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Enerige & Management > Interview - Sagen Sie mal: Hansjörg Roll
Quelle: Fotolia/BillionPhotos
INTERVIEW:
Sagen Sie mal: Hansjörg Roll
In der Rubrik "Sagen Sie mal" stellen wir ein paar kurze Fragen und bitten um kurze Antworten zu einem aktuellen Thema.
 
Herr Roll, seit dem 10. Juni stehen Sie als neuer Präsident dem Effizienzverband AGFW vor. Welches Potenzial schreiben Sie der grünen Fernwärme zum Erreichen der deutschen Klimaschutzziele 2045 zu? 
Grüne Fernwärme ist eine Schlüsseltechnologie für das Erreichen der Klimaschutzziele. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Gebäudesektor zu, der ein Drittel des deutschen CO2-Ausstoßes verursacht. Daher sind mehr Investitionen in die energetische Sanierung von Gebäuden erforderlich. Schon heute ist allerdings absehbar, dass wir selbst bei einer Verdopplung der derzeitigen Sanierungsrate wesentlich mehr tun müssen, um die gewünschten Energie- und Treibhausgaseinsparungen zu erreichen. Die Abkehr von Ölheizungen hat begonnen, muss aber weiter forciert werden, soll die Wärmewende erfolgreich sein. 

Einen deutlich größeren Hebel besitzt die Fernwärme. Wird sie auf erneuerbare Energien umgestellt, ließe sich gleich ein ganzes Wärmenetz mit zahlreichen Wohngebäuden klimaneutral mit Wärme und Warmwasser versorgen. Durch einen ambitionierten Ausbau und eine Verdichtung der Wärmenetze kann der Anteil der Fernwärme langfristig auf etwa 30 Prozent des Wärmebedarfs der Gebäude gesteigert werden. Bei idealen Rahmenbedingungen ließe sich der Anteil von erneuerbaren Energien und Abwärme an der Fernwärme bis 2030 auf 45 Prozent anheben.
 
Hansjörg Roll ist neuer Präsident des Energieeffizienzverbands AGFW
Quelle: MVV Energie

An welchen Stellschrauben müsste hierzu Ihrer Ansicht nach auf politischer und regulatorischer Ebene am dringendsten gedreht werden?
Um den Fernwärmeausbau voranzubringen, sind bis 2030 Investitionen in Höhe von 33 Milliarden Euro nötig, pro Jahr also im Mittel 3,3 Milliarden Euro. Unsere Unternehmen investieren schon heute Milliarden, nicht nur in den Kohleausstieg, sondern auch in die Erschließung von zusätzlichen klimaneutralen Wärmequellen wie Umweltwärme, Solar- und Geothermie, Abwärme und Wärme aus Abfall. Die bestehende Förderlandschaft trägt diesen Bestrebungen aber nur zum Teil Rechnung. Sie fokussiert eher auf kleine Lösungen in Neubauten mit nur geringen Laufzeiten und eher kleinen Budgets.

Es bedarf dringend anderer Instrumente und Ansätze, um Transformationsprojekte für Wärmenetze zu beschleunigen. Das Bundesförderprogramm für effiziente Wärmenetze (BEW) etwa hat das Potenzial, der Integration von erneuerbaren Energien und klimaneutralen Quellen in Wärmenetzen den nötigen Anschub zu geben. Das Programm-Budget des BEW müsste auf eine Milliarde Euro pro Jahr bis 2030 und die projektbezogenen Höchstgrenzen müssten auf 100 Millionen Euro angehoben werden. Außerdem ist es wichtig, weitere Fördertatbestände aufzunehmen oder stärker zu betonen, wie etwa angemessene Förderkonditionen für die Errichtung und den Betrieb von Anlagen, die Biomasse oder erneuerbare Gase nutzen. 

Wie wollen Sie Kommunen und Stadtwerke beim Ausbau der Fernwärme unterstützen? 
Wir starten hier gerade ein interessantes Projekt. Mit unserer ‚Plattform Grüne Fernwärme‘ im Internet wollen wir Kommunen, Stadtwerke, Fachplaner und Dienstleister miteinander vernetzen. Es geht um den Erfahrungsaustausch mit Unternehmen, die bereits in der Fernwärme aktiv sind. Sie können die Patenschaft für eine interessierte Kommune übernehmen und sie beim Start in die grüne Fernwärme unterstützen. Diese Idee der Vernetzung kommt sehr gut in der Branche an, es stehen bereits mehrere regionale Netzwerke in den Startlöchern und wir erhalten ein sehr positives Feedback.
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Mittwoch, 04.08.2021, 09:31 Uhr

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