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Energie & Management > Verbände - Netzpaket und EEG-Novelle unter Kritik der Windbranche
Quelle: BWE
Verbände

Netzpaket und EEG-Novelle unter Kritik der Windbranche

Der Bundesverband Windenergie bewertete im Policy-Briefing den geleakten Entwurf zum EEG 2027 und das Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums. Er fordert zahlreiche Nachbesserungen.
Der Bundesverband Windenergie (BWE) hat im Policy-Briefing vom 27. Februar zentrale Punkte aus inoffiziellen Arbeitsständen zum geplanten Netzpaket und zur EEG-Novelle 2027 eingeordnet. Geschäftsführer Wolfram Axthelm erklärte, viele Forderungen der Branche blieben weiterhin aktuell, da wesentliche Regelungen in den Entwürfen fehlten oder kritisch bewertet würden.

Nach Angaben des BMWE soll das parlamentarische Verfahren zum EEG 2027 möglichst noch vor der Sommerpause abgeschlossen werden. Der Kabinettsbeschluss ist für März angekündigt. Parallel dazu will das Ministerium das EEG 2027 und Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz im Rahmen eines Netzpakets vorantreiben. Die beihilferechtliche Prüfung durch die Europäische Kommission soll in der zweiten Jahreshälfte folgen.

Stabile Wind-Ausschreibungen geplant

Positiv bewertet der BWE den vorgesehenen Ausbaupfad für Windenergie an Land. Der Entwurf sieht von 2027 bis 2032 ein jährliches Ausschreibungsvolumen von 10.000 MW vor. Für 2027 ist ein Höchstwert von 7,25 Ct/kWh gesetzlich vorgesehen. Zusätzlich sollen zwischen 2027 und 2029 sogenannte Resilienzausschreibungen im Umfang von insgesamt 10.000 MW durchgeführt werden. Allerdings seien die 3.500 MW für Wind an Land nach dem Net Zero Industry Act (NZIA) Teil der regulären Ausschreibungen und nicht zusätzlich, bedauerte Axthelm. Nicht bezuschlagte Volumina sollen im Folgejahr in die regulären Mengen überführt werden.

Kritisch sieht der Verband, dass Regelungen zur Verbesserung des Marktzugangs fehlen. Laut Axthelm betreffe dies unter anderem Direktbelieferung, regionale Stromliefermodelle und Power Purchase Agreements (PPA). Auch Instrumente wie Bürgerenergie oder Energy Sharing seien nicht als Alternative zur Einspeisevergütung vorgesehen.

Netzpaket ohne Ausbaukomponente

Das geplante Netzpaket enthält nach Angaben des BWE vor allem neue Steuerungsinstrumente für Netzanschlüsse. Dazu zählen die Priorisierung von Anschlussbegehren, flexible Netzanschlussverträge bei Kapazitätsengpässen sowie ein Redispatch-Vorbehalt für neue Anlagen. In sogenannten kapazitätslimitierten Netzgebieten könnten Betreiber verpflichtet werden, auf Entschädigungen bei Abregelungen zu verzichten.

Der Verband kritisiert, dass der Netzausbau selbst nicht Bestandteil des Pakets sei. Zudem könne die Ausweisung kapazitätslimitierter Gebiete bis zu zehn Jahre gelten und damit Investitionen erschweren. Gutachten sehen nach Angaben des BWE mögliche Konflikte mit europäischem Energierecht sowie mit der Planungshoheit von Ländern und Kommunen.

Als Alternativen schlägt der Verband vor, zunächst Netzoptimierung und Digitalisierung voranzutreiben, Flexibilitäten stärker zu nutzen und den Netzausbau zu beschleunigen. Auch ein einheitlicher Reservierungsmechanismus und mehr Transparenz über freie Anschlusskapazitäten seien notwendig.

Länder fordern höhere Ausschreibungsmengen

Parallel zur EEG-Debatte wächst der politische Druck auf höhere Ausschreibungsmengen. Sieben Landesenergieminister haben laut BWE eine Anhebung der Volumina um bis zu 30 Prozent für die nächste Ausschreibungsrunde gefordert. Auch für die Folgejahre sehen die Länder zusätzlichen Bedarf, um die Ausbauziele zu erreichen.

Unterstützung erhält die Branche durch eine seit August 2025 geltende Gemeindeöffnungsklausel. Sie erlaubt es Kommunen, Windenergieflächen per Bauleitplanung auszuweisen, auch wenn diese von übergeordneten Raumordnungszielen abweichen. Laut BWE stärkt dies die kommunale Planungshoheit und kann zusätzliche Projekte ermöglichen.

Branche fordert abgestimmtes Vorgehen

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht Anpassungsbedarf. Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae erklärte, die verschiedenen Instrumente – etwa Redispatch-Regelungen, flexible Anschlussverträge oder dynamische Netzentgelte – müssten in ihrer Gesamtwirkung bewertet werden. „Entscheidend ist eine verlässliche Grundlage für Investitionen“, mahnte Andreae.

Wenn Banken Risiken für Erneuerbaren-, Speicher- und Kraftwerksprojekte nicht mehr kalkulieren könnten, würden die Finanzierungskosten steigen. Zudem fordert der BDEW eine engere Abstimmung zwischen BMWE und Bundesnetzagentur, da parallel auch die Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom überarbeitet werde.

Nach Einschätzung der Branche bleibt damit offen, ob die geplanten Regelungen gleichzeitig Netzentlastung, Kosteneffizienz und den Ausbau der erneuerbaren Energien entlang der gesetzlichen Pfade gewährleisten können.

Freitag, 27.02.2026, 16:20 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Verbände - Netzpaket und EEG-Novelle unter Kritik der Windbranche
Quelle: BWE
Verbände
Netzpaket und EEG-Novelle unter Kritik der Windbranche
Der Bundesverband Windenergie bewertete im Policy-Briefing den geleakten Entwurf zum EEG 2027 und das Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums. Er fordert zahlreiche Nachbesserungen.
Der Bundesverband Windenergie (BWE) hat im Policy-Briefing vom 27. Februar zentrale Punkte aus inoffiziellen Arbeitsständen zum geplanten Netzpaket und zur EEG-Novelle 2027 eingeordnet. Geschäftsführer Wolfram Axthelm erklärte, viele Forderungen der Branche blieben weiterhin aktuell, da wesentliche Regelungen in den Entwürfen fehlten oder kritisch bewertet würden.

Nach Angaben des BMWE soll das parlamentarische Verfahren zum EEG 2027 möglichst noch vor der Sommerpause abgeschlossen werden. Der Kabinettsbeschluss ist für März angekündigt. Parallel dazu will das Ministerium das EEG 2027 und Änderungen im Energiewirtschaftsgesetz im Rahmen eines Netzpakets vorantreiben. Die beihilferechtliche Prüfung durch die Europäische Kommission soll in der zweiten Jahreshälfte folgen.

Stabile Wind-Ausschreibungen geplant

Positiv bewertet der BWE den vorgesehenen Ausbaupfad für Windenergie an Land. Der Entwurf sieht von 2027 bis 2032 ein jährliches Ausschreibungsvolumen von 10.000 MW vor. Für 2027 ist ein Höchstwert von 7,25 Ct/kWh gesetzlich vorgesehen. Zusätzlich sollen zwischen 2027 und 2029 sogenannte Resilienzausschreibungen im Umfang von insgesamt 10.000 MW durchgeführt werden. Allerdings seien die 3.500 MW für Wind an Land nach dem Net Zero Industry Act (NZIA) Teil der regulären Ausschreibungen und nicht zusätzlich, bedauerte Axthelm. Nicht bezuschlagte Volumina sollen im Folgejahr in die regulären Mengen überführt werden.

Kritisch sieht der Verband, dass Regelungen zur Verbesserung des Marktzugangs fehlen. Laut Axthelm betreffe dies unter anderem Direktbelieferung, regionale Stromliefermodelle und Power Purchase Agreements (PPA). Auch Instrumente wie Bürgerenergie oder Energy Sharing seien nicht als Alternative zur Einspeisevergütung vorgesehen.

Netzpaket ohne Ausbaukomponente

Das geplante Netzpaket enthält nach Angaben des BWE vor allem neue Steuerungsinstrumente für Netzanschlüsse. Dazu zählen die Priorisierung von Anschlussbegehren, flexible Netzanschlussverträge bei Kapazitätsengpässen sowie ein Redispatch-Vorbehalt für neue Anlagen. In sogenannten kapazitätslimitierten Netzgebieten könnten Betreiber verpflichtet werden, auf Entschädigungen bei Abregelungen zu verzichten.

Der Verband kritisiert, dass der Netzausbau selbst nicht Bestandteil des Pakets sei. Zudem könne die Ausweisung kapazitätslimitierter Gebiete bis zu zehn Jahre gelten und damit Investitionen erschweren. Gutachten sehen nach Angaben des BWE mögliche Konflikte mit europäischem Energierecht sowie mit der Planungshoheit von Ländern und Kommunen.

Als Alternativen schlägt der Verband vor, zunächst Netzoptimierung und Digitalisierung voranzutreiben, Flexibilitäten stärker zu nutzen und den Netzausbau zu beschleunigen. Auch ein einheitlicher Reservierungsmechanismus und mehr Transparenz über freie Anschlusskapazitäten seien notwendig.

Länder fordern höhere Ausschreibungsmengen

Parallel zur EEG-Debatte wächst der politische Druck auf höhere Ausschreibungsmengen. Sieben Landesenergieminister haben laut BWE eine Anhebung der Volumina um bis zu 30 Prozent für die nächste Ausschreibungsrunde gefordert. Auch für die Folgejahre sehen die Länder zusätzlichen Bedarf, um die Ausbauziele zu erreichen.

Unterstützung erhält die Branche durch eine seit August 2025 geltende Gemeindeöffnungsklausel. Sie erlaubt es Kommunen, Windenergieflächen per Bauleitplanung auszuweisen, auch wenn diese von übergeordneten Raumordnungszielen abweichen. Laut BWE stärkt dies die kommunale Planungshoheit und kann zusätzliche Projekte ermöglichen.

Branche fordert abgestimmtes Vorgehen

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht Anpassungsbedarf. Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae erklärte, die verschiedenen Instrumente – etwa Redispatch-Regelungen, flexible Anschlussverträge oder dynamische Netzentgelte – müssten in ihrer Gesamtwirkung bewertet werden. „Entscheidend ist eine verlässliche Grundlage für Investitionen“, mahnte Andreae.

Wenn Banken Risiken für Erneuerbaren-, Speicher- und Kraftwerksprojekte nicht mehr kalkulieren könnten, würden die Finanzierungskosten steigen. Zudem fordert der BDEW eine engere Abstimmung zwischen BMWE und Bundesnetzagentur, da parallel auch die Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom überarbeitet werde.

Nach Einschätzung der Branche bleibt damit offen, ob die geplanten Regelungen gleichzeitig Netzentlastung, Kosteneffizienz und den Ausbau der erneuerbaren Energien entlang der gesetzlichen Pfade gewährleisten können.

Freitag, 27.02.2026, 16:20 Uhr
Susanne Harmsen

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