Spatenstich der H2Coastlink 1. Quelle: EWE Netz / Carina Penning
EWE Netz hat den Bau einer 24 Kilometer langen Wasserstoffleitung zwischen Emden und Leer begonnen. Sie soll einen geplanten 320-MW-Elektrolyseur in Emden an das Kernnetz anbinden.
Mit der „H2Coastlink 1“ genannten Wasserstoffleitung entsteht im Nordwesten ein weiterer Abschnitt des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes. Sie soll einen im Bau befindlichen 320-MW-Elektrolyseur in Emden (Niedersachsen) anbinden. Die Bauarbeiten beginnen nach Angaben der EWE Netz GmbH jetzt im Juli, die Inbetriebnahme ist für Herbst kommenden Jahres geplant.
Die in Oldenburg ansässige EWE Netz, die die Strom- und Gasnetze des EWE-Konzerns betreibt, errichtet die Leitung im Auftrag der GTG Nord GmbH. Dabei handelt es sich um den Fernleitungsnetzbetreiber der EWE-Gruppe. Nach Angaben von EWE handelt es sich um die erste Wasserstoffpipeline im Nordwesten Deutschlands.
Das deutsche Wasserstoff-Kernnetz soll die künftige Wasserstoffversorgung der Industrie ermöglichen. Es wird nach der Genehmigung durch die Bundesnetzagentur bis 2032 auf rund 9.040 Kilometer ausgebaut und verbindet Elektrolyseure, Speicher, Importterminals sowie industrielle Abnehmer. Rund 60 Prozent der Leitungen entstehen durch die Umstellung bestehender Erdgasleitungen, der übrige Teil wird neu gebaut.
Weitere Leitungen sollen folgen
H2 Coastlink 1 soll den im Bau befindlichen Emdener Elektrolyseur nicht nur an das Kernnetz anbinden, sondern auch mit weiteren Leitungsprojekten verknüpfen. EWE nennt dazu das „HyperLink“-Projekt von Gasunie Deutschland und den von Open Grid Europe (OGE) geplanten „Nordsee-Ruhr-Link IV“. Auf die Bedeutung der neuen Infrastruktur verweist EWE auch mit einem kürzlich geschlossenen Liefervertrag mit der Salzgitter AG. Ab 2030 soll der Stahlkonzern jährlich 10.000 Tonnen grünen Wasserstoff aus Emden für die klimafreundlichere Stahlproduktion erhalten (wir berichteten).
Die neue Leitung H2 Coastlink 1 soll nach Unternehmensangaben über eine Transportkapazität von mehr als 70.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr verfügen. Der 320-MW-Elektrolyseur in Emden soll zunächst rund 26.000 Tonnen Wasserstoff jährlich erzeugen und in die Leitung einspeisen. Damit bleibt Transportkapazität für weitere Wasserstoffmengen verfügbar.
Dem Baustart von H2 Coastlink 1 ging nach Angaben des Unternehmens ein vergleichsweise kurzes Genehmigungsverfahren voraus. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) erteilte den Planfeststellungsbeschluss wenige Tage zuvor. Zwischen der Einreichung der Planfeststellungsunterlagen und dem Planfeststellungsbeschluss lagen demnach fünf Monate. Die Leitung verläuft von Emden über Ihlow und Moormerland bis nach Leer. EWE führt dies auf die enge Zusammenarbeit von Behörden, Kommunen, Grundstückseigentümern sowie den Projektpartnern zurück.
H2 Coastlink 1 ist Teil des Projekts „Clean Hydrogen Coastline“. Mit diesem entwickelt EWE eine integrierte Wasserstoffinfrastruktur im Nordwesten Deutschlands. Sie umfasst die Erzeugung von grünem Wasserstoff in Emden, dessen Transport über das Wasserstoff-Kernnetz, die Speicherung in Salzkavernen im Raum Huntorf sowie die Belieferung industrieller Abnehmer.
Mittwoch, 1.07.2026, 16:26 Uhr
Davina Spohn
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