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Enerige & Management > Wärmenetz - Warendorf baut auf kalte Nahwärme
Bild: Fotolia.com, fefufoto
WÄRMENETZ:
Warendorf baut auf kalte Nahwärme
Im Neubaugebiet „In de Brinke“ in Warendorf (Nordrhein-Westfalen) beginnt der Bau eines kalten Nahwärmenetzes. Als eines der ersten Projekte wird es via „Wärmenetze 4.0“ gefördert.
 
 
Mit 37 % der ansatzfähigen Kosten wird dieses Projekt als erstes kaltes Wärmenetz dieser Größenordnung in Deutschland vom Bund gefördert. Für die Umsetzung eines kalten Nahwärmenetzes im Neubaugebiet „In de Brinke“ hatten die Stadtwerke Warendorf zuvor einen Fördermittelbescheid von bis zu 1,95 Mio. Euro erhalten.

Die Energie zur Wärmeversorgung der Gebäude im Baugebiet wird durch oberflächennahe Geothermie gewonnen. Eine Vielzahl von bis zu 150 Meter tiefen Sonden und einem rund fünf Kilometer langen Grabenkollektor stellen die Wärmenergie bereit. Die Bauarbeiten für die Technikzentrale werden diesen Monat abgeschlossen, teilte der Bundesverband Geothermie am 15. Januar mit. Durch die eingesetzte Technik können nach Angaben der Stadtwerke Warendorf 98,6 % der CO2-Emissionen gegenüber einer herkömmlichen Wärmeversorgung eingespart werden.

Kein Erdgasnetz mehr für Neubaugebiete

Möglich wurde dies im ersten Schritt durch eine beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) eingereichte Machbarkeitsstudie „Wärmenetze 4.0“. „Durch den Projektantrag sowie die Strahlkraft wird das Projekt als Referenz für viele weitere Neubaugebiete in Deutschland dienen können“, sagte Urs Reitis, Geschäftsführer der Stadtwerke Warendorf. Geplant sind 500 Wohneinheiten, vor allem Einfamilien- und Doppelhäuser auf insgesamt knapp 20 Hektar.

Die Stadt Warendorf hatte bereits im Jahr 2017 beschlossen, keine Neubaugebiete mehr mit Erdgas zu versorgen. Das Erdgasnetz könnte nach Auskunft der Stadt aufgrund der geringen Abnahme der gedämmten Neubauten nicht wirtschaftlich betrieben werden und würde so die Versorgungspreise außerhalb der Neubaugebiete hochtreiben. Mithilfe der Machbarkeitsstudie hat sich die Stadt im Jahr 2018 daraufhin für ein kaltes Wärmenetz mit Erdwärme entschieden.

Ein kaltes Nahwärmenetz hat mit rund 20 Grad Celsius niedrige Temperaturen im Versorgungsnetz. In den angeschlossenen Gebäuden wird mit Wärmepumpen anschließend die gewünschte Heiztemperatur erreicht. Diese Methode hat vor allem in der kalten Jahreszeit den Vorteil, nur sehr wenig Wärme über die Leitungen zu verlieren.

Passive Kühlung im Sommer erhöht Effizienz des Netzes

Über das kalte Nahwärmenetz ist außerdem eine passive Kühlung eines Gebäudes möglich. Im Sommer kann die kühle Sole aus dem Netz genutzt werden kann. Die Temperatur eines Gebäudes wird auf rund 3 bis 5 Grad Celsius unterhalb der normalen Haustemperatur im Sommer gesenkt. Damit können die Gebäude im Sommer gekühlt werden und andererseits können sich die Erdwärmesonden und -kollektoren, die die geothermische Energie aus dem Untergrund gewinnen, regenerieren. Durch diese Technik kann nach Informationen der Stadtwerke das Wärmeversorgungsnetz besonders effizient und wirtschaftlich betrieben werden. 

Mit der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (Wärmenetzsysteme 4.0) werden Wärmenetzsysteme mit überwiegendem Anteil erneuerbarer Energien und Abwärme gefördert. Gefördert werden Machbarkeitsstudien mit bis zu 60 % der förderfähigen Ausgaben und einer maximalen Höhe der Förderung von 600.000 Euro. In einem weiteren Schritt kann die Realisierung eines Wärmenetzsystems 4.0 mit bis zu 50 % der förderfähigen Ausgaben im Investitionsvorhaben bezuschusst werden.

Da im Förderprogramm Wärmenetzsysteme 4.0 ein systemischer Ansatz verfolgt wird, werden keine Einzelmaßnahmen wie der Bau eines Wärmeerzeugers oder die Verlegung von Rohrleitungen gefördert, sondern der Neubau oder die Transformation von vollständigen Wärmenetzsystemen.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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