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Das Geschäftsjahr 2024/25 des niederösterreichischen Energiekonzerns war von witterungsbedingtem Mehrabsatz an Wärme, weniger Eigenstromerzeugung sowie sinkenden Finanzerlösen geprägt.
Einen Gewinn (Konzernergebnis) von rund 436,7 Millionen Euro erwirtschaftete der niederösterreichische Energiekonzern EVN im Geschäftsjahr 2024/25, um 7,4 Prozent weniger als 2023/24. Zwar erhöhte sich der Umsatz infolge der kälteren Witterung und des damit gestiegenen Gas- sowie Wärmeabsatzes in den drei „Kernmärkten“ Österreich, Bulgarien und Nordmazedonien um 3,8 Prozent auf etwa 3 Milliarden Euro. Doch sank die eigene Erzeugung elektrischer Energie wegen des schlechteren Wind- und Wasserdargebots um 12,2 Prozent auf 2,91 Milliarden kWh, was die Kosten für den Fremdstrombezug steigerte. Auch fiel das Finanzergebnis um 62,0 Prozent auf 83,6 Millionen Euro, primär wegen der geringeren Dividende des Stromkonzerns Verbund.
Das Ergebnis der Vertriebsgesellschaft EVN KG verbesserte sich deutlich. Sie schrieb mit einem Gewinn von 2,1 Millionen Euro laut Konzernchef Stefan Szyszkowitz eine „schwarze Null“, nachdem sie im vorigen Geschäftsjahr einen Verlust von 162,3 Millionen Euro verzeichnet hatte.
Die Investitionen der EVN lagen erstmals in der Konzerngeschichte über 900 Millionen Euro. Laut Finanzchefin Alexandra Wittmann wird dieses Niveau im Durchschnitt der kommenden fünf Jahre übertroffen. Die EVN werde bis einschließlich 2030 insgesamt 5,5 Milliarden Euro und damit mehr als 1 Milliarde Euro pro Jahr investieren, vor allem in den Ausbau der Verteilnetze für Strom, Gas und Wärme, die Steigerung der Stromproduktion mit erneuerbaren Energien, die Fernwärmeversorgung und die weitere Verstärkung der E-Lade-Infrastruktur. Dies führe zu einer Verdopplung des Verschuldungsgrads von 17,3 Prozent auf über 34 Prozent, räumte Wittmann ein: „Wir haben das aber mit den Ratingagenturen besprochen und können von weiterhin stabilen Ratings im A-Bereich ausgehen.“
Ausbau bei Wind, PV und Großbatterien
Laut Technik-Vorstand Stefan Stallinger will die EVN die Leistung ihrer Windparks von derzeit 532 MW bis 2030 auf 770 MW erhöhen, jene der Photovoltaikanlagen von 120 MW auf 300 MW. Eine massive Kapazitätserhöhung ist auch bei den Großbatteriespeichern vorgesehen. Derzeit verfügt die EVN über eine Anlage mit 8 MW am Standort der mit Erdgas betriebenen Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Theiß etwa 70 Kilometer westlich von Wien. Ab 2030 möchte die EVN Batteriespeicher mit insgesamt 300 MW betreiben.
Stichwort Theiß: Bei der Ausschreibung der Netzreserve durch den Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) kam die dortige KWK mit 470 MW Leistung diesmal nicht zum Zuge. „Sie steht also bis Ende September 2026 still“, erläuterte Stallinger. Bei Theiß handelt es sich laut Stallinger um ein älteres Kraftwerk mit einem vergleichsweise niedrigen Wirkungsgrad.
Rücklage für Sozialtarif
Wie berichtet, plant die österreichische Bundesregierung einen Appell an die EU-Kommission zur Reform der Preisbildung im Stromgroßhandel, die auf dem Merit-Order-System beruht. Von der Redaktion darauf angesprochen, konstatierte Szyszkowitz, die Merit Order bestehe im Wesentlichen seit Beginn der Strommarktliberalisierung vor etwa 25 Jahren: „Sie hat bis zur Preiskrise vor drei Jahren gut gedient.“ Wegen des damals erfolgten Anstiegs der Gaspreise und der Kosten für CO2-Zertifikate sei es zu Problemen gekommen. Die Frage nach einem besseren System, die die EU-Kommission untersucht habe, sei indessen bislang unbeantwortet geblieben, stellte Szyszkowitz fest.
Zum Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG), das das Bundesparlament am 11. Dezember beschlossen hatte, sagte Szyszkowitz, die Umsetzung werde in den kommenden Jahren viel Arbeit verursachen. Für den sogenannten „Sozialtarif“ für einkommensschwache Haushalte, der sich auf 6 Cent/kWh für einen Bedarf von maximal 2.900 kWh pro Jahr beläuft, müsse die Vertriebsgesellschaft EVN KG voraussichtlich Rückstellungen in einem „höheren einstelligen Millionen-Euro-Bereich“ bilden.
Mindestdividende von 90 Cent
Für das am 1. Oktober begonnene Geschäftsjahr 2025/26 stellte Szyszkoswitz „bei einem stabilen regulatorischen und energiepolitischen Umfeld“ ein Konzernergebnis von 430 bis 480 Millionen Euro in Aussicht. Dieses würde somit 1,5 Prozent unter bis 9,9 Prozent über jenem des Geschäftsjahres 2024/25 liegen.
Geplant ist ferner, künftig eine Dividende von mindestens 90 Cent/Aktie auszuzahlen. Dies ist auch jener Wert, den der EVN-Vorstand der Hauptversammlung am 25. Februar 2026 vorschlagen wird. Ab dem Geschäftsjahr 2029/30 soll die Höhe der Mindestdividende auf 1,10 Euro/Aktie ansteigen, kündigte Szyszkowitz an.
Donnerstag, 18.12.2025, 13:43 Uhr
Klaus Fischer
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