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WÄRME:
Vattenfall bringt neue Optionen ins Spiel
In die Verhandlungen um die Rekommunalisierung der Hamburger Fernwärmeversorgung rückt der Energiekonzern Vattenfall von seiner Forderung nach einem Moorburg-Anschluss ab.
 
Mit einem neuen Vorschlag zur künftigen Fernwärmeversorgung in Hamburg hat der schwedische Energiekonzern Vattenfall sein Interesse an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der Stadt bekräftigt. Das überraschende Angebot: Vattenfall könnte auf eine Fernwärme-Auskopplung aus dem umstrittenen Kohlekraftwerk Moorburg verzichten.

Das Hamburger Abendblatt hatte zuvor berichtet, Vattenfall plane im Hamburger Hafen den Neubau eines Gaskraftwerks mit Kraft-Wärme-Kopplung als Ersatz für das Heizkraftwerk Wedel, das 2021 außer Dienst genommen werden soll. Diese Darstellung dementierte eine Vattenfall-Sprecherin auf Nachfrage gegenüber E&M.
Dem Unternehmen gehe es aber um eine „wirklich effiziente Nutzung des fossilen Energieträgers Gas“, so die Unternehmenssprecherin. Konkrete Pläne für ein neues Gaskraftwerk gebe es indes nicht.

In den Verhandlungen mit der Stadt suche man eine gemeinsame Lösung, die zu einer deutlichen CO2-Einsparung führe und auf das Erneuerbare-Zeitalter wirklich vorbereite. In Hamburg hat Vattenfall vor einigen Tagen eine umfassende Anzeigen- und Plakatkampagne gestartet und unterstreicht darin sein Ziel, innerhalb einer Generation ein fossilfreies Leben ermöglichen zu wollen.

Kohlekraftwerk Moorburg noch nicht vom Tisch, so die Sprecherin

Der lange von Vattenfall favorisierte Einsatz des Kohlekraftwerks Moorburg für die Wärmeerzeugung sei zwar noch nicht vom Tisch, so die Sprecherin, allerdings sei diese Option politisch nicht gewollt. Der rot-grüne Hamburger Senat hatte sich in seinem Koalitionsvertrag für einen Verzicht von Moorburg als Wärmequelle ausgesprochen.

Die zuständige Behörde für Umwelt und Energie (BUE) teilte dazu mit: „In den BUE-Szenarien zur künftigen Fernwärme und zum Ersatz von Wedel hat das Kohlekraftwerk Moorburg nie eine Rolle gespielt“. Die Behörde arbeite weiter daran, den verpflichtenden Volksentscheid zum Rückkauf der Energienetze auch bei der Fernwärme umzusetzen. „Zu laufenden Verhandlungen äußert sich die Behörde nicht“, so ein Behördensprecher auf Nachfrage.

Durch einen Volksentscheid von 2013 ist der Hamburger Senat zum Rückkauf der Energienetze aufgefordert worden. Während die Strom- und Gasverteilnetze inzwischen wieder in kommunaler Hand sind, waren die Verhandlungen um einen Rückkauf der Fernwärmenetze und der angeschlossenen Wärmeerzeugungsanlagen zuletzt ins Stocken geraten.

Unterschiedliche Bewertung des Kaufpreises beträgt 300 Mio. Euro

Die Stadt hat eine Rückkaufsoption, die sie bis zum 30. November nutzen kann. Diese Option sieht einen Mindestpreis von 950 Mio. Euro für die Fernwärmegesellschaft vor. Ein Wertgutachten kam im Frühjahr allerdings zu dem Ergebnis, dass der tatsächliche Wert der derzeit von Vattenfall (74,9 %) und der Stadt Hamburg (25,1 %) getragenen Gesellschaft aber rund 300 Mio. Euro niedriger anzusetzen ist.

Der Hamburger Umwelt- und Energiesenator Jens Kerstan (Grüne) will mit der Rekommunalisierung der Fernwärme auch die Wärmeerzeugung ökologischer gestalten und plant mit dezentralen Anlagen, Abfallwärme und industrieller Abwärme und einem Aquiferspeicher eine nahezu CO2-freie Fernwärmeversorgung.

In Abstimmung mit Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), ebenfalls einem Befürworter der Rekommunalisierung, hat Kerstan Mitte August ein weiteres Gutachten zur Entwicklung eines Unternehmenskonzeptes für eine städtische Fernwärmegesellschaft in Auftrag gegeben.

Die Berliner Beratungsgesellschaft LBD soll nun analysieren, wie die Fernwärmegesellschaft als kommunale Gesellschaft agieren könnte. Zugleich wird die städtische Konzernholding HGV das Unternehmenskonzept plausibilisieren und eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellen. Ziel ist es, Synergieeffekte mit anderen städtischen Unternehmen wie etwa den Strom-, Gas- und Wassernetzgesellschaften sowie den Versorgern Hamburg Wasser und Hamburg Energie zu bewerten, die möglicherweise doch einen über den Unternehmenswert hinausgehenden Kaufpreis für das Fernwärmenetz ermöglichen.

Die Hamburger Haushaltsordnung schreibt dem Senat vor, wirtschaftlich zu agieren. Einen überhöhten Kaufpreis kann die Stadt damit nicht zahlen, wenn sich daraus keine wirtschaftlichen Vorteile ergeben.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Dienstag, 28.08.2018, 13:30 Uhr

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