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Steigende Zulassungszahlen bei E-Pkw, starker Ausbau der Ladeinfrastruktur bei geringer Auslastung – dieses Bild zeichnet der neue Elektromobilitätsmonitor des BDEW.
„Die Energie- und Ladebranche liefert“, was fehlt, ist eine „zielgerichtete und vorausschauende Elektromobilitätsstrategie“ der Bundesregierung. Kerstin Andreae sieht 2025 als starkes Jahr für die E-Mobilität in Deutschland, doch die Politik liefert nach Auffassung der Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nicht so, wie es aus Sicht der Branche nötig wäre.
Mehr als 545.000 E-Pkw rollten laut neuem BDEW-Elektromobilitätsmonitor im vergangenen Jahr neu auf die Straßen. Das waren 19,1 Prozent aller Neuzulassungen. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg der Anteil weiter – auf 22,8 Prozent. Als wesentliche Ursache für den Trend sieht der Verband die Verschärfung der CO2-Flottengrenzwerte für Pkw 2025. Die Verschärfungen der Grenzwerte für Pkw 2020, 2021 und 2025 seien alle mit einem deutlichen Anstieg der E-Pkw-Zulassungen einhergegangen, heißt es.
Knackpunkt wie in den vergangenen Jahren ist nach Wahrnehmung des BDEW die Nachfrage nach Strom an Ladesäulen. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur schreite weiterhin schneller voran als die Nutzung, heißt es. „Unsere Nutzerbefragungen zeigen regelmäßig, dass Menschen, die E-Pkw fahren, keinen Mangel an Ladeinfrastruktur beklagen“, kommentiert Andreae. Das öffentliche Ladeangebot sei 2025 auf mehr als 200.000 Ladepunkte ausgebaut worden, die installierte Ladeleistung habe 9.000 MW überschritten. Doch im Jahresdurchschnitt waren laut BDEW-Auswertung lediglich zwölf Prozent der Ladepunkte gleichzeitig belegt.
Der Ausbau des Ladeangebots zielt auf Verkehrsachsen sowie Siedlungs- und Tourismusgebiete. In den Siedlungen werden AC-, DC- sowie HPC-Lader im direkten Umfeld voneinander errichtet. „In den 58
Prozent der Gemeinden, die mit mindestens einem öffentlichen Ladepunkt ausgestattet sind, leben 95
Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: Nur 42 Prozent der Gemeinden haben mindestens eine Tankstelle“, resümiert der BDEW.
„Teure Tankrabatte oder Preisdeckel sind alte Antworten“Die Nutzerperspektive zeigt laut Erhebung eine hohe Zufriedenheit mit dem bestehenden Angebot. Insgesamt geben 86 Prozent der befragten E-Autofahrer an, dass ihre Erwartungen an das öffentliche Laden erfüllt werden, 58 Prozent sehen diese sogar übertroffen. Und mehr als 80 Prozent der Nutzer berichten, dass sie noch nie oder nur sehr selten mehr als 80 Cent pro kWh für öffentliches Laden bezahlt haben. Mehr als die Hälfte nutzt Anwendungen zum Preisvergleich, um Kosten zu optimieren.
Was die politischen Kontroversen beim Spritpreis-Krisenmanagement angeht, betont Andreae: „Teure Tankrabatte oder Preisdeckel sind alte Antworten auf komplexe Herausforderungen. Die Unterstützung vulnerabler Gruppen muss vielmehr über den vom Finanzministerium eingeführten Direktauszahlungsmechanismus erfolgen.“ Die Senkung der Stromsteuer hingegen könne einen weiteren positiven Impuls für Elektrifizierung setzen.
Der aktuelle OECD-Bericht über Grundlagen für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland verdeutliche einmal mehr: Das entscheidende Problem in Deutschland ist die Investitionsschwäche. Für den Mobilitätssektor heiße dies: Wer Unabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Klimaschutz stärken will, muss die Elektromobilität voranbringen. Für geeignete Instrumente hält man beim BDEW „gezielte Anreize für Flotten, nachhaltige Steueranreize auch für private Pkw, die Senkung der Stromsteuer ebenso wie eine Wiederauflegung des Förderprogramms für klimaschonende Nutzfahrzeuge und Infrastrukturen“.
Der neue
Elektromobilitätsmonitor des BDEW steht kostenfrei als Download bereit.
Mittwoch, 15.04.2026, 17:40 Uhr
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