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Enerige & Management > Personalie - Energiemanager Graichen: ein "Vordenker" und "Brückenbauer"
Bild: Rolf Schulten
PERSONALIE:
Energiemanager Graichen: ein "Vordenker" und "Brückenbauer"
Der Direktor der Agora Energiewende Patrick Graichen erhielt am 12. Februar in Berlin die Auszeichnung „Energiemanager des Jahres“.
 
Der von der Zeitung Energie & Management initiierte und von der Kanzlei Becker Büttner Held und der Unternehmensberatung K.Group mitgetragene Preis wurde 2018 zum 18 Mal vergeben. Mit Graichen wurde nun erstmals eine Persönlichkeit zum „Energiemanager des Jahres“ gekürt, die nicht in der Energiewirtschaft selbst tätig ist.

Warum er? Die Gründe für die Wahl der Jury erläuterte BDEW-Präsidentin Marie-Luise Wolff in ihrer Laudatio in Berlin. „Er ist ein Vordenker der Energiewende und wirkt weit über die Branche hinaus. Er ist einer der überzeugendsten Botschafter, die wir für das Thema Energiewende haben“, sagte Wolff.

 
Marie-Luise Wolff bei ihrer Laudatio auf Graichen
Bild: Rolf Schulten


Sie verwies darauf, dass 2018 ein Jahr des energiepolitischen Stillstands ohne wichtige Weichenstellungen gewesen ist, da habe es eine Logik, dass der Chef eines Think Tanks, der „Manager von Energiepolitik“ sei, gewählt wurde. Wolff nannte neben seiner Kompetenz auch die persönlichen Eigenschaften, die Graichen dabei zugute kommen: Mut, Überzeugungskraft und die Fähigkeit, sein Metier in einfachen Worten zu erklären – auch auf Twitter.

Offenheit im Dialog und Kritikfähigkeit

Dabei, betont die BDEW-Präsidentin, verfüge der Agora-Direktor auch über eine Qualität, die nur bei wenigen zu finden sei: die Fähigkeit zur Selbstkritik, also auch einmal Irrtümer einzugestehen. Er sei ein geschätzter Gesprächspartner, den seine Offenheit und unprätentiöse Art auszeichne und dem Eitelkeit fremd sei.
 
Preisträger Graichen vor der vierteiligen Bronzeskulptur
Bild: Rolf Schulten



Dabei habe Graichen sich als „Brückenbauer“ erwiesen, so Wolff, etwa in den Jamaika-Verhandlungen, wo er wichtige Punkte einbringen konnte. Dabei kann Graichen, der sich als Mitglied der Grünen outet, aus seinen umfassenden Erfahrungen in der Energie- und Klimapolitik schöpfen.

Schon in seiner Dissertation hatte sich Graichen mit der kommunalen Energiewende befasst: die Bürgerbewegung im Schwarzwaldstädtchen Schönau in der Folge der Atomkatastrophe von Tschernobyl, die in der Übernahme der Stromversorgung durch eine Genossenschaft mündete.


 
Aufmerksam lauschte das Auditorium der launigen Rede von Marie-Luise Wolff
Bild: Rolf Schulten


Agora Energiewende setzt Impulse für die politische Diskussion

Seit 2001 arbeitete er im Bundesumweltministerium, wo er seit 2004 persönlicher Referent des damaligen Staatssekretärs Rainer Baake und dann Referatsleiter Energie- und Klimapolitik war. Dieser holte ihn dann auch als stellvertretenden Direktor zur Agora Energiewende, wo Graichen 2014 die Nachfolge Baakes als Direktor antrat – und für die Bearbeitung wichtiger Themen als Impuls für die politische Diskussion sorgte.
 
So widmeten sich die Publikationen des Think Tanks im vergangenen Jahr unter anderem den Themen ETS-Reform, CO2-Bepreisung und Netzentgelten. Die BDEW-Präsidentin erinnert auch daran, dass die Agora Energiewende bereits 2016 mit ihrem Kohleausstiegsdatum richtig lag: 2038. „Das hat für einen Aufschrei gesorgt, viele irritiert und galt als unmachbar“, so Wolff. „Das Ergebnis der Kohlekommission hat jetzt gezeigt, dass Sie damit richtig lagen.“

Die europäische Dimension rückt in den Blick

Die BDEW-Präsidentin hebt zudem eines hervor, das wohl bisher auch einmalig in einer Laudatio ist: Neben seinem beruflichen Engagement habe Graichen immer noch Zeit für seine Familie, seine Kinder und Freunde. „Er ist ein Familienmensch – das ist heute sehr wichtig für einen guten Manager.“

 
E&M-Herausgeber Helmut Sendner bei seiner Eröffnungsrede
Bild: Rolf Schulten


Graichen, der die Auszeichnung, eine vierteilige Bronzeskulptur eines Münchner Künstlers, von E&M-Herausgeber und Verleger Helmut Sendner mit Freude entgegennahm, betonte die Bedeutung des „Brückenbauens“ in der politischen Diskussion darüber, wie die Dekarbonisierung der Energieversorgung zu erreichen sei. „Wir müssen Mehrheiten dafür organisieren“, sagte er. So sei man unter anderem in intensiven Gesprächen mit der Industrie.

Es gebe noch viel Arbeit, eine Energieversorgung ohne Kohle, Öl und Gas bis 2050 zu realisieren, betont Graichen - auch EU-weit: Die Agora Energiewende plant eine Kohleausstiegsstudie auch für Polen und Tschechien.

 
Preisträger Patrick Graichen mit (v.l.) Laudatorin Marie-Luise Wolff, E&M-Herausgeber Helmut Sendner sowie den Unterstützern des Preises Christian Held (Kanzlei Becker Büttner Held) und Christof Spangenberg (K.Group)
Bild: Rolf Schulten


 
 
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
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Mittwoch, 13.02.2019, 17:15 Uhr

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