Quelle: Shutterstock / Smile Fight
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur bleibt ein zentrales Projekt der Bundesregierung. Doch aus der Tankstellenbranche kommt Widerstand gegen den geplanten Kurs.
Die Bundesregierung will den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge weiter beschleunigen. Dazu plant sie zusätzliche Fördermaßnahmen und Investitionen, um das Ladenetz flächendeckender auszubauen. Der Bundesverband Freier Tankstellen und Unabhängiger Deutscher Mineralölhändler (BFT) begrüßt dieses Ziel grundsätzlich. Der Verband warnt jedoch davor, mit öffentlichen Mitteln neue Konkurrenz für mittelständische Anbieter zu schaffen.
Nach Angaben des BFT investieren zahlreiche mittelständische Tankstellenunternehmen und Energieanbieter bereits seit Jahren in Ladeinfrastruktur, alternative Kraftstoffe sowie neue Mobilitätsangebote. Sie finanzieren diese Projekte aus eigener Kraft und tragen dabei das unternehmerische Risiko. Gerade vor diesem Hintergrund bewertet der Verband die angekündigten Maßnahmen kritisch.
Der Verband befürchtet, dass öffentlich geförderte Ladeprojekte dort entstehen könnten, wo private Unternehmen bereits investieren oder entsprechende Vorhaben planen. Dadurch könnten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für bestehende Betreiber verschlechtern. Aus Sicht des BFT würde dies die Investitionsbereitschaft mittelständischer Unternehmen schwächen. Fördermittel sollten daher vor allem dort eingesetzt werden, wo bislang keine ausreichenden Marktangebote vorhanden sind.
Keine Parallelstrukturen aufbauen
Daniel Kaddik, Hauptgeschäftsführer des BFT, fordert eine wettbewerbsneutrale Ausgestaltung von Förderprogrammen und regulatorischen Vorgaben. Der Staat solle Infrastruktur ermöglichen, aber keine Parallelstrukturen aufbauen. Freie Tankstellen verfügten bereits über geeignete Standorte, Kundenfrequenz sowie Erfahrung im Betrieb von Energie- und Mobilitätsangeboten. Diese vorhandenen Strukturen sollten nach Ansicht des Verbands stärker in den Ausbau der Ladeinfrastruktur eingebunden werden.
Als geeignete Standorte nennt der Verband vor allem Tankstellen, Verkehrsknotenpunkte und bestehende Versorgungsstandorte. Dort ließen sich Ladeangebote mit weiteren Dienstleistungen verbinden und wirtschaftlich betreiben. Nach Einschätzung des BFT erhöht dies die Akzeptanz bei den Kunden und verringert das Risiko von Fehlinvestitionen.
Der Verband fordert die Bundesregierung deshalb auf, Förderprogramme mittelstandsfreundlich und wettbewerbsneutral auszugestalten. Öffentliche Unterstützung dürfe nicht dazu führen, dass privatwirtschaftliche Investitionen an Wert verlieren oder mittelständische Anbieter gegenüber kommunalen Projekten benachteiligt werden. Notwendig sei kein staatlich organisierter Verdrängungswettbewerb, sondern ein verlässlicher Rahmen für private Investitionen, argumentiert der BFT.
Donnerstag, 11.06.2026, 09:32 Uhr
Davina Spohn
© 2026 Energie & Management GmbH