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Bild: Claudia Otte, Fotolia
ENERGIEWIRTSCHAFT:
Kapferer fordert Entfristung des KWK-Gesetzes
Zum Erreichen der Klimaziele sind auch ein Marktdesign für gesicherte Leistung, bessere Bedingungen für Speicher und Flexibilitäten sowie ein rascher Netzausbau nötig, fordert der BDEW.
 
Der Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) hat Sorge, dass die konventionellen Erzeugungskapazitäten in Deutschland in absehbarer Zeit nicht mehr ausreichen, um die Stromerzeugung künftig auch in den Momenten zu sichern, wenn kein Wind weht, keine Sonne scheint und die Erneuerbaren nicht genügend Energie liefern.

Derzeit gebe es in Deutschland nur 52 Neubauprojekte für Kraftwerke mit einer Erzeugungsleistung von mehr als 20 MW − nur 14 der geplanten Anlagen seien dabei tatsächlich in Bau, hat der Verband in seiner zum Auftakt der Hannover Messe vorgelegten Analyse zum Kraftwerkspark errechnet.

Der Trend zum Abbau gesicherter Erzeugungskapazitäten setze sich unvermindert fort. Immer mehr Gas- und Kohlekraftwerke, die jederzeit und wetterunabhängig Strom erzeugen können, gingen demnach vom Netz, weil sie altersbedingt stillgelegt werden oder ihr Betrieb ist unwirtschaftlich geworden ist. Entsprechend sinke die zur Verfügung stehende gesicherte Kapazität, bemängelte in Hannover Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Dem bis 2023 zu erwartenden Zubau an konventioneller Kraftwerkskapazität in Höhe von etwa 4 400 MW stünden bereits absehbare und erfolgte Stilllegungen von rund 18 600 MW gegenüber, das bedeute „ein sattes Minus.“ Damit sinke bis 2023 die konventionelle Kraftwerkskapazität von heute knapp 90 000 MW auf 75 300 MW. Die Bundesnetzagentur gehe aber für Anfang der 2020er Jahre von einer Jahreshöchstlast von 81 800 MW aus.

„Diese Entwicklung ist mit Blick auf die Klimaziele 2030 besorgniserregend“, so Kapferer. Denn weitere Kohlekraftwerke könnten damit in den 2020er Jahren nur vom Netz genommen werden, wenn CO2-arme Ersatzkapazitäten geschaffen werden. „Wir werden nicht umhinkommen, auch konventionelle Kraftwerke zuzubauen.“ Der Energy-only-Markt verhindere aber den Bau.

Konsequenter Ausbaupfad für Erneuerbare

Und deshalb seien klare politische Entscheidungen erforderlich, die für geeignete Investitionsbedingungen sorgen. So müssten dringend die Startbedingungen für Kraft-Wärme-Kopplung verbessert werden. Der BDEW-Chef forderte konkret eine Entfristung der Förderung nach dem KWK-Gesetz über 2030 hinaus mit dem Ziel, die Stromproduktion aus KWK auf jährlich 150 Mrd. kWh aufzustocken.

Die KWK sei darüber hinaus auch für den Wärmemarkt eine sehr interessante Lösung. Kapferer ist der Ansicht, dass KWK-Anlagen einen Großteil der notwendigen gesicherten Leistung stellen werden. Einen Neubau von GuD-Kraftwerken in größerem Umfang hält er für „eher unwahrscheinlich“.

Um im Klimaschutz voranzukommen, ist es mit dem Bau von KWK-Anlagen jedoch nicht getan. Auch die Rahmenbedingungen für Energiespeicher müssten verbessert werden. Dazu gehöre insbesondere, die unsinnige Doppelbelastung für Speicher bei den Netzentgelten zu beenden.

Ein weiterer wichtiger Punkt sei „ein konsequenter Ausbaupfad für die erneuerbaren Energien“. Das Ziel von 65 % erneuerbarer Stromerzeugung bis 2030 aus dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sei richtig, so Kapferer weiter. Unumgänglich sei außerdem eine „deutliche Beschleunigung“ beim Netzausbau. „Wenn man weitere Kohlekraftwerke vom Netz nehmen will, muss das Netz stabilisiert werden.“

Schaffe die Politik jetzt nicht zügig die Voraussetzungen zur Sicherstellung von gesicherter Leistung oder mehr Flexibilitäten, sei das Klimaziel 2030 gefährdet: „Dann wird die Politik 2027 genauso kurzatmig versuchen, eine Lücke zu schließen.“ Daher lautet der dringende Appell an die Bundesregierung, Planungssicherheit für Investoren und ein Marktdesign für gesicherte Leistung zu schaffen. Auch das Schielen auf Stromimporte zum Füllen von Erzeugungslücken sei keine sinnvolle Strategie. „Auch im EU-Ausland wird gesicherte Leistung in Form von konventionellen Kraftwerken abgebaut.“

Auf der aktuellen BDEW-Kraftwerksliste finden sich geplante, beantragte, genehmigte und in Bau befindliche Anlagen mit einer Einzelleistung von mehr als 20 MW und einer Gesamterzeugungsleistung von rund 22 000 MW. Darunter sind 22 Gas- und sechs Pumpspeicherkraftwerke sowie 21 Offshore-Windparks, aber auch ein Braunkohle- und ein Steinkohlekraftwerk, mit deren Bau nicht mehr gerechnet werden dürfte. „Wir haben eine Menge geplanter Gaskraftwerke, aber bauen tut fast keiner“, kommentierte Kapferer die Kraftwerksliste.
 

Peter Focht
Redakteur
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Montag, 23.04.2018, 14:56 Uhr

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