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Quelle: Fotolia / Minerva Studio
STUDIEN:
Dena-Netzstudie III empfiehlt integrierte Planung und frühe Beteiligung
In ihrem Abschlussbericht zeigt die Dena-Netzstudie III, wie die integrierte Planung der Energienetze für ein klimaneutrales Energiesystem ab 2024 gelingen könnte.
 
Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) hat im Rahmen ihrer dritten Netzstudie in den vergangenen drei Jahren untersucht, wie die Energieinfrastrukturplanung weiterentwickelt werden muss. Ziel sei es, das Rückgrat für ein klimaneutralen Energiesystem zu schaffen. Die Studie wurde durch einen breiten Partnerkreis aus Energiewirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft intensiv begleitet und vom Büro für Energiewirtschaft und technische Planung (BET) als Hauptgutachter unterstützt.

Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. „Die verschiedenen Energienetze dürfen nicht länger basierend auf unterschiedlichen Annahmen geplant werden“, sagte Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung. Es bedürfe vielmehr einer gemeinsamen Grundlage, die das große Ganze und vor allem auch die Klimaschutzziele für das Jahr 2045 in den Blick nimmt.

Systementwicklung vor Detailplanung

Kern der Empfehlungen ist die Weiterentwicklung der bestehenden, voneinander bisher unabhängigen Planungsprozesse hin zu einer integrierten Planung. Dazu empfiehlt die Dena-Studie einen Systementwicklungsplan einzuführen, der den heutigen Netzentwicklungsplänen vorgelagert ist und die gemeinsamen Ziele absteckt. Er soll alle vier Jahre aktualisiert werden und den Rahmen für die aktuellen Planungsprozesse bilden. Das solle erforderliche Innovationen bei der Netzplanung besser berücksichtigen und nutzbar machen. 
Die Studie liefert damit einen detaillierten Vorschlag, wie die in der Eröffnungsbilanz BMWK vorgeschlagene Systementwicklungsstrategie umgesetzt werden kann. Der vorgelagerte Systementwicklungsplan-Prozess soll auch Strategieempfehlungen an die Politik enthalten und als Orientierung für Unternehmen zur zukünftigen Entwicklung des Energiesystems dienen. Erste konkrete Empfehlungen und Handlungsbedarfe, zum Beispiel zur netzorientierten Allokation von Elektrolyseuren und Backup-Kraftwerken, konnten bereits in einem Zwischenbericht der Dena-Netzstudie III, im November 2021 identifiziert werden.
 
Empfehlung aus der Dena-Netzstudie 3:
Sektorenkopplung auch im Netz ermöglichen
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Quelle: BET

Politische Legitimation sichern

Damit ein Systementwicklungsplan diese Funktionen erfüllen kann, müssen die Ergebnisse politisch und gesellschaftlich legitimiert sein. Das gelingt unter anderem durch eine breit angelegte öffentliche Beteiligung, die durch eine prozessbegleitende Stakeholderplattform, einen Bürgerdialog und eine öffentliche Konsultation umgesetzt werden könne. Auch die Infrastrukturplanung im Verteilnetz sollte in Zukunft integriert erfolgen und die Netze für Strom, Erdgas oder Wasserstoff und Wärme gemeinsam in den Blick nehmen.

Die Ergebnisse eines Systementwicklungsplans können dabei als Orientierung genutzt werden, um eine konsistente Gesamtstrategie für die Entwicklung der Transport- und Verteilnetze sicherzustellen. Die unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten erfordern jedoch individuelle Lösungen, die nur durch eine integrierte Planung auf lokaler Ebene gefunden werden könnten, so die Autoren.
Zusätzlich nimmt die Dena-Netzstudie III die Einflüsse des Marktdesigns auf den Infrastrukturbedarf in den Blick und betrachtet verschiedene Möglichkeiten, wie bei der Ausgestaltung eines zukünftigen Marktdesigns auch netz- und systemdienliche Aspekte berücksichtigt werden können.

Kommunaler Verband begrüßt Studienergebnis

VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing kommentierte die Studie als wichtigen Diskussionsbeitrag. „Richtig ist auch, dass dieses Leitbild in einer breiten Debatte mit Vertretern von Bund, Ländern, Kommunen, Verbänden und Zivilgesellschaft entwickelt werden soll. Gesellschaftlicher Konsens ist eine wichtige Basis für die Akzeptanz für den Ausbau der Energieinfrastrukturen vor Ort“, sagte Liebing. Sektorkopplung müsse auch in den Netzen stattfinden. „Alle drei Infrastrukturen müssen eng mit der kommunalen Wärmeplanung verzahnt werden“, forderte Liebing für die Erfüllung der Klimaschutzziele.

Geschichte der Netzstudien

Die Dena-Netzstudie I im Jahr 2005 war die Grundlage für den Stromnetzausbau, der später im EnLAG von 2009 festgeschrieben wurde, als das Thema im Zuge des verstärkten Ausbaus der Windenergie an Bedeutung gewann. Im Jahr 2010 läutete die Dena-Netzstudie II die Ära der Netzentwicklungspläne ein, indem sie die methodischen Grundlagen schuf und zeigte, dass der großräumige Stromtransport für die Umsetzung der Energiewende von zentraler Bedeutung sein würde.

Mehr Informationen zur Dena-Netzstudie 3  stehen im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 25.01.2022, 15:11 Uhr

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