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Energie & Management > Stromnetz - Ostdeutsche Verteilnetzbetreiber begrüßen Netzpaket
Quelle: Katia Meyer-Tien
Stromnetz

Ostdeutsche Verteilnetzbetreiber begrüßen Netzpaket

Die ARGE FNB Ost bewertet das geplante Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums grundsätzlich positiv, mahnt jedoch schnelleren Netzausbau und verlässliche Refinanzierung an.
Die Arbeitsgemeinschaft Flächennetzbetreiber Ost (ARGE FNB Ost) hat die bekannt gewordenen Inhalte des geplanten Netzpakets des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) als wichtigen Beitrag zur Bewältigung wachsender Herausforderungen in den Stromverteilnetzen bewertet. In einem Positionspapier sprechen sich die beteiligten Netzbetreiber für die vorgesehenen Reformen aus, knüpfen deren Erfolg jedoch an beschleunigte Genehmigungsverfahren, einen schnelleren Netzausbau und eine verlässliche Refinanzierung.

Nach Darstellung der ARGE habe der starke Anstieg von Anschlussanfragen für Erneuerbare-Energien-Anlagen, Batteriespeicher, Rechenzentren und andere Großverbraucher die Stromverteilnetze in vielen Regionen zunehmend unter Druck gesetzt. Gleichzeitig komme der Ausbau der Hoch- und Höchstspannungsnetze nur verzögert voran. Dadurch seien Engpässe entstanden, die zu steigenden Redispatch-Mengen und höheren Systemkosten führten.

Die Netzbetreiber begrüßen insbesondere die geplante stärkere Ausrichtung des Ausbaus erneuerbarer Energien an verfügbaren Netzkapazitäten. Das bislang geltende Prinzip eines von Leitungskapazitäten weitgehend entkoppelten Anschlussanspruchs habe zu erheblichen Belastungen geführt. In mehreren Regionen müsse bereits heute ein Teil der erneuerbaren Stromerzeugung abgeregelt werden, weil die Netzinfrastruktur nicht im gleichen Tempo wachse wie die Zahl neuer Projekte.

Positiv bewertet die ARGE den im Entwurf vorgesehenen sogenannten Redispatch-Vorbehalt. Dieser könne „als temporäre Härtefallregelung in den gegenwärtig wenigen betroffenen Engpassregionen“ Transparenz schaffen und Investitionen stärker in Netzbereiche mit freien Kapazitäten lenken. Nach Einschätzung der Netzbetreiber würde damit trotz begrenzter Infrastruktur mehr erneuerbarer Strom tatsächlich nutzbar gemacht und gleichzeitig die Belastung durch Redispatch-Kosten reduziert. Auch die vorgesehene Definition kapazitätslimitierter Leitungsabschnitte anhand einer jährlichen Abregelquote von 3 Prozent wird als sachgerecht bezeichnet.

​Redispatch-Vorbehalt positiv gesehen

Darüber hinaus unterstützt die ARGE Instrumente wie sogenannte Einspeisesteckdosen und Einsammelnetze, die eine effizientere Nutzung bestehender Netzkapazitäten ermöglichen sollen. Allerdings weist sie darauf hin, dass insbesondere unterirdische Einsammelkabel deutlich höhere Kosten verursachten als klassische Freileitungsausbauprojekte.

Kritisch sehen die Netzbetreiber zugleich die bisherige Vergabe von Netzanschlüssen nach dem Windhundprinzip „first come, first served“. Dieses Verfahren stamme aus Zeiten ausreichender Netzkapazitäten und sei angesichts der heutigen Nachfrage nicht mehr geeignet. Besonders in Regionen mit hoher Nachfrage nach Anschlussleistung führe das Verfahren zunehmend zu Engpässen. Die ARGE spricht sich deshalb dafür aus, Verteilnetzbetreibern größere Spielräume bei der Bewertung von Anschlussbegehren einzuräumen. Kriterien wie Netzneutralität, Netzdienlichkeit oder die Ernsthaftigkeit eines Projekts müssten stärker berücksichtigt werden können.

Zudem plädiert die Arbeitsgemeinschaft für Reservierungsgebühren und eine verpflichtende Aufwandsbeteiligung bei Netzanschlussprüfungen. Damit solle die Zahl spekulativer oder mehrfacher Anschlussanfragen reduziert werden.

Als sinnvoll bewertet die ARGE außerdem die geplante Möglichkeit, langfristig nicht genutzte Anschlusskapazitäten zurückzufordern. Das sogenannte „use it or lose it“-Prinzip könne zusätzliche Kapazitäten für andere Anschlussnehmer verfügbar machen. Nicht angewendet werden sollte dieses Prinzip nach Auffassung der Netzbetreiber allerdings auf Verteilnetzbetreiber selbst, die Kapazitäten im vorgelagerten Übertragungsnetz langfristig für geplante Entwicklungen vorhalten müssten.

Neben den inhaltlichen Regelungen des Netzpakets fordert die ARGE FNB Ost vor allem bessere Rahmenbedingungen für den Netzausbau. Alternative Vergabeverfahren könnten zwar helfen, bestehende Kapazitäten effizienter zu nutzen, sie schafften jedoch keine zusätzlichen Netzkapazitäten. Entscheidend seien daher vereinfachte Genehmigungsverfahren, ausreichende Kapazitäten bei Dienstleistern und Materiallieferanten sowie eine auskömmliche Refinanzierung der Investitionen im Regulierungsrahmen.

Darüber hinaus warnen die Netzbetreiber vor zusätzlichen Belastungen durch erweiterte Transparenz- und Auskunftspflichten. Ein höheres Maß an Transparenz über die Netzauslastung könne zwar die Planungssicherheit für Anschlussnehmer verbessern, gleichzeitig müsse jedoch ein angemessenes Sicherheitsniveau gewahrt bleiben. Die daraus entstehenden zusätzlichen Aufwendungen müssten regulatorisch anerkannt werden.

Donnerstag, 21.05.2026, 10:42 Uhr
Fritz Wilhelm
Energie & Management > Stromnetz - Ostdeutsche Verteilnetzbetreiber begrüßen Netzpaket
Quelle: Katia Meyer-Tien
Stromnetz
Ostdeutsche Verteilnetzbetreiber begrüßen Netzpaket
Die ARGE FNB Ost bewertet das geplante Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums grundsätzlich positiv, mahnt jedoch schnelleren Netzausbau und verlässliche Refinanzierung an.
Die Arbeitsgemeinschaft Flächennetzbetreiber Ost (ARGE FNB Ost) hat die bekannt gewordenen Inhalte des geplanten Netzpakets des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) als wichtigen Beitrag zur Bewältigung wachsender Herausforderungen in den Stromverteilnetzen bewertet. In einem Positionspapier sprechen sich die beteiligten Netzbetreiber für die vorgesehenen Reformen aus, knüpfen deren Erfolg jedoch an beschleunigte Genehmigungsverfahren, einen schnelleren Netzausbau und eine verlässliche Refinanzierung.

Nach Darstellung der ARGE habe der starke Anstieg von Anschlussanfragen für Erneuerbare-Energien-Anlagen, Batteriespeicher, Rechenzentren und andere Großverbraucher die Stromverteilnetze in vielen Regionen zunehmend unter Druck gesetzt. Gleichzeitig komme der Ausbau der Hoch- und Höchstspannungsnetze nur verzögert voran. Dadurch seien Engpässe entstanden, die zu steigenden Redispatch-Mengen und höheren Systemkosten führten.

Die Netzbetreiber begrüßen insbesondere die geplante stärkere Ausrichtung des Ausbaus erneuerbarer Energien an verfügbaren Netzkapazitäten. Das bislang geltende Prinzip eines von Leitungskapazitäten weitgehend entkoppelten Anschlussanspruchs habe zu erheblichen Belastungen geführt. In mehreren Regionen müsse bereits heute ein Teil der erneuerbaren Stromerzeugung abgeregelt werden, weil die Netzinfrastruktur nicht im gleichen Tempo wachse wie die Zahl neuer Projekte.

Positiv bewertet die ARGE den im Entwurf vorgesehenen sogenannten Redispatch-Vorbehalt. Dieser könne „als temporäre Härtefallregelung in den gegenwärtig wenigen betroffenen Engpassregionen“ Transparenz schaffen und Investitionen stärker in Netzbereiche mit freien Kapazitäten lenken. Nach Einschätzung der Netzbetreiber würde damit trotz begrenzter Infrastruktur mehr erneuerbarer Strom tatsächlich nutzbar gemacht und gleichzeitig die Belastung durch Redispatch-Kosten reduziert. Auch die vorgesehene Definition kapazitätslimitierter Leitungsabschnitte anhand einer jährlichen Abregelquote von 3 Prozent wird als sachgerecht bezeichnet.

​Redispatch-Vorbehalt positiv gesehen

Darüber hinaus unterstützt die ARGE Instrumente wie sogenannte Einspeisesteckdosen und Einsammelnetze, die eine effizientere Nutzung bestehender Netzkapazitäten ermöglichen sollen. Allerdings weist sie darauf hin, dass insbesondere unterirdische Einsammelkabel deutlich höhere Kosten verursachten als klassische Freileitungsausbauprojekte.

Kritisch sehen die Netzbetreiber zugleich die bisherige Vergabe von Netzanschlüssen nach dem Windhundprinzip „first come, first served“. Dieses Verfahren stamme aus Zeiten ausreichender Netzkapazitäten und sei angesichts der heutigen Nachfrage nicht mehr geeignet. Besonders in Regionen mit hoher Nachfrage nach Anschlussleistung führe das Verfahren zunehmend zu Engpässen. Die ARGE spricht sich deshalb dafür aus, Verteilnetzbetreibern größere Spielräume bei der Bewertung von Anschlussbegehren einzuräumen. Kriterien wie Netzneutralität, Netzdienlichkeit oder die Ernsthaftigkeit eines Projekts müssten stärker berücksichtigt werden können.

Zudem plädiert die Arbeitsgemeinschaft für Reservierungsgebühren und eine verpflichtende Aufwandsbeteiligung bei Netzanschlussprüfungen. Damit solle die Zahl spekulativer oder mehrfacher Anschlussanfragen reduziert werden.

Als sinnvoll bewertet die ARGE außerdem die geplante Möglichkeit, langfristig nicht genutzte Anschlusskapazitäten zurückzufordern. Das sogenannte „use it or lose it“-Prinzip könne zusätzliche Kapazitäten für andere Anschlussnehmer verfügbar machen. Nicht angewendet werden sollte dieses Prinzip nach Auffassung der Netzbetreiber allerdings auf Verteilnetzbetreiber selbst, die Kapazitäten im vorgelagerten Übertragungsnetz langfristig für geplante Entwicklungen vorhalten müssten.

Neben den inhaltlichen Regelungen des Netzpakets fordert die ARGE FNB Ost vor allem bessere Rahmenbedingungen für den Netzausbau. Alternative Vergabeverfahren könnten zwar helfen, bestehende Kapazitäten effizienter zu nutzen, sie schafften jedoch keine zusätzlichen Netzkapazitäten. Entscheidend seien daher vereinfachte Genehmigungsverfahren, ausreichende Kapazitäten bei Dienstleistern und Materiallieferanten sowie eine auskömmliche Refinanzierung der Investitionen im Regulierungsrahmen.

Darüber hinaus warnen die Netzbetreiber vor zusätzlichen Belastungen durch erweiterte Transparenz- und Auskunftspflichten. Ein höheres Maß an Transparenz über die Netzauslastung könne zwar die Planungssicherheit für Anschlussnehmer verbessern, gleichzeitig müsse jedoch ein angemessenes Sicherheitsniveau gewahrt bleiben. Die daraus entstehenden zusätzlichen Aufwendungen müssten regulatorisch anerkannt werden.

Donnerstag, 21.05.2026, 10:42 Uhr
Fritz Wilhelm

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