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Energie & Management > Klimaschutz - Studie warnt vor Milliardenrisiken durch Gaskraftwerke
Quelle: Pixabay / Gerd Altmann
Klimaschutz

Studie warnt vor Milliardenrisiken durch Gaskraftwerke

Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) warnt vor volkswirtschaftlichen Risiken durch neue Gaskraftwerke in Deutschland.
Der geplante Bau neuer Gaskraftwerke kann nach Einschätzung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) erhebliche volkswirtschaftliche Kosten verursachen. Das Berliner Institut, das wirtschafts- und finanzpolitische Analysen mit Fokus auf Umwelt- und Klimapolitik erstellt, hat dazu eine Kurzstudie im Auftrag des Energieanbieters Green Planet Energy vorgelegt. Demnach drohen neben direkten Investitionskosten auch hohe externe Klimaschäden, die bislang nicht in den Strompreis einfließen.

Im Mittelpunkt der Analyse steht ein beispielhaftes Gaskraftwerk mit einer Leistung von 500 MW. Laut der Studie könnte eine solche Anlage bis zum Jahr 2045 mehrere Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Die daraus resultierenden Klimaschäden könnten sich laut FÖS auf bis zu sieben Milliarden Euro summieren. Diese Kosten würden bislang nicht vollständig in wirtschaftliche Bewertungen von Kraftwerksprojekten einbezogen.

Gaspreis steigt

Neben den Klimafolgen verweisen die Autoren der Studie auf Risiken durch die Abhängigkeit von internationalen Gaslieferungen. Deutschland bleibe bei Erdgas weiterhin auf globale Märkte angewiesen, deren Preisentwicklung sich politisch kaum steuern lasse. Laut FÖS zeigen aktuelle Entwicklungen auf den Energiemärkten, wie stark geopolitische Ereignisse die Preise beeinflussen können.

Als Beispiel nennt die Studie jüngste Preisbewegungen am europäischen Gashandelsplatz Title Transfer Facility (TTF). Dort habe sich der Gaspreis innerhalb weniger Tage von rund 32 Euro auf bis zu 65 Euro pro MWh erhöht. Hintergrund sei eine geopolitische Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt, die die Energiemärkte weltweit verunsichert habe.

Florian Zerzawy, Teamleiter Energiepolitik beim FÖS und Co-Autor der Studie, sieht darin ein strukturelles Risiko für die Energieversorgung. „Unsere Analyse zeigt klar, dass neue Gaskraftwerke nicht nur hohe direkte Kosten verursachen, sondern vor allem massive Klimaschäden, die bisher unberücksichtigt bleiben“, erklärte Zerzawy laut Mitteilung. Ein einzelnes Kraftwerk könne bis 2045 externe Kosten in Milliardenhöhe erzeugen. Angesichts verfügbarer Alternativen sei ein umfangreicher Ausbau fossiler Kapazitäten weder wirtschaftlich noch klimapolitisch sinnvoll.

Flexibilität und Speicher bessere Wahl

Die Studie verweist auf mehrere Optionen, mit denen sich Versorgungssicherheit und Flexibilität im Stromsystem gewährleisten lassen. Dazu zählen laut FÖS unter anderem Speichertechnologien, Lastmanagement, Bioenergie sowie grüner Wasserstoff. Diese Technologien könnten laut Analyse zu vergleichbaren Kosten zur Stabilität des Stromsystems beitragen und gleichzeitig das Risiko von Preisschocks verringern.

Nach Einschätzung der Studienautoren sollten bei der Auswahl von Technologien nicht nur die direkten Investitions- und Betriebskosten betrachtet werden. Entscheidend seien auch gesamtgesellschaftliche Kosten, etwa durch Klimafolgen oder durch Preisrisiken auf internationalen Energiemärkten.

Auch die Geschäftsführerin des FÖS, Carolin Schenuit, verweist auf geopolitische Risiken fossiler Energieträger. „Der Krieg im Iran führt uns erneut vor Augen, wie gefährlich die Abhängigkeit von fossilen Energien ist“, erklärte sie laut Mitteilung. Preisschocks belasteten Haushalte, Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft. Eine Energieinfrastruktur müsse deshalb krisenfest ausgestaltet werden.

Weniger neue Gaskraftwerke bauen

Nach Ansicht des Instituts lasse sich dieses Ziel vor allem durch erneuerbare Energien und flexible Technologien erreichen. Systeme auf Basis erneuerbarer Energien seien weniger anfällig für geopolitische Konflikte, da sie nicht von internationalen Rohstoffmärkten abhängig seien.

Das FÖS empfiehlt deshalb, den Neubau von Gaskraftwerken zu begrenzen und staatliche Förderprogramme stärker auf klimafreundliche Flexibilitätsoptionen auszurichten. Nur so könne die geplante Kraftwerksstrategie mit dem Ziel der Klimaneutralität in Einklang gebracht werden, heißt es in der Studie. Zudem lasse sich auf diese Weise das Risiko erneuter Preisschocks am Energiemarkt reduzieren.

Die FÖS-Studie zu Kosten der Gasversorgung steht als PDF zum Download bereit. 

Montag, 9.03.2026, 14:31 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Klimaschutz - Studie warnt vor Milliardenrisiken durch Gaskraftwerke
Quelle: Pixabay / Gerd Altmann
Klimaschutz
Studie warnt vor Milliardenrisiken durch Gaskraftwerke
Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) warnt vor volkswirtschaftlichen Risiken durch neue Gaskraftwerke in Deutschland.
Der geplante Bau neuer Gaskraftwerke kann nach Einschätzung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) erhebliche volkswirtschaftliche Kosten verursachen. Das Berliner Institut, das wirtschafts- und finanzpolitische Analysen mit Fokus auf Umwelt- und Klimapolitik erstellt, hat dazu eine Kurzstudie im Auftrag des Energieanbieters Green Planet Energy vorgelegt. Demnach drohen neben direkten Investitionskosten auch hohe externe Klimaschäden, die bislang nicht in den Strompreis einfließen.

Im Mittelpunkt der Analyse steht ein beispielhaftes Gaskraftwerk mit einer Leistung von 500 MW. Laut der Studie könnte eine solche Anlage bis zum Jahr 2045 mehrere Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Die daraus resultierenden Klimaschäden könnten sich laut FÖS auf bis zu sieben Milliarden Euro summieren. Diese Kosten würden bislang nicht vollständig in wirtschaftliche Bewertungen von Kraftwerksprojekten einbezogen.

Gaspreis steigt

Neben den Klimafolgen verweisen die Autoren der Studie auf Risiken durch die Abhängigkeit von internationalen Gaslieferungen. Deutschland bleibe bei Erdgas weiterhin auf globale Märkte angewiesen, deren Preisentwicklung sich politisch kaum steuern lasse. Laut FÖS zeigen aktuelle Entwicklungen auf den Energiemärkten, wie stark geopolitische Ereignisse die Preise beeinflussen können.

Als Beispiel nennt die Studie jüngste Preisbewegungen am europäischen Gashandelsplatz Title Transfer Facility (TTF). Dort habe sich der Gaspreis innerhalb weniger Tage von rund 32 Euro auf bis zu 65 Euro pro MWh erhöht. Hintergrund sei eine geopolitische Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt, die die Energiemärkte weltweit verunsichert habe.

Florian Zerzawy, Teamleiter Energiepolitik beim FÖS und Co-Autor der Studie, sieht darin ein strukturelles Risiko für die Energieversorgung. „Unsere Analyse zeigt klar, dass neue Gaskraftwerke nicht nur hohe direkte Kosten verursachen, sondern vor allem massive Klimaschäden, die bisher unberücksichtigt bleiben“, erklärte Zerzawy laut Mitteilung. Ein einzelnes Kraftwerk könne bis 2045 externe Kosten in Milliardenhöhe erzeugen. Angesichts verfügbarer Alternativen sei ein umfangreicher Ausbau fossiler Kapazitäten weder wirtschaftlich noch klimapolitisch sinnvoll.

Flexibilität und Speicher bessere Wahl

Die Studie verweist auf mehrere Optionen, mit denen sich Versorgungssicherheit und Flexibilität im Stromsystem gewährleisten lassen. Dazu zählen laut FÖS unter anderem Speichertechnologien, Lastmanagement, Bioenergie sowie grüner Wasserstoff. Diese Technologien könnten laut Analyse zu vergleichbaren Kosten zur Stabilität des Stromsystems beitragen und gleichzeitig das Risiko von Preisschocks verringern.

Nach Einschätzung der Studienautoren sollten bei der Auswahl von Technologien nicht nur die direkten Investitions- und Betriebskosten betrachtet werden. Entscheidend seien auch gesamtgesellschaftliche Kosten, etwa durch Klimafolgen oder durch Preisrisiken auf internationalen Energiemärkten.

Auch die Geschäftsführerin des FÖS, Carolin Schenuit, verweist auf geopolitische Risiken fossiler Energieträger. „Der Krieg im Iran führt uns erneut vor Augen, wie gefährlich die Abhängigkeit von fossilen Energien ist“, erklärte sie laut Mitteilung. Preisschocks belasteten Haushalte, Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft. Eine Energieinfrastruktur müsse deshalb krisenfest ausgestaltet werden.

Weniger neue Gaskraftwerke bauen

Nach Ansicht des Instituts lasse sich dieses Ziel vor allem durch erneuerbare Energien und flexible Technologien erreichen. Systeme auf Basis erneuerbarer Energien seien weniger anfällig für geopolitische Konflikte, da sie nicht von internationalen Rohstoffmärkten abhängig seien.

Das FÖS empfiehlt deshalb, den Neubau von Gaskraftwerken zu begrenzen und staatliche Förderprogramme stärker auf klimafreundliche Flexibilitätsoptionen auszurichten. Nur so könne die geplante Kraftwerksstrategie mit dem Ziel der Klimaneutralität in Einklang gebracht werden, heißt es in der Studie. Zudem lasse sich auf diese Weise das Risiko erneuter Preisschocks am Energiemarkt reduzieren.

Die FÖS-Studie zu Kosten der Gasversorgung steht als PDF zum Download bereit. 

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Susanne Harmsen

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