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Enerige & Management > Stromnetz - Der Dialog um steuerbare Verbraucher soll weitergehen
Bild: Fotolia/Miredi
STROMNETZ:
Der Dialog um steuerbare Verbraucher soll weitergehen
Die Digitalisierung der Energiewende muss erst noch beim Kunden ankommen. Das war die Meinung zahlreicher Redner und Diskutanten beim diesjährigen FNN-Kongress ZMP 2021.
 
„Wir müssen den Kunden darauf vorbereiten, dass er zum aktiven Partner in der Energiewende wird“, forderte Ingo Schönberg im Rahmen einer Diskussionsrunde. Der Kunde werden künftig zwangsläufig mehr mit dem Thema Energie zu tun haben, wenn ein Anteil der erneuerbaren Energien von 80 oder mehr Prozent und eine noch dezentralere Energielandschaft Realität werden, so der Vorstandsvorsitzende des Smart-Meter-Gateway-Herstellers PPC.

Die Energiewirtschaft müsse sich im Klaren sein, dass die Kunden als flexible Verbraucher, als E-Mobilisten, PV-Einspeiser oder in einer anderen Rolle einen aktiven Part beim Umbau des Energiesystems spielen. Dass sich die Transformation geräuschlos vollziehe, ohne dass der Kunde etwas davon mitbekommt, hält er für unwahrscheinlich.

Zuvor hatte Gunnar Steg speziell im Hinblick auf die Nutzer von E-Autos erklärt, die Akzeptanz neuer Technologien und Regularien sei dann wohl am größten, wenn der Kunde gar nichts vom Umbau des Energiesystems spüre: „Der Kunde hat nicht das Interesse, einen Netzengpass zu vermeiden“, so der Manager Standards and Regulation bei der Volkswagen Group Charging GmbH (Elli). „Komfort erhalten, Flexibilität nutzen und den Kunden am Erfolg partizipieren lassen“, das ist nach Stegs Auffassung die Erfolgsformel für Akzeptanz.

Sein Kollege Xaver Pfab, bei BMW als Projektleiter Netzintegration Elektromobilität tätig, wies darauf hin, dass es den Kunden an sich nicht gebe. Viele E-Mobilisten seien energiewendeaffin. Bei ihnen sei die Bereitschaft hoch, sich an neue Erfordernisse bei der Integration der Erneuerbaren und der E-Mobilität anzupassen. Gleichzeitig pflichtete er VW-Manager Steg bei: Die Anpassung solle ein möglichst unauffälliger und komfortabler Prozess sein. 
 
Finanzieller Nutzen nicht im Vordergrund
 
Wenn dieses Erlebnis rein finanzieller Natur sein sollte, sei Skepsis angebracht, meinte Wolfgang Zander. Der Generalbevollmächtigte der Beratungsgesellschaft BET ist überzeugt, dass mögliche Geschäftsmodelle mit rund 100 Euro erzielbarer Vergütung für die Kunden wenig attraktiv sind. Deshalb sei durchaus das „Lebensgefühl, aktiv an der Energiewende teilnehmen zu können“, ein Thema.

Die Diskussion hatte sich am Hickhack um das Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz entzündet, das vom Bundeswirtschaftsministerium Anfang des Jahres nach einem fast zweijährigen Abstimmungsprozess mit verschiedenen Stakeholdern zurückgezogen wurde. Die Automobilindustrie hatte bei Minister Peter Altmaier (CDU) ihr Veto gegen die Ausgestaltung des § 14a ENWG und damit gegen das Konzept der Spitzenglättung eingelegt.

„Dass nach zwei Jahren Konsultationen der Ansatz quasi am Frühstückstisch abgeräumt wurde, halte ich für ein Desaster“, sagte Schönberg. „Da muss sich die Automobilindustrie wirklich fragen, ob das der richtige Move war“, so der PPC-Chef. Allerdings gab er zu bedenken, je weiter man von den Vorständen zu den informierten Kreisen auf der Arbeitsebene heruntersteige, desto größer werde das gegenseitige Verständnis. Hier gebe es sicherlich keine Blockade mehr, sondern die Frage nach dem richtigen Weg. Die Netzbetreiber seien wichtige Partner für die Automobilindustrie, das dürfe man nicht vergessen. Denn wenn Blackouts auftreten oder die Netzentgelte extrem ansteigen würden – das wäre nicht gut für den Absatz von E-Autos.

VW-Manager Steg gab zu bedenken, wenn das Ergebnis am Ende die vorausgegangene Diskussion tatsächlich widergespiegelt hätte, wäre es nicht zum Abbruch des Verfahrens gekommen. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass der Gesprächsfaden zwischen Automobil- und Energiewirtschaft wieder aufgenommen wird und man in der nächsten Legislaturperiode zu einer Lösung für die Regulierung steuerbarer Verbraucher komme.

In einem Vortrag im Rahmen der ZMP griff Heike Kerber, Geschäftsführerin des Forums Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im VDE, das Thema noch einmal auf und erläuterte, das Prinzip der Spitzenglättung ziele darauf ab, dass der Netzbetreiber in kritischen Situationen die Möglichkeit bekomme, die maximale Leistung von Ladevorgängen zu drosseln. Es gehe nicht um das willkürliche und völlige Unterbinden von Ladevorgängen. Diese Auffassung habe jedoch zum Teil in der Politik und der Automobilindustrie geherrscht. FNN werde weiter daran arbeiten, dass es mit dem „richtigen Fokus zu einer guten Lösung“ kommt.

Das Beispiel zeige, dass die Digitalisierungsthemen noch besser kommuniziert werden müssen, zum einen gegenüber den Stakeholdern, zum anderen gegenüber der Öffentlichkeit. Denn gerade der Öffentlichkeit gegenüber sei es wichtig „das Big Picture“ sichtbar zu machen und neben dem Nutzen für den Kunden auch den Beitrag zum Klimaschutz in den Mittelpunkt zu rücken.
 
 

Fritz Wilhelm
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