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Auf dem World Hydrogen Summit in Rotterdam haben Branchenvertreter mehr Tempo beim Ausbau grenzüberschreitender Wasserstoffprojekte in der Nordsee gefordert.
Vertreter aus Wirtschaft und Forschung haben beim World Hydrogen Summit in Rotterdam eine engere europäische Zusammenarbeit beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft angemahnt. Im Fokus stand dabei die Kooperation zwischen Deutschland und den Niederlanden beim Ausbau von Offshore-Wasserstoffprojekten in der Nordsee.
Die Initiative Aqua Ventus kritisierte am 21. Mai insbesondere den regulatorischen Rahmen in Deutschland. Nach Angaben der Organisation verhinderten fehlende gesetzliche Grundlagen derzeit Investitionen in Offshore-Wasserstoffprojekte und erschwerten die Nutzung bestehender Infrastruktur.
Laut Aqua Ventus verlieren Deutschland und Europa dadurch wirtschaftliches Potenzial in Milliardenhöhe. Die Niederlande seien bei der Nutzung von Wasserstoff bereits deutlich weiter. Nach Angaben der Initiative werden dort aktuell rund 40 Milliarden kWh Wasserstoff genutzt. Das entspreche etwa zehn Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs des Landes. Speziell die maritime Wirtschaft, die Landwirtschaft und die Halbleiterindustrie hätten einen hohen Energiebedarf.
Forscher sieht mehr Potenzial
Rene Peters, Business Director Energy Infrastructure bei der niederländischen Forschungsorganisation TNO, verwies auf die strategische Bedeutung der Nordsee für die Energieversorgung Nordwesteuropas. Der Wandel der Nordsee von einem Öl- und Gasstandort hin zu einem Zentrum erneuerbarer Energien erfordere eine enge Zusammenarbeit der Anrainerstaaten, erklärte Peters auf dem Treffen.
Bis 2040 könne die Offshore-Produktion von grünem Wasserstoff wirtschaftlich tragfähig werden. Voraussetzung sei jedoch, dass die Technologien bereits jetzt skaliert würden. Projekte wie „Pos Hydon“ belegten nach Angaben von Peters, dass Offshore-Wasserstoff technisch umsetzbar sei. Er sprach sich dafür aus, gemeinsam mit Deutschland und weiteren Partnern einen Offshore-Wasserstoff-Backbone aufzubauen.
Deutsches Recht als Hindernis
Kritik äußerten die Beteiligten, insbesondere am deutschen Windenergie-auf-See-Gesetz. Dieses enthalte bislang keine Grundlage für kombinierte Offshore-Netzanschlüsse, die eine Elektrolyse direkt auf See ermöglichen würden. Laut Aqua Ventus erschwere dies Investitionen und gefährde den wirtschaftlichen Betrieb geplanter Infrastrukturprojekte.
Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die geplante Wasserstoffpipeline „Aqua Ductus“. Sie soll nach Angaben der Initiative eine Transportkapazität von bis zu 20.000 MW erhalten. Experten gingen davon aus, dass die Leitung ohne kombinierte Anschlusssysteme nur eingeschränkt genutzt werden könne.
Robert Seehawer, Geschäftsführer von Aqua Ventus, erklärte, Deutschland verfüge über die notwendigen Voraussetzungen wie Nordseezugang, Pipelines, Industrie und Offshore-Windkraft. Es fehle jedoch der passende Rechtsrahmen. Die geplante Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes sowie die Überarbeitung des Flächenentwicklungsplans böten nun die Möglichkeit, entsprechende Regelungen zu schaffen, appellierte er.
Stromnetzausbau verringern
Aqua Ventus verweist zudem auf mögliche Einsparungen beim Netzausbau. Studien der Beratungsunternehmen E-Bridge Consulting und Frontier Economics zufolge könnten durch kombinierte Offshore-Anschlüsse über die gesamte Laufzeit rund 31 Milliarden Euro an Netzkosten eingespart werden. Jährlich entspreche dies etwa 1,7 Milliarden Euro.
Nach Angaben der Initiative könnten allein durch den Verzicht auf zusätzliche Offshore-Stromnetzanbindungen in der äußeren Nordsee Infrastrukturkosten von mehr als elf Milliarden Euro vermieden werden. Statt Strom könnten dort Wasserstoffpipelines genutzt werden.
Aqua Ventus verfolgt nach eigenen Angaben einen dreistufigen Ausbauansatz. Dieser reicht von Pilotprojekten in den kommenden Jahren über erste kommerzielle Anlagen bis hin zu einer industriellen Skalierung mit 10.000 MW Elektrolysekapazität. Ziel sei es, jährlich eine Million Tonnen grünen Wasserstoff aus Offshore-Windenergie in der Nordsee zu erzeugen und per Pipeline an Land zu transportieren.
Donnerstag, 21.05.2026, 16:15 Uhr
Susanne Harmsen
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