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Rhein Netz und Envelio entwickeln ein Leitsystem für die Niederspannung. Ziel ist ein stärker digitalisierter und automatisierter Netzbetrieb.
Rhein Netz, Tochtergesellschaft von Rheinenergie in Köln, und das Softwareunternehmen Envelio arbeiten gemeinsam an einem Leitsystem für die Niederspannung. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, soll damit der Netzbetrieb stärker digitalisiert und automatisiert werden, um den steigenden Anforderungen an die Verteilnetze zu begegnen.
Während Leitsysteme in höheren Spannungsebenen seit Jahren etabliert sind, gewinnt der Überwachungs- und Steuerungsbedarf in der Niederspannung zunehmend an Bedeutung. Grundlage der Kooperation ist die Intelligent Grid Platform (IGP) von Envelio. Diese digitalisiere und automatisiere zentrale Prozesse, von der Anschlussprüfung über die Netzplanung und den Netzbetrieb bis zur Netzsteuerung. Damit schaffen die Partner nach eigenen Angaben die Basis für einen effizienten und zukunftssicheren Netzbetrieb.
Ein zentrales Element der Kooperation ist der sogenannte Plan-Ops-Ansatz. Dabei werden Planung und Betrieb eng miteinander verzahnt, indem Prozesse wie Anschlussprüfung, Netzplanung und Steuerung auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt werden. Dies soll konsistentere und schneller umsetzbare Entscheidungen ermöglichen.
Stärker vorausschauender Ansatz
Nach Angaben von Rhein Netz soll das System unter anderem dazu beitragen, Netzanschlussanfragen automatisiert zu prüfen und zu verarbeiten und die strategische Netzplanung mithilfe von Szenarien weiterzuentwickeln. Im laufenden Betrieb könne das Leitsystem Schalthandlungen simulieren und deren Auswirkungen auf Auslastung und Versorgungssicherheit bewerten.
Darüber hinaus bildet ein digitaler Zwilling die Grundlage für weitergehende Automatisierungsschritte. So lasse sich etwa die Steuerung von Verbrauchseinrichtungen gemäß §14a EnWG automatisiert umsetzen. Perspektivisch sei auch eine automatisierte Steuerung von Erzeugungsanlagen nach §9 EEG vorgesehen. Durch die weiterentwickelte Plattform soll es künftig ebenfalls möglich sein, „weitere regulatorische Treiber skalierbar umzusetzen“, wie es in der Mitteilung weiter heißt.
Aus Sicht der beteiligten Unternehmen soll die Kombination aus Digitalisierung, Automatisierung und integrierter Planung die Effizienz im Netzbetrieb erhöhen und die Integration neuer Anlagen erleichtern. Rhein Netz verfolgt dabei nach eigenen Angaben einen stärker vorausschauenden Ansatz, bei dem Netzentwicklung nicht nur auf akute Bedarfe reagiert, sondern langfristig geplant wird.
Die Kooperation umfasst verschiedene Anwendungen innerhalb der Plattform, darunter Werkzeuge für Netzanalysen, Monitoring, Engpassmanagement und Anschlussprozesse. Damit sollen zentrale Aufgaben in Planung und Betrieb künftig stärker standardisiert und digital unterstützt werden.
„Wir sind überzeugt, dass die Einführung eines produktiven Niederspannungsleitsystems und damit der Aufbau eines digitalen Zwillings nicht nur für uns als Netzbetreiber und unsere Kundschaft erhebliche Vorteile bringt, sondern sich letztlich auch positiv auf das Gelingen der Energiewende auswirkt“, erklärt Jan Patrick Linossier, Technischer Geschäftsführer der Rhein Netz.
Freitag, 20.03.2026, 09:15 Uhr
Fritz Wilhelm
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