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Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Contracting Award geht an Dockyard-Projekt
Quelle: E&M
Aus Der Aktuellen Ausgabe

Contracting Award geht an Dockyard-Projekt

Der Contracting Award 2026 ist an die Empact GmbH in Berlin gegangen. Die Jury lobte ihr Energieprojekt „Dockyard“ als Beitrag zur klimaneutralen Energieversorgung im urbanen Raum. 
 
Die Sieger des Contracting Awards mit Vedec-Chef Tobias Dworschak, (3. v.r.), E&M-Chefredakteur Stefan Sagmeister (2. v.r.) sowie E&M-Redakteurin Heidi Roider (Mitte)
Quelle: Thomas Rosenthal
 
Die Empact GmbH aus Berlin hat den Contracting Award 2026 gewonnen. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre von Energie & Management sowie dem Vedec − Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting − vergeben. Am 22. Juni fand die festliche Preisverleihung während der Jahreskonferenz des Verbands in Berlin statt.
 
E&M-Chefredakteur Stefan Sagmeister bei der Verleihung des diesjährigen Contracting Awards im Berliner Spreespeicher
Quelle: Thomas Rosenthal
 
Empact überzeugte die Jury mit dem Projekt „Dockyard − Integriertes Energie- und Wärmeliefercontracting“. Das Vorhaben zeige beispielhaft, wie sich Contracting im städtischen Umfeld zu einem integrierten und klimaneutralen Energiesystem weiterentwickeln lasse. Die Jury hob insbesondere die Verbindung von Energieversorgung, Klimaschutz und stadtverträglicher Umsetzung hervor. Der Contracting Award wird seit 1997 vergeben. 
 
Zahlreiche Gäste waren zur Verleihung des Contracting Awards gekommen
Quelle: Thomas Rosenthal

Neuer Bewerberrekord

In diesem Jahr gingen 19 Bewerbungen ein. Damit verzeichnete der Wettbewerb die bislang höchste Teilnehmerzahl. Die eingereichten Projekte deckten ein breites Spektrum ab − von Geothermie- und Eisspeicherlösungen bis hin zu kommunalen und industriellen Energieprojekten. „Die Vielfalt der eingereichten Projekte hat uns wirklich begeistert“, erklärte der Vedec-Vorstandsvorsitzende Tobias Dworschak.
Die Bewerbungen hätten gezeigt, wie unterschiedlich die Herausforderungen der Energiewende seien und welche individuellen Lösungen Contracting dafür bieten könne, sagte Juror Oliver Bornkamm, Referatsleiter im BMWE. Contracting sei für Bürogebäude, Gewerbestandorte, Industrieunternehmen und kommunale Liegenschaften gleichermaßen ein wichtiger Baustein für mehr Energieeffizienz und Klimaschutz.


1. Platz: Empact GmbH − Dockyard Berlin

Mit „Dockyard − Integriertes Energie- und Wärmeliefercontracting“ zeichnet die Jury ein Projekt aus, das in besonderer Weise zeigt, wie Contracting im urbanen Raum zu einem klimaneutralen und stadtverträglichen Energiesystem weiterentwickelt werden kann. Dockyard ist ein überzeugendes Zusammenspiel aus Planung, Finanzierung, Betrieb, Optimierung und partnerschaftlicher Vertragsgestaltung. Damit erfüllt das Projekt in herausragender Weise den Anspruch des Contracting Awards, nicht allein Technik, sondern vorbildliche Organisations- und Betreibermodelle sichtbar zu machen.
 
Der Contracting Award 2026 ging an die Empact GmbH für das Projekt Dockyard
Quelle: Thomas Rosenthal
 
Für den siebengeschossigen Bürokomplex in Holzhybridbauweise an der Stralauer Allee in Berlin hat die Empact GmbH ein Energieversorgungssystem realisiert, das Photovoltaik und Photovoltaikthermie, Wärmepumpen, Eisspeicher, gebäudeeigene Abwärme und digitale Betriebsführung intelligent miteinander verbindet. Die Bewerbung nennt eine PV/PVT-Anlage mit 323 kW elektrischer Leistung und rund 260 kW zusätzlicher solarthermischer beziehungsweise PVT-Leistung, ein Wärmepumpensystem mit rund 2.000 kW Wärme- und 1.400 kW Kälteleistung, drei Ammoniak-Großwärmepumpen, 16 Luft-Wärmepumpen auf dem Dach sowie einen Eisspeicher mit rund 1.500 Kubikmeter Volumen. 

Besonders auszeichnungswürdig ist, dass die einzelnen Komponenten nicht nebeneinanderstehen, sondern funktional aufeinander bezogen sind. Der Eisspeicher dient als saisonaler Speicher und ermöglicht sowohl effiziente Wärmebereitstellung im Winter als auch Kälteversorgung im Sommer. Der Strom aus PV und PVT wird vorrangig zum Betrieb der Wärmepumpen eingesetzt; zugleich sorgt ein KI-gestütztes Energiemanagement für einen bedarfsgerechten, prädiktiven und sektorgekoppelten Betrieb. Wärme, Kälte, Strom, Speicher und perspektivisch Elektromobilität werden damit nicht isoliert, sondern als ein gemeinsames Energiesystem verstanden. 

Auch beim Kriterium Umweltentlastung setzt Dockyard ein starkes Zeichen. Das Projekt verzichtet vollständig auf fossile Brennstoffe und wird als klimaneutral im Betrieb beschrieben. Die Nutzung lokaler und regenerativer Energiequellen, die Kombination aus Wärmepumpen und Großspeicher sowie die Minimierung lokaler Abwärme- und Lärmemissionen sind gerade im dichten städtischen Raum von besonderer Bedeutung. Dockyard zeigt damit, dass Dekarbonisierung und Stadtverträglichkeit zusammengehören: Klimaschutz wird hier nicht auf Kosten des Quartiers umgesetzt, sondern als Beitrag zu einem leiseren, emissionsärmeren und weniger überwärmten Stadtraum verstanden.

Der innovative Kern liegt insbesondere in der konsequenten Nutzung von PVT-Modulen als multifunktionalem Bestandteil der Energieversorgung. Sie ermöglichen die Doppelnutzung knapper Dachflächen, erzeugen Strom und Wärme, entlasten die PV-Module thermisch und vermeiden zugleich konventionelle Rückkühler. Gerade diese Verbindung von technischer Effizienz, architektonischer Integration und städtebaulicher Qualität macht das Projekt beispielgebend. Dockyard zeigt, wie urbane Energiezentralen künftig aussehen können: leise, integriert, erneuerbar, speicherfähig und auf den konkreten Ort zugeschnitten. 

Die Bewerbung beschreibt den zugrundeliegenden Vertrag als ein partnerschaftliches Contractingmodell mit transparenter Preisbildung, klarer Kostenlogik, langfristig stabilen Wärme- und Kältepreisen sowie einer nachvollziehbaren Zuordnung von Risiken, Verantwortlichkeiten und Chancen. 

Dockyard hat die Jury deshalb besonders überzeugt, weil das Projekt die Zukunft des Contractings sehr anschaulich darstellt. Es geht nicht mehr nur um die Lieferung von Wärme oder Kälte, sondern um die Gestaltung eines urbanen Energiesystems. Das Projekt verbindet technologische Exzellenz mit städtischer Sensibilität, Klimaneutralität mit Nutzerakzeptanz und Innovation mit einem tragfähigen Betreibermodell. Dockyard steht damit exemplarisch für eine neue Generation von Contractingprojekten: systemisch gedacht, partnerschaftlich umgesetzt und sichtbar wirksam im Quartier.
 
Der Bürokomplex „Dockyard“ in Berlin: Sein Konzept erhielt den ersten Platz beim diesjährigen Contracting Award
Quelle: empact GmbH



2. Platz: EnBW Contracting GmbH − Masterplan CO2-Reduktion am Chemiestandort Seelze

Mit dem Masterplan CO2-Reduktion − Neue Energieversorgung am Chemiestandort in Seelze würdigt die Jury ein Projekt von außergewöhnlicher industrieller Dimension. EnBW Contracting und Solstice Advanced Materials zeigen, wie Contracting auch dort wirksam werden kann, wo die Anforderungen an Versorgungssicherheit, Temperatur- und Medienniveaus, Betriebsstabilität und Wirtschaftlichkeit besonders hoch sind: in der chemischen Industrie. 

Kern des Projekts ist ein integriertes Energiekonzept, das Wärmepumpentechnologie, produktionsbedingte Abwärme, ein Biomasse- beziehungsweise Altholzheizwerk zur Grundlast-Dampferzeugung, neue Heizwasser- und Kühlwassernetze sowie eine digital gesteuerte Betriebsführung miteinander verbindet. Die bisherige erdgasbefeuerte Gasturbinenanlage zur Dampferzeugung wurde durch eine neue Energiezentrale ersetzt, die den Standort bedarfsgerecht mit Dampf, Warmwasser sowie Kalt- und Kühlwasser versorgt. Die schlüsselfertige Inbetriebnahme der neuen Energiezentrale erfolgte im August 2025. 

Besonders hervorzuheben ist die konsequente Systemlogik: Das Anlagendesign folgt dem Prinzip „erneuerbar vor fossil, Abwärme vor Primärenergie“. Zum Einsatz kommen unter anderem ein Biomassedampfkessel mit 6 MW Feuerungswärmeleistung, bivalente H2-ready-Spitzenlastkessel, eine hocheffiziente Wärmepumpe mit 1,7 MWth, eine zentrale Kälte- und Kühlwassererzeugung, ein rund 1.300 Meter langes neues Heizwassernetz sowie ein rund 400 Meter langes neues Kühlwassernetz. Diese neuen Mediennetze ermöglichen die De-Steaming-Strategie und reduzieren den Dampfbedarf um rund ein Drittel. 

In der Umweltentlastung ist das Projekt besonders stark. Die medienbedingten CO2-Emissionen sinken nach den Bewerbungsunterlagen um rund 16.000 Tonnen pro Jahr und entsprechen einer Reduktion von etwa 80 Prozent gegenüber der bisherigen fossilen Energieversorgung. Gleichzeitig werden rund 7.600 MWh/a produktionsbedingter Abwärme erstmals systematisch genutzt, statt ungenutzt an die Umwelt abgegeben zu werden. Der Dampfbedarf wird von 53.000 auf 34.600 MWh/a reduziert. 

Auch beim Kriterium Sektorenkopplung setzt das Projekt Maßstäbe. Dampf, Warmwasser, Kälte, Kühlwasser, Abwärme, Biomasse, Strom und digitale Betriebsoptimierung werden nicht getrennt betrachtet, sondern als Elemente eines gemeinsamen industriellen Energiesystems geführt. Das Betriebskonzept ist multiprimärenergiefähig und digital vernetzt; die Erzeuger werden nach ökologischen, energiewirtschaftlichen und produktionstechnischen Kriterien eingesetzt. Die Priorisierung folgt einer klaren Logik: Biomasse beziehungsweise Altholz als Grundlastträger, Wärmepumpe bei verfügbarer Abwärme und günstigen Strom- oder PV-Situationen, konsequente Rückführung von Abwärmeströmen sowie flexible Spitzenlast- und Redundanzkessel. 

Das Contractingmodell ist für diesen Kontext besonders bedeutsam. EnBW Contracting übernimmt nicht nur die Rolle eines technischen Umsetzers, sondern eines langfristigen Energiedienstleisters, der Entwicklung, Realisierung, Finanzierung und Betrieb einer komplexen Medienversorgung verbindet. 

Die Jury würdigt dieses Projekt, weil es Contracting in eine Sphäre bringt, die für die Energiewende entscheidend ist: die industrielle Produktion. Seelze zeigt, dass Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und ambitionierte CO2-Reduktion keine Gegensätze sein müssen. In einer Zeit, in der die industrielle Transformation oft abstrakt diskutiert wird, liefert das Projekt ein konkretes, mutiges und wirksames Beispiel. Es ist ein starkes Signal: Contracting kann nicht nur Gebäude versorgen, es kann auch die Industrie verändern.
 
Das Altholzheizwerk zur Grundlast-Dampferzeugung
Quelle: EnBW


3. Platz: E1 Energiemanagement GmbH − Energieeinsparcontracting Gemeinde Edingen-Neckarhausen

Mit dem Energieeinsparcontracting-Projekt der Gemeinde Edingen-Neckarhausen zeichnet die Jury ein Projekt aus, das auf besonders überzeugende Weise zeigt, welche Kraft im klassischen Energieeinsparcontracting liegt, wenn es konsequent, messbar und partnerschaftlich umgesetzt wird. Das Projekt betrifft sieben kommunale Liegenschaften − darunter Verwaltungsgebäude, Schulen, Sporthallen, ein Museum und Freizeitbad − und adressiert damit genau jene Gebäude, in denen sich die kommunale Wärmewende im Alltag bewähren muss. 

Ausgangspunkt war eine öffentliche Ausschreibung der Gemeinde im August 2023 mit dem Ziel, Energieverbrauch, Energiekosten und CO2-Emissionen möglichst umfassend und wirtschaftlich zu reduzieren. Bemerkenswert ist dabei, dass das Projekt an eine frühere Energieeinsparcontracting-Ausschreibung aus dem Jahr 2006 anschließt. Die Gemeinde hat das Instrument Contracting also nicht als einmalige Maßnahme verstanden, sondern als lern- und entwicklungsfähiges Modell kommunaler Energieeffizienz. Mit der Folgeausschreibung wurden technologischer Fortschritt, veränderte Rahmenbedingungen und insbesondere die Reduzierung der CO2-Emissionen in den Mittelpunkt gerückt. 

Technisch wurden die sieben Gebäude aus sehr unterschiedlichen Baujahren und Nutzungsarten zu einem anspruchsvollen kommunalen Gebäudepool zusammengeführt. Die Liegenschaften reichen vom historischen Schloss bis zu Gebäuden aus den 1970er-Jahren. Im technischen Konzept wurden insgesamt zehn Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Leistungen zwischen 18 und 400 kW sowie fünf neue Wärmeerzeugungsanlagen zwischen 100 und 400 kW installiert. Zwei Liegenschaften wurden zudem über neu verlegte Nahwärmeleitungen an mit Luft-Wasser-Wärmepumpen ausgestattete Gebäude angebunden. 

Die Umweltentlastung ist außergewöhnlich gut belegt. Die garantierte Energiekosteneinsparung beträgt 408.257 Euro netto pro Jahr und damit 45,5 Prozent, bezogen auf die Energiekosten-Baseline. Die CO2-Emissionen werden um 778 Tonnen pro Jahr beziehungsweise 64,4 Prozent reduziert. Der Endenergieverbrauch sinkt um 41,7 Prozent; der Primärenergieverbrauch wird um 38,7 Prozent verringert. 

Gerade im Kriterium „Faires und transparentes Vertragsmodell“ ist das Projekt stark. E1 Energiemanagement ist während der 15-jährigen Vertragslaufzeit für Störungsbehebung, Betreuung, Wartung, Instandhaltung, das Einsparergebnis und den energie- beziehungsweise CO2-effizienten Betrieb der Erzeugungsanlagen verantwortlich. Die Investitionskosten von rund 3,92 Millionen Euro netto werden über die Vertragslaufzeit refinanziert; ergänzend werden ein Investitionskostenbeitrag und BEG-Fördermittel berücksichtigt. Damit werden technische Verantwortung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und überprüfbare Einsparziele in einem klaren Contractingmodell zusammengeführt. 

Die Jury würdigt dieses Projekt auch deshalb, weil es ein sehr praktisches, übertragbares Modell kommunaler Bestandsmodernisierung ist. Edingen-Neckarhausen zeigt, dass ambitionierte Energie- und CO2-Einsparungen auch in heterogenen kommunalen Gebäudepools möglich sind, wie hier mit Schulen, Sporthallen, Rathaus, Freizeitbad und historischen Gebäuden. Das ist vielleicht weniger spektakulär als manche technische Einzelinnovation, aber für die Wärmewende in der Fläche von enormer Bedeutung.

Das Projekt steht für die Stärke des Contractings in seiner vielleicht klassischsten und zugleich hochaktuellen Form: messbare Einsparung, garantierte Wirkung, partnerschaftliche Umsetzung, Entlastung der Kommune und Dekarbonisierung im Bestand. Es zeigt, dass Contracting nicht nur Visionen ermöglicht, sondern Verlässlichkeit schafft. (hr/sh)

Montag, 3.08.2026, 10:28 Uhr
Heidi Roider und Susanne Harmsen
Energie & Management > Aus Der Aktuellen Ausgabe - Contracting Award geht an Dockyard-Projekt
Quelle: E&M
Aus Der Aktuellen Ausgabe
Contracting Award geht an Dockyard-Projekt
Der Contracting Award 2026 ist an die Empact GmbH in Berlin gegangen. Die Jury lobte ihr Energieprojekt „Dockyard“ als Beitrag zur klimaneutralen Energieversorgung im urbanen Raum. 
 
Die Sieger des Contracting Awards mit Vedec-Chef Tobias Dworschak, (3. v.r.), E&M-Chefredakteur Stefan Sagmeister (2. v.r.) sowie E&M-Redakteurin Heidi Roider (Mitte)
Quelle: Thomas Rosenthal
 
Die Empact GmbH aus Berlin hat den Contracting Award 2026 gewonnen. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre von Energie & Management sowie dem Vedec − Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting − vergeben. Am 22. Juni fand die festliche Preisverleihung während der Jahreskonferenz des Verbands in Berlin statt.
 
E&M-Chefredakteur Stefan Sagmeister bei der Verleihung des diesjährigen Contracting Awards im Berliner Spreespeicher
Quelle: Thomas Rosenthal
 
Empact überzeugte die Jury mit dem Projekt „Dockyard − Integriertes Energie- und Wärmeliefercontracting“. Das Vorhaben zeige beispielhaft, wie sich Contracting im städtischen Umfeld zu einem integrierten und klimaneutralen Energiesystem weiterentwickeln lasse. Die Jury hob insbesondere die Verbindung von Energieversorgung, Klimaschutz und stadtverträglicher Umsetzung hervor. Der Contracting Award wird seit 1997 vergeben. 
 
Zahlreiche Gäste waren zur Verleihung des Contracting Awards gekommen
Quelle: Thomas Rosenthal

Neuer Bewerberrekord

In diesem Jahr gingen 19 Bewerbungen ein. Damit verzeichnete der Wettbewerb die bislang höchste Teilnehmerzahl. Die eingereichten Projekte deckten ein breites Spektrum ab − von Geothermie- und Eisspeicherlösungen bis hin zu kommunalen und industriellen Energieprojekten. „Die Vielfalt der eingereichten Projekte hat uns wirklich begeistert“, erklärte der Vedec-Vorstandsvorsitzende Tobias Dworschak.
Die Bewerbungen hätten gezeigt, wie unterschiedlich die Herausforderungen der Energiewende seien und welche individuellen Lösungen Contracting dafür bieten könne, sagte Juror Oliver Bornkamm, Referatsleiter im BMWE. Contracting sei für Bürogebäude, Gewerbestandorte, Industrieunternehmen und kommunale Liegenschaften gleichermaßen ein wichtiger Baustein für mehr Energieeffizienz und Klimaschutz.


1. Platz: Empact GmbH − Dockyard Berlin

Mit „Dockyard − Integriertes Energie- und Wärmeliefercontracting“ zeichnet die Jury ein Projekt aus, das in besonderer Weise zeigt, wie Contracting im urbanen Raum zu einem klimaneutralen und stadtverträglichen Energiesystem weiterentwickelt werden kann. Dockyard ist ein überzeugendes Zusammenspiel aus Planung, Finanzierung, Betrieb, Optimierung und partnerschaftlicher Vertragsgestaltung. Damit erfüllt das Projekt in herausragender Weise den Anspruch des Contracting Awards, nicht allein Technik, sondern vorbildliche Organisations- und Betreibermodelle sichtbar zu machen.
 
Der Contracting Award 2026 ging an die Empact GmbH für das Projekt Dockyard
Quelle: Thomas Rosenthal
 
Für den siebengeschossigen Bürokomplex in Holzhybridbauweise an der Stralauer Allee in Berlin hat die Empact GmbH ein Energieversorgungssystem realisiert, das Photovoltaik und Photovoltaikthermie, Wärmepumpen, Eisspeicher, gebäudeeigene Abwärme und digitale Betriebsführung intelligent miteinander verbindet. Die Bewerbung nennt eine PV/PVT-Anlage mit 323 kW elektrischer Leistung und rund 260 kW zusätzlicher solarthermischer beziehungsweise PVT-Leistung, ein Wärmepumpensystem mit rund 2.000 kW Wärme- und 1.400 kW Kälteleistung, drei Ammoniak-Großwärmepumpen, 16 Luft-Wärmepumpen auf dem Dach sowie einen Eisspeicher mit rund 1.500 Kubikmeter Volumen. 

Besonders auszeichnungswürdig ist, dass die einzelnen Komponenten nicht nebeneinanderstehen, sondern funktional aufeinander bezogen sind. Der Eisspeicher dient als saisonaler Speicher und ermöglicht sowohl effiziente Wärmebereitstellung im Winter als auch Kälteversorgung im Sommer. Der Strom aus PV und PVT wird vorrangig zum Betrieb der Wärmepumpen eingesetzt; zugleich sorgt ein KI-gestütztes Energiemanagement für einen bedarfsgerechten, prädiktiven und sektorgekoppelten Betrieb. Wärme, Kälte, Strom, Speicher und perspektivisch Elektromobilität werden damit nicht isoliert, sondern als ein gemeinsames Energiesystem verstanden. 

Auch beim Kriterium Umweltentlastung setzt Dockyard ein starkes Zeichen. Das Projekt verzichtet vollständig auf fossile Brennstoffe und wird als klimaneutral im Betrieb beschrieben. Die Nutzung lokaler und regenerativer Energiequellen, die Kombination aus Wärmepumpen und Großspeicher sowie die Minimierung lokaler Abwärme- und Lärmemissionen sind gerade im dichten städtischen Raum von besonderer Bedeutung. Dockyard zeigt damit, dass Dekarbonisierung und Stadtverträglichkeit zusammengehören: Klimaschutz wird hier nicht auf Kosten des Quartiers umgesetzt, sondern als Beitrag zu einem leiseren, emissionsärmeren und weniger überwärmten Stadtraum verstanden.

Der innovative Kern liegt insbesondere in der konsequenten Nutzung von PVT-Modulen als multifunktionalem Bestandteil der Energieversorgung. Sie ermöglichen die Doppelnutzung knapper Dachflächen, erzeugen Strom und Wärme, entlasten die PV-Module thermisch und vermeiden zugleich konventionelle Rückkühler. Gerade diese Verbindung von technischer Effizienz, architektonischer Integration und städtebaulicher Qualität macht das Projekt beispielgebend. Dockyard zeigt, wie urbane Energiezentralen künftig aussehen können: leise, integriert, erneuerbar, speicherfähig und auf den konkreten Ort zugeschnitten. 

Die Bewerbung beschreibt den zugrundeliegenden Vertrag als ein partnerschaftliches Contractingmodell mit transparenter Preisbildung, klarer Kostenlogik, langfristig stabilen Wärme- und Kältepreisen sowie einer nachvollziehbaren Zuordnung von Risiken, Verantwortlichkeiten und Chancen. 

Dockyard hat die Jury deshalb besonders überzeugt, weil das Projekt die Zukunft des Contractings sehr anschaulich darstellt. Es geht nicht mehr nur um die Lieferung von Wärme oder Kälte, sondern um die Gestaltung eines urbanen Energiesystems. Das Projekt verbindet technologische Exzellenz mit städtischer Sensibilität, Klimaneutralität mit Nutzerakzeptanz und Innovation mit einem tragfähigen Betreibermodell. Dockyard steht damit exemplarisch für eine neue Generation von Contractingprojekten: systemisch gedacht, partnerschaftlich umgesetzt und sichtbar wirksam im Quartier.
 
Der Bürokomplex „Dockyard“ in Berlin: Sein Konzept erhielt den ersten Platz beim diesjährigen Contracting Award
Quelle: empact GmbH



2. Platz: EnBW Contracting GmbH − Masterplan CO2-Reduktion am Chemiestandort Seelze

Mit dem Masterplan CO2-Reduktion − Neue Energieversorgung am Chemiestandort in Seelze würdigt die Jury ein Projekt von außergewöhnlicher industrieller Dimension. EnBW Contracting und Solstice Advanced Materials zeigen, wie Contracting auch dort wirksam werden kann, wo die Anforderungen an Versorgungssicherheit, Temperatur- und Medienniveaus, Betriebsstabilität und Wirtschaftlichkeit besonders hoch sind: in der chemischen Industrie. 

Kern des Projekts ist ein integriertes Energiekonzept, das Wärmepumpentechnologie, produktionsbedingte Abwärme, ein Biomasse- beziehungsweise Altholzheizwerk zur Grundlast-Dampferzeugung, neue Heizwasser- und Kühlwassernetze sowie eine digital gesteuerte Betriebsführung miteinander verbindet. Die bisherige erdgasbefeuerte Gasturbinenanlage zur Dampferzeugung wurde durch eine neue Energiezentrale ersetzt, die den Standort bedarfsgerecht mit Dampf, Warmwasser sowie Kalt- und Kühlwasser versorgt. Die schlüsselfertige Inbetriebnahme der neuen Energiezentrale erfolgte im August 2025. 

Besonders hervorzuheben ist die konsequente Systemlogik: Das Anlagendesign folgt dem Prinzip „erneuerbar vor fossil, Abwärme vor Primärenergie“. Zum Einsatz kommen unter anderem ein Biomassedampfkessel mit 6 MW Feuerungswärmeleistung, bivalente H2-ready-Spitzenlastkessel, eine hocheffiziente Wärmepumpe mit 1,7 MWth, eine zentrale Kälte- und Kühlwassererzeugung, ein rund 1.300 Meter langes neues Heizwassernetz sowie ein rund 400 Meter langes neues Kühlwassernetz. Diese neuen Mediennetze ermöglichen die De-Steaming-Strategie und reduzieren den Dampfbedarf um rund ein Drittel. 

In der Umweltentlastung ist das Projekt besonders stark. Die medienbedingten CO2-Emissionen sinken nach den Bewerbungsunterlagen um rund 16.000 Tonnen pro Jahr und entsprechen einer Reduktion von etwa 80 Prozent gegenüber der bisherigen fossilen Energieversorgung. Gleichzeitig werden rund 7.600 MWh/a produktionsbedingter Abwärme erstmals systematisch genutzt, statt ungenutzt an die Umwelt abgegeben zu werden. Der Dampfbedarf wird von 53.000 auf 34.600 MWh/a reduziert. 

Auch beim Kriterium Sektorenkopplung setzt das Projekt Maßstäbe. Dampf, Warmwasser, Kälte, Kühlwasser, Abwärme, Biomasse, Strom und digitale Betriebsoptimierung werden nicht getrennt betrachtet, sondern als Elemente eines gemeinsamen industriellen Energiesystems geführt. Das Betriebskonzept ist multiprimärenergiefähig und digital vernetzt; die Erzeuger werden nach ökologischen, energiewirtschaftlichen und produktionstechnischen Kriterien eingesetzt. Die Priorisierung folgt einer klaren Logik: Biomasse beziehungsweise Altholz als Grundlastträger, Wärmepumpe bei verfügbarer Abwärme und günstigen Strom- oder PV-Situationen, konsequente Rückführung von Abwärmeströmen sowie flexible Spitzenlast- und Redundanzkessel. 

Das Contractingmodell ist für diesen Kontext besonders bedeutsam. EnBW Contracting übernimmt nicht nur die Rolle eines technischen Umsetzers, sondern eines langfristigen Energiedienstleisters, der Entwicklung, Realisierung, Finanzierung und Betrieb einer komplexen Medienversorgung verbindet. 

Die Jury würdigt dieses Projekt, weil es Contracting in eine Sphäre bringt, die für die Energiewende entscheidend ist: die industrielle Produktion. Seelze zeigt, dass Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und ambitionierte CO2-Reduktion keine Gegensätze sein müssen. In einer Zeit, in der die industrielle Transformation oft abstrakt diskutiert wird, liefert das Projekt ein konkretes, mutiges und wirksames Beispiel. Es ist ein starkes Signal: Contracting kann nicht nur Gebäude versorgen, es kann auch die Industrie verändern.
 
Das Altholzheizwerk zur Grundlast-Dampferzeugung
Quelle: EnBW


3. Platz: E1 Energiemanagement GmbH − Energieeinsparcontracting Gemeinde Edingen-Neckarhausen

Mit dem Energieeinsparcontracting-Projekt der Gemeinde Edingen-Neckarhausen zeichnet die Jury ein Projekt aus, das auf besonders überzeugende Weise zeigt, welche Kraft im klassischen Energieeinsparcontracting liegt, wenn es konsequent, messbar und partnerschaftlich umgesetzt wird. Das Projekt betrifft sieben kommunale Liegenschaften − darunter Verwaltungsgebäude, Schulen, Sporthallen, ein Museum und Freizeitbad − und adressiert damit genau jene Gebäude, in denen sich die kommunale Wärmewende im Alltag bewähren muss. 

Ausgangspunkt war eine öffentliche Ausschreibung der Gemeinde im August 2023 mit dem Ziel, Energieverbrauch, Energiekosten und CO2-Emissionen möglichst umfassend und wirtschaftlich zu reduzieren. Bemerkenswert ist dabei, dass das Projekt an eine frühere Energieeinsparcontracting-Ausschreibung aus dem Jahr 2006 anschließt. Die Gemeinde hat das Instrument Contracting also nicht als einmalige Maßnahme verstanden, sondern als lern- und entwicklungsfähiges Modell kommunaler Energieeffizienz. Mit der Folgeausschreibung wurden technologischer Fortschritt, veränderte Rahmenbedingungen und insbesondere die Reduzierung der CO2-Emissionen in den Mittelpunkt gerückt. 

Technisch wurden die sieben Gebäude aus sehr unterschiedlichen Baujahren und Nutzungsarten zu einem anspruchsvollen kommunalen Gebäudepool zusammengeführt. Die Liegenschaften reichen vom historischen Schloss bis zu Gebäuden aus den 1970er-Jahren. Im technischen Konzept wurden insgesamt zehn Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Leistungen zwischen 18 und 400 kW sowie fünf neue Wärmeerzeugungsanlagen zwischen 100 und 400 kW installiert. Zwei Liegenschaften wurden zudem über neu verlegte Nahwärmeleitungen an mit Luft-Wasser-Wärmepumpen ausgestattete Gebäude angebunden. 

Die Umweltentlastung ist außergewöhnlich gut belegt. Die garantierte Energiekosteneinsparung beträgt 408.257 Euro netto pro Jahr und damit 45,5 Prozent, bezogen auf die Energiekosten-Baseline. Die CO2-Emissionen werden um 778 Tonnen pro Jahr beziehungsweise 64,4 Prozent reduziert. Der Endenergieverbrauch sinkt um 41,7 Prozent; der Primärenergieverbrauch wird um 38,7 Prozent verringert. 

Gerade im Kriterium „Faires und transparentes Vertragsmodell“ ist das Projekt stark. E1 Energiemanagement ist während der 15-jährigen Vertragslaufzeit für Störungsbehebung, Betreuung, Wartung, Instandhaltung, das Einsparergebnis und den energie- beziehungsweise CO2-effizienten Betrieb der Erzeugungsanlagen verantwortlich. Die Investitionskosten von rund 3,92 Millionen Euro netto werden über die Vertragslaufzeit refinanziert; ergänzend werden ein Investitionskostenbeitrag und BEG-Fördermittel berücksichtigt. Damit werden technische Verantwortung, wirtschaftliche Tragfähigkeit und überprüfbare Einsparziele in einem klaren Contractingmodell zusammengeführt. 

Die Jury würdigt dieses Projekt auch deshalb, weil es ein sehr praktisches, übertragbares Modell kommunaler Bestandsmodernisierung ist. Edingen-Neckarhausen zeigt, dass ambitionierte Energie- und CO2-Einsparungen auch in heterogenen kommunalen Gebäudepools möglich sind, wie hier mit Schulen, Sporthallen, Rathaus, Freizeitbad und historischen Gebäuden. Das ist vielleicht weniger spektakulär als manche technische Einzelinnovation, aber für die Wärmewende in der Fläche von enormer Bedeutung.

Das Projekt steht für die Stärke des Contractings in seiner vielleicht klassischsten und zugleich hochaktuellen Form: messbare Einsparung, garantierte Wirkung, partnerschaftliche Umsetzung, Entlastung der Kommune und Dekarbonisierung im Bestand. Es zeigt, dass Contracting nicht nur Visionen ermöglicht, sondern Verlässlichkeit schafft. (hr/sh)

Montag, 3.08.2026, 10:28 Uhr
Heidi Roider und Susanne Harmsen

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