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Über 250 Organisationen unterstützen einen Appell von Bürgerenergieinitiativen für verlässliche Energiegesetze. Neun Energieunternehmen fordern Änderungen am Netzpaket.
Mehr als 250 Genossenschaften, kleine und mittlere Unternehmen, Vereine und Initiativen haben sich einem Appell des Bündnisses Bürgerenergie (BBEN), der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und des Solarenergiefördervereins Deutschland (SFV) angeschlossen. Die Verbände hatten am 20. Februar unter dem Titel „Netzpaket gefährdet dezentrale Energiewende“ zur Mitzeichnung aufgerufen.
Harald Uphoff, Vorstand des BBEN, erklärte, zahlreiche Organisationen sendeten ein klares Signal: Bürgerenergie sei eine tragende Säule der Energiewende und brauche verlässliche politische Rahmenbedingungen. Wer Investitionssicherheit schwäche oder neue Unsicherheiten schaffe, gefährde regionale Wertschöpfung und gesellschaftliche Teilhabe.
Aus Sicht der Initiatoren verschärfen aktuelle Entwicklungen die Lage. Neben der Debatte um ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz verunsichere die Branche ein geleakter Arbeitsentwurf zur Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mit Stand vom 22. Januar 2026. Die Verbände sprechen von einem kumulativen Risiko für Investitionsbereitschaft und Planungssicherheit bei Bürgerenergieprojekten, im Mittelstand und in Kommunen.
Unternehmen gegen das NetzpaketParallel dazu haben sich neun Unternehmen aus Energie- und Technologiesektor mit einem offenen Brief an die Ministerin gewandt. Zu den Unterzeichnern zählen nach eigenen Angaben unter anderem Rabot Energy, Ostrom, Tibber, GP Joule, Tado, Kiwigrid, Lichtblick, Green Planet Energy und Polarstern.
Das Bündnis warnt vor einer energiepolitischen Richtungsentscheidung mit weitreichenden Folgen für Investitionen, Innovation und Versorgungssicherheit. Ein regulatorischer Fokus auf Anschlussstopps oder pauschale Kapazitätsbegrenzungen wie im Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) würde nach Einschätzung der Unternehmen Investoren verunsichern und das Vertrauen in einen planbaren Transformationspfad schwächen.
„Gerade in einer Phase hoher Investitionen in Wärmepumpen, Elektromobilität, Speicher und dezentrale Erzeugung braucht es klare Signale für Verlässlichkeit“, so das Bündnis. Die Transformation des Energiesystems sei längst ein Digitalisierungsprojekt, heißt es in dem Schreiben. Intelligente Steuerung, automatisierte Lastverschiebung und dynamische Netzentgelte könnten bestehende Kapazitäten effizienter nutzen.
PV ist wichtiger Baustein der EnergiewendeFrank Späte, Präsident der DGS, warnt laut Mitteilung, die Abschaffung der Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen würde einen wichtigen Baustein der Energiewende schwächen. Er fordert Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche auf, die bestehende Dynamik nicht zu gefährden.
Susanne Jung, Geschäftsführerin des SFV, weist den Vorwurf zurück, Photovoltaikanlagen von Bürgerinnen und Bürgern seien verantwortlich für Netzengpässe oder steigende Kosten. Wer das Ende von „Produce & Forget“ fordere, müsse auch Netze, digitale Infrastruktur und Speicher ausbauen sowie stabile Rahmenbedingungen schaffen. Die Verbände kündigen an, ihre Forderungen gemeinsam mit den Mitzeichnenden an das BMWE zu übergeben.
Konkret plädieren die Unternehmen für Planungssicherheit statt dauerhafter Kapazitätsbeschränkungen, für einen beschleunigten Smart Meter Rollout sowie für Anreizsysteme zur automatisierten Laststeuerung. Zudem regen sie die Einrichtung eines praxisnahen Expertenrats für intelligente Netzsteuerung beim BMWE an.
Sowohl die Verbände der Bürgerenergie als auch das Unternehmensbündnis verknüpfen ihre Kritik mit dem Angebot zum Dialog. Vor der anstehenden Kabinettsentscheidung zum Netzpaket fordern beide Seiten eine Ausgestaltung, die Investitionen in dezentrale Strukturen ermöglicht und digitale Steuerung stärker berücksichtigt.
Eine
Mitzeichnung des Netzpaket-Appells ist bis 08.03.26 möglich.
Dienstag, 3.03.2026, 15:02 Uhr
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