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Die Deutsche Umwelthilfe wirft dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches vor, seinen Mitgliedern ein „irreführendes Tool“ zur Verfügung zu stellen.
Der Streit um die Erfassung von Methanemissionen in der Gasinfrastruktur in Deutschland geht weiter. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) vor, seinen Mitgliedsunternehmen mit der Berichterstattungssoftware „Gas-Wasser-Statistik“ (Gawas) ein aus ihrer Sicht irreführendes Instrument zur Verfügung zu stellen. In einem „Offenen Brief“ an Gasnetzbetreiber will die Umweltorganisation über die „Unzulänglichkeiten“ der Software informieren.
Hintergrund ist die seit 2024 geltende EU-Methanverordnung. Sie verpflichtet Betreiber von Gasnetzen, Gasspeichern, LNG-Terminals und weiteren Anlagen dazu, ihre Methanemissionen zu erfassen und gegenüber den zuständigen Behörden zu melden. Die Anforderungen werden dabei schrittweise verschärft.
Nach Auffassung der DUH erfüllt das vom DVGW bereitgestellte Tool Gawas die Anforderungen der Verordnung in seiner derzeitigen Form nicht. Die Organisation kritisiert insbesondere die Nutzung voreingestellter Standardwerte für die Berechnung von Methanemissionen. „Die Verwendung voreingetragener Standardwerte statt eigener Messungen in der gesetzlich vorgeschriebenen Methan-Berichterstattung ist rechtswidrig“, so Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.
Die DUH hatte DVGW-Präsident Gerald Linke nach eigenen Angaben daher in einem Schreiben aufgefordert, das Tool nachzubessern und die Mitgliedsunternehmen über die rechtlichen Anforderungen entsprechend zu informieren. „In seiner Antwort vom 9. Juni 2026 erkennt der DVGW die grundsätzliche Notwendigkeit eigener Messungen an und stellt eine Überarbeitung des Tools in Aussicht“, heißt es von der DUH.
Die Kritik bezieht sich auf eine Anfang Mai veröffentlichte Untersuchung der DUH. Darin hatte die Umweltorganisation die Methanberichte von rund 800 Betreibern von Öl- und Gasinfrastruktur ausgewertet. Nach Angaben der DUH haben für das Berichtsjahr 2025 lediglich sieben Unternehmen tatsächlich Messungen an ihrer eigenen Infrastruktur dokumentiert. Rund die Hälfte der Betreiber habe dagegen überhaupt keine Messungen durchgeführt.
Der DVGW weist die Vorwürfe der DUH hingegen zurück. Am 10. Juni hatte der Verband erklärt, die Berichterstattung der Netzbetreiber sei rechtskonform erfolgt. Die im Tool Gawas hinterlegten spezifischen Emissionsfaktoren seien mit den Vorgaben der EU-Methanverordnung vereinbar. Die Verordnung sehe ausdrücklich vor, dass Betreiber auf solche Faktoren zurückgreifen können, wenn direkte Messungen technisch nicht möglich, unverhältnismäßig oder nicht zugänglich seien.
Nach Angaben des DVGW beruhen die verwendeten Emissionsfaktoren im Tool Gawas auf umfangreichen Messkampagnen. Zwischen 2019 und 2024 seien mehr als 1.500 Messungen an Gasanlagen und Gasverteilnetzen durchgeführt worden. Die daraus abgeleiteten Werte seien repräsentativ und könnten für die Berichterstattung genutzt werden. Zudem diene Gawas als Hilfswerkzeug, um Meldedaten wie Leitungslängen, Betriebsdrücke und Methanleckraten einheitlich zu erfassen.
Eine Annäherung der Positionen zeichnet sich bislang nicht ab. Mit dem offenen Brief der DUH geht die Auseinandersetzung zwischen Umweltorganisation und Branchenverband nun in die nächste Runde.
Der „
Offene Brief“ kann auf der Internetseite der DUH heruntergeladen werden.
Montag, 15.06.2026, 16:43 Uhr
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