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Quelle: Hansewerk
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Hansewerk plant Investitionen in Milliardenhöhe
Die Hansewerk-Gruppe hat eines der größten Investitionspakete seit Gründung beschlossen. In den nächsten drei Jahren sollen 1,2 Mrd. Euro in Netze und deren Digitalisierung fließen.
 
Das Hansewerk plant, zusammen mit ihren Tochtergesellschaften – Schleswig-Holstein Netz, Hanse Gas, Hansewerk Natur und Elb-Energie – in den nächsten drei Jahren zwischen 380 und 400 Mio. Euro pro Jahr in die Energienetze und deren Digitalisierung zu investieren. Zusammen sind das fast 1,2 Mrd. Euro.

Hintergrund dieser Investitionsoffensive der Eon-Konzerngesellschaft ist einerseits, dass Hansewerk im Netzgebiet der Gruppe mit 280.000 Elektroautos und 100.000 zusätzlichen Wärmepumpen rechnet, weswegen umfangreiche Netzertüchtigungen notwendig werden. Außerdem zeichne sich auf der Produktionsseite ein weiterer Boom bei den Erneuerbaren ab, teilte das Unternehmen am 10. Mai zu dieser Investitionsentscheidung mit.

Derzeit zeichnet sich laut dem Hansewerk ein extremer Solarboom ab, denn die Zahl der Anträge auf Einspeisung mit Photovoltaik-Anlagen hat sich in den ersten vier Monaten dieses Jahres, verglichen mit dem Vorjahr, mehr als verdoppelt. Bei SH Netz laufen Planungen für 4.250 Projekte mit fast 10.000 MW Leistung, von denen fast 98 % Freiflächenanlagen sind.

Zum Vergleich: Im Bereich Wind bearbeitet SH Netz derzeit rund 1.000 Projekte mit knapp 4.900 MW Leistung. Bis 2035 werde es voraussichtlich eine Verdoppelung der EEG-Anlagenleistung auf gut 19.000 MW geben, weswegen der entsprechende Netzausbau schon jetzt mitbedacht werden müsse, so das Hansewerk.

„Die uns jetzt vorliegenden Dimensionen werden raumbedeutsamen Netzausbau mit großen Leistungen und Umspannwerken erfordern“, sagte dazu Hansewerk-Vorstandsvorsitzender Matthias Boxberger. Deswegen müsse die Politik von sofort an den Ausbau der Erneuerbaren immer zusammen mit dem Netzausbau planen und verzahnt genehmigen: „Sonst werden sich die teuren Erfahrungen der vergangenen Jahre wiederholen mit hunderten Millionen Euro für Ausgleichszahlungen für Grünstrom, der nicht eingespeist werden kann.“

Neue Wasserstoffgesellschaft entsteht

Hansewerk gründet derzeit zusammen mit der Avacon AG im Bereich Wasserstoff ein Joint Venture, dessen Ziel es ist, bis 2030 mehrere hundert Megawatt Elektrolyseurkapazität und die dafür nötigen Erneuerbaren-Kapazitäten zu entwickeln. Im Rahmen des Energiewendeprojektes „Norddeutsches Reallabor“ plant Hansewerk den Bau einer 25-Megawatt-Elektrolyseanlage im Hamburger Hafen, um grünen Wasserstoff für Anwendungen aus Industrie und Mobilität zu produzieren.

Außerdem hat Hansewerk zusammen mit dem Wasserstoff-Spezialisten Hypion den Aufbau von fünf Mobilitätszentren mit Wasserstofftankstellen für den Schwerlastverkehr gestartet. Eines davon ist in Neumünster geplant, eines in Lübeck.

„Obwohl wir beim Thema grüner Wasserstoff hier im Norden beste Voraussetzungen haben, werden wir hier bereits seit längerem ausgebremst“, beklagt Jan Gratenau, Bereichsleiter Wasserstoff und Erneuerbare Energien beim Hansewerk. Der Grund: „Die EU stellt sehr hohe Anforderungen an Herkunft und Profil des grünen Stroms, aus dem grüner Wasserstoff hergestellt werden soll.“ Das verteuere alle Projekte, schaffe unkalkulierbare Risiken für die Akteure und verzögere den Markthochlauf einer nachhaltigen, heimischen Wasserstoff-Wirtschaft.
 

Heidi Roider
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