Quelle: Jonas Rosenberger
Der polnische Übertragungsnetzbetreiber PSE ruft zum wiederholten Male Notfallmaßnahmen aus. In Rumänien setzen Autohersteller wegen Stromknappheit die Produktion aus. Ein Überblick.
Hohe Temperaturen und niedrige Flusspegel setzen der Stromversorgung in mehreren Ländern Mittel- und Osteuropas weiter zu. So bringt die anhaltende Hitzewelle das polnische Stromsystem zunehmend unter Druck. Wie örtliche Medien berichten, hat der Übertragungsnetzbetreiber PSE zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen und zum dritten Mal in diesem Sommer Notfallmaßnahmen zur Sicherung der Stromversorgung eingeleitet. In den acht Jahren zuvor hatte PSE von dieser Möglichkeit lediglich zweimal Gebrauch gemacht.
Der Netzbetreiber forderte vertraglich gebundene Stromerzeuger auf, ihre Produktion zu erhöhen. Großverbraucher sollen zugleich ihren Verbrauch drosseln. Hintergrund ist unter anderem ein gestiegener Strombedarf durch den verstärkten Einsatz von Klimaanlagen und Kühlsystemen.
Gleichzeitig beeinträchtigen Trockenheit und niedrige Flusspegel die Erzeugung. Nach Medienberichten musste der polnische Versorger Enea die Leistung zweier Kohlekraftwerke wegen Einschränkungen bei der Kühlwasserversorgung reduzieren. Rund 1.100 MW gingen dadurch vom Netz. Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnete die Situation als „unter Kontrolle“ und verwies auf die Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen.
Autobauer reduzieren Stromverbrauch
Auch Rumänien kämpft mit Stromengpässen. Dort haben der Hersteller Automobile Dacia, eine Tochtergesellschaft von Renault, und Ford Otosan die Produktion in ihren Werken bis zum 19. August ausgesetzt, wie lokale Medien melden. Die Maßnahme soll den Stromverbrauch nach Angaben der Regierung um rund 200 MW reduzieren. Ursache sind die historisch niedrigen Wasserstände der Donau.
Diese wirken sich auch auf das rumänische Kernkraftwerk Cernavoda aus. Betreiber Nuclearelectrica hatte einen der beiden Blöcke mit jeweils 700 MW bereits wegen des niedrigen Wasserstands abgeschaltet. Sollte der Pegel weiter fallen, könnte nach Angaben örtlicher Medien auch der zweite Reaktor außer Betrieb gehen.
Probleme mit der Kühlung thermischer Kraftwerke treten auch in anderen Ländern der Region auf. Wie Medien aus der Region berichten, reduzierte das slowenische Kernkraftwerk Krsko seine Reaktorleistung wegen hoher Wassertemperaturen der Save und Einschränkungen bei der Durchflussmenge zunächst auf 80 Prozent. Bei einer weiteren Verschlechterung der hydrologischen Bedingungen könnte die Leistung weiter sinken. Das Kraftwerk verfügt über einen Reaktor mit 730 MW Bruttoleistung.
In Bulgarien laufen die beiden jeweils 1.000 MW starken Blöcke des Kernkraftwerks Kosloduj bislang weiter. Energieministerin Iva Petrova warnte allerdings Medienberichten zufolge, dass ein weiter sinkender Wasserstand der Donau eine vorübergehende Abschaltung erzwingen könnte.
Auch Ungarn ist betroffen. Nach Berichten lokaler Medien musste das Kernkraftwerk Paks, das rund 40 Prozent des Strombedarfs des Landes deckt, bereits vollständig heruntergefahren werden. Die niedrigen Wasserstände beeinträchtigen zudem den Betrieb von Wasserkraftwerken in Österreich und Serbien. (sag)
Freitag, 7.08.2026, 12:43 Uhr
Stefan Sagmeister
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