Handschlag zwischen Alexander Struck (Geschäftsführer Bayernoil, dritter von links) und Matthias Jenn (Geschäftsführer Bayernets). Quelle: Bayernoil / Britta Heidemann-Schöberl
Bayernoil hat bei Bayernets künftige Wasserstoffkapazitäten für seine Raffineriestandorte reserviert. Der Vertrag betrifft Transporte zwischen Vohburg und Neustadt.
Die Bayernoil Raffineriegesellschaft mbH mit Sitz in Neustadt an der Donau hat beim Münchner Fernleitungsnetzbetreiber Bayernets Transportkapazitäten im geplanten Wasserstoffcluster Ingolstadt reserviert. Der Vertrag soll eine künftige Durchleitung von Wasserstoff zwischen den beiden Raffineriestandorten Vohburg und Neustadt ermöglichen. Welche Mengen Bayernoil reserviert hat, ab wann die Kapazitäten nutzbar sein sollen und welche Kosten damit verbunden sind, teilen die Unternehmen nicht mit.
Mit der Vereinbarung erhält der Transportbedarf von Bayernoil nach Angaben von Bayernets erstmals eine vertragliche Grundlage. Die Reservierung bedeutet allerdings noch nicht, dass bereits Wasserstoff strömt. Sie sichert dem Raffineriebetreiber zunächst Kapazitäten in einem Netz, das erst schrittweise entstehen soll. Bayernets-Geschäftsführer Matthias Jenn sieht darin mehr Planungssicherheit für den Aufbau der regionalen Wasserstoffinfrastruktur.
Der Vertrag ist Teil des Reservierungsverfahrens für das bis 2032 geplante, 9.040 Kilometer lange Wasserstoff-Kernnetz in Deutschland. Dessen Betreiber hatten den koordinierten Prozess am 19. März dieses Jahres gestartet (wir berichteten). Seitdem können Unternehmen künftige Ein- und Ausspeisekapazitäten für Erzeugungs-, Import- oder Verbrauchsprojekte reservieren. Auf die Reservierung soll später die verbindliche Transportbuchung folgen.
Bayernoil betreibt die Raffineriestandorte Neustadt und Vohburg als gemeinsamen Verbund. Nach eigenen Angaben verarbeitet das Unternehmen dort zusammen jährlich bis zu 10 Millionen Tonnen Mineralöl und stellt unter anderem Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin und Bitumen her. Die beiden Betriebsteile arbeiten nach Angaben des Unternehmens wie eine Raffinerie und sind bereits durch elf Produktleitungen miteinander verbunden.
Wasserstoff soll künftig verstärkt in den industriellen Prozessen der beiden Standorte eingesetzt werden und dort fossile Energieträger ersetzen. Philipp Kaiser, Leiter Business Development bei Bayernoil, wertet die Reservierung der Transportkapazitäten als Vorbereitung auf die industrielle Nutzung von Wasserstoff im Großraum Ingolstadt. Das Unternehmen wolle die Anbindung Bayerns an das künftige Wasserstoffnetz mitgestalten. Für Bayernoil ist nach der regionalen Verbindung vor allem der Anschluss an überregionale Transportwege wichtig. Nur darüber könnten die Standorte künftig Wasserstoff aus anderen deutschen Regionen oder über internationale Importkorridore beziehen.
„HyPipe two“ soll Cluster anbinden
Das H2-Cluster Ingolstadt geht auf ein 2022 gestartetes Gemeinschaftsprojekt regionaler Unternehmen zurück. Beteiligt sind neben Bayernoil und Bayernets auch Audi, Bayerngas, die Gunvor Raffinerie Ingolstadt, die Energienetze Bayern und die Stadtwerke Ingolstadt. Die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) begleitete die Entwicklung des Konzepts wissenschaftlich. Ziel ist eine Wasserstoffversorgung für Industrieunternehmen und weitere Abnehmer im Großraum Ingolstadt.
Zu diesem regionalen Vorhaben gehört das Leitungsprojekt „HyPipe two“, für das Bayernoil nun Kapazitäten reserviert hat. „HyPipe two“ ist Teil des genehmigten deutschen Wasserstoff-Kernnetzes und soll zunächst als Inselnetz regionale Erzeuger und Verbraucher miteinander verbinden.
Für das regionale Wasserstoffnetz sollen bestehende Gasleitungen zwischen Kösching, Vohburg und Neustadt auf Wasserstoff umgestellt und durch einen neuen Leitungsabschnitt ergänzt werden. Wo dieser neue Leitungsabschnitt verlaufen soll, teilen die Partner nicht mit. Mit weiteren Abschnitten des Wasserstoff-Kernnetzes soll „HyPipe two“ später an überregionale Transportwege und internationale Importkorridore angeschlossen werden. (ds)
Freitag, 24.07.2026, 11:40 Uhr
Davina Spohn
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