal in rund zweieinhalb Jahren etwa 200 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE) im Jahr zu produzieren. Dafür wird die EnBW in den nächsten Monaten einen Demonstrator zur Lithium-Gewinnung aus dem geförderten Thermalwasser an dem Standort errichten. Langfristig will der Versorger drei Produkte wirtschaftlich erzeugen und verkaufen: Strom, Wärme und Lithium. Für Kölbel ist das auch ein naheliegender nächster Schritt. Der Bedarf an Lithium steigt aufgrund der wachsenden Zahl von E-Fahrzeugen und Batterien weltweit. Zugleich „stehen wir beim Lithium in einer globalen Abhängigkeit“, sagte Kölbel in dem Webinar. Zudem steige die Lithium-Nachfrage schneller als das konventionelle Angebot.

Dabei soll die erzeugte geothermische Wärme in der Anlage den Wachstumspfad ebnen; Lithium sei die strategische Ergänzung. Die 200 Tonnen LCE im Demonstrator seien dabei nicht die maximal förderbare Menge in Bruchsal. Mit der derzeitigen Förderrate von 28 Litern pro Sekunde könnten schätzungsweise etwa 800 Tonnen LCE im Jahr gefördert werden. „Das entspricht etwa 20.000 E-Auto-Batterien“, ordnete Kölbel die Fördermenge ein. Dabei soll es aber nicht bleiben, denn der Versorger will nicht nur Lithium fördern, sondern langfristig auch die Fördermenge an Thermalwasser auf bis zu 55 Liter pro Sekunde erhöhen. Damit würde die förderbare Menge an Lithiumkarbonat-Äquivalent auf bis zu 1.600 Tonnen steigen. 

In Bruchsal soll wichtiger Mobilitäts-Rohstoff gefördert werden

Der Geschäftsführer der Geothermiegesellschaft Bruchsal sagte bei dem Webinar, die EnBW gehe davon aus, allein mit den fünf Geothermieanlagen am Oberrheingraben − Bruchsal, Soultz, Rittershoffen, Insheim und Landau − bis zu 6.500 Tonnen LCE erschließen zu können. Wie viel Lithium tatsächlich gefördert werden kann, hänge aber von vielen Faktoren ab. Die genannten Zahlen, so Kölbel, seien das theoretisch-technische Potenzial der Anlagen. Die Kosten des geplanten Demonstrators in Bruchsal schätzte Kölbel auf bis zu 200 Millionen Euro. Parallel liefen bereits Planungen für den Übergang zur industriellen Produktion.

Am Geothermiestandort in Bruchsal ging im vergangenen Jahr noch ein weiteres Projekt der EnBW in Betrieb: Eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage auf Basis von Brennstoffzellen wurde dort installiert, teilte der Energiekonzern damals mit (wir berichteten). Es handelt sich laut EnBW um das erste Brennstoffzellensystem von Bloom Energy, das in Deutschland installiert wurde. Diese Anlage kann für kommunale und industrielle Anwendungen eingesetzt werden. Das Besondere an der Anlage ist der hohe elektrische Wirkungsgrad von über 60 Prozent, teilte die EnBW dazu weiter mit. Sie hat eine elektrische Leistung von 300 kW und eine thermische Leistung von bis zu 160 kW. „Der Standort entwickelt sich mehr und mehr zu einem Energie- und Innovationspark“, so Thomas Kölbel. „Neben dem bestehenden Geothermiekraftwerk und den Forschungsprojekten zur Lithium-Gewinnung ergänzt die Brennstoffzelle die Möglichkeiten für eine nachhaltigere regionale Strom- und Wärmeversorgung.“

Die Geothermie-Anlage in Bruchsal ging im Jahr 2009 als erstes Kraftwerk dieser Art in Baden-Württemberg in Betrieb. Ursprünglich als Forschungsprojekt konzipiert, wurde sie bald für die wirtschaftliche Stromerzeugung genutzt. Im Jahr 2012 gründeten die EnBW und die Stadtwerke Bruchsal die Geothermiegesellschaft Bruchsal GmbH. Seit 2019 liefert das Kraftwerk zusätzlich Wärme an angrenzende Kunden. Die Geothermieanlage wird ab Oktober dieses Jahres zudem das Fernwärmenetz in Bruchsal mit Wärme versorgen. Darüber hinaus prüft EnBW derzeit, ob sich zwei weitere Bohrungen am Standort realisieren lassen.

Mit bestehenden Geothermiebohrungen im Oberrheingraben könnte über mehrere Jahrzehnte zuverlässig Lithium gefördert werden. Das zeigten bereits Datenanalysen von Forschenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Theoretisch könnten bestehende Geothermiekraftwerke im Oberrheingraben und im Norddeutschen Becken bis zu zwölf Prozent des jährlichen Lithiumbedarfs in Deutschland decken. (hr)

Dienstag, 22.09.2026, 17:48 Uhr
Heidi Roider
Energie & Management > Geothermie - Lithium soll weiteres Standbein in Bruchsal werden
Thomas Kölbel und Laura Herrmann, EnBW, an der Pilotanlage zur Lithiumgewinnung. Quelle: EnBW
Geothermie
Lithium soll weiteres Standbein in Bruchsal werden
An der Geothermieanlage Bruchsal will die EnBW in den nächsten Monaten einen Demonstrator zur Lithium-Gewinnung errichten. Geschätzte Fördermenge: 800 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent.
Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) will in den nächsten Monaten am Geothermiekraftwerk Bruchsal einen Demonstrator zur Lithium-Gewinnung errichten. Dieser soll die Forschungsanlage ablösen. „Die kombinierte Wärme- und Lithium-Gewinnung wird für uns zu einer strategischen Chance“, erklärte Thomas Kölbel, Geschäftsführer der Geothermiegesellschaft Bruchsal GmbH, einer gemeinsamen Gesellschaft von EnBW und den Stadtwerken Bruchsal. In einem Webinar am 22. September mit dem Titel „Tiefe Geothermie verstehen – Strom, Wärme und bald auch Lithium?“ stellte Kölbel die Anlage Bruchsal sowie die weiteren Pläne der EnBW vor. 

Das Ziel der EnBW ist es nach Angaben von Thomas Kölbel, an der Geothermieanlage Bruchsal in rund zweieinhalb Jahren etwa 200 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE) im Jahr zu produzieren. Dafür wird die EnBW in den nächsten Monaten einen Demonstrator zur Lithium-Gewinnung aus dem geförderten Thermalwasser an dem Standort errichten. Langfristig will der Versorger drei Produkte wirtschaftlich erzeugen und verkaufen: Strom, Wärme und Lithium. Für Kölbel ist das auch ein naheliegender nächster Schritt. Der Bedarf an Lithium steigt aufgrund der wachsenden Zahl von E-Fahrzeugen und Batterien weltweit. Zugleich „stehen wir beim Lithium in einer globalen Abhängigkeit“, sagte Kölbel in dem Webinar. Zudem steige die Lithium-Nachfrage schneller als das konventionelle Angebot.

Dabei soll die erzeugte geothermische Wärme in der Anlage den Wachstumspfad ebnen; Lithium sei die strategische Ergänzung. Die 200 Tonnen LCE im Demonstrator seien dabei nicht die maximal förderbare Menge in Bruchsal. Mit der derzeitigen Förderrate von 28 Litern pro Sekunde könnten schätzungsweise etwa 800 Tonnen LCE im Jahr gefördert werden. „Das entspricht etwa 20.000 E-Auto-Batterien“, ordnete Kölbel die Fördermenge ein. Dabei soll es aber nicht bleiben, denn der Versorger will nicht nur Lithium fördern, sondern langfristig auch die Fördermenge an Thermalwasser auf bis zu 55 Liter pro Sekunde erhöhen. Damit würde die förderbare Menge an Lithiumkarbonat-Äquivalent auf bis zu 1.600 Tonnen steigen. 

In Bruchsal soll wichtiger Mobilitäts-Rohstoff gefördert werden

Der Geschäftsführer der Geothermiegesellschaft Bruchsal sagte bei dem Webinar, die EnBW gehe davon aus, allein mit den fünf Geothermieanlagen am Oberrheingraben − Bruchsal, Soultz, Rittershoffen, Insheim und Landau − bis zu 6.500 Tonnen LCE erschließen zu können. Wie viel Lithium tatsächlich gefördert werden kann, hänge aber von vielen Faktoren ab. Die genannten Zahlen, so Kölbel, seien das theoretisch-technische Potenzial der Anlagen. Die Kosten des geplanten Demonstrators in Bruchsal schätzte Kölbel auf bis zu 200 Millionen Euro. Parallel liefen bereits Planungen für den Übergang zur industriellen Produktion.

Am Geothermiestandort in Bruchsal ging im vergangenen Jahr noch ein weiteres Projekt der EnBW in Betrieb: Eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage auf Basis von Brennstoffzellen wurde dort installiert, teilte der Energiekonzern damals mit (wir berichteten). Es handelt sich laut EnBW um das erste Brennstoffzellensystem von Bloom Energy, das in Deutschland installiert wurde. Diese Anlage kann für kommunale und industrielle Anwendungen eingesetzt werden. Das Besondere an der Anlage ist der hohe elektrische Wirkungsgrad von über 60 Prozent, teilte die EnBW dazu weiter mit. Sie hat eine elektrische Leistung von 300 kW und eine thermische Leistung von bis zu 160 kW. „Der Standort entwickelt sich mehr und mehr zu einem Energie- und Innovationspark“, so Thomas Kölbel. „Neben dem bestehenden Geothermiekraftwerk und den Forschungsprojekten zur Lithium-Gewinnung ergänzt die Brennstoffzelle die Möglichkeiten für eine nachhaltigere regionale Strom- und Wärmeversorgung.“

Die Geothermie-Anlage in Bruchsal ging im Jahr 2009 als erstes Kraftwerk dieser Art in Baden-Württemberg in Betrieb. Ursprünglich als Forschungsprojekt konzipiert, wurde sie bald für die wirtschaftliche Stromerzeugung genutzt. Im Jahr 2012 gründeten die EnBW und die Stadtwerke Bruchsal die Geothermiegesellschaft Bruchsal GmbH. Seit 2019 liefert das Kraftwerk zusätzlich Wärme an angrenzende Kunden. Die Geothermieanlage wird ab Oktober dieses Jahres zudem das Fernwärmenetz in Bruchsal mit Wärme versorgen. Darüber hinaus prüft EnBW derzeit, ob sich zwei weitere Bohrungen am Standort realisieren lassen.

Mit bestehenden Geothermiebohrungen im Oberrheingraben könnte über mehrere Jahrzehnte zuverlässig Lithium gefördert werden. Das zeigten bereits Datenanalysen von Forschenden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Theoretisch könnten bestehende Geothermiekraftwerke im Oberrheingraben und im Norddeutschen Becken bis zu zwölf Prozent des jährlichen Lithiumbedarfs in Deutschland decken. (hr)

Dienstag, 22.09.2026, 17:48 Uhr
Heidi Roider

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