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Bild: Fotolia.com, alphaspirit
STUDIEN:
Erneuerbare Energien als Chance für die Braunkohleregionen
Der Ausbau von Wind- und Solarenergie in Kombination mit Power-to-X kann Wertschöpfung und Arbeitsplätze in die Tagebauregionen bringen. Die Potenziale hat eine Studie ermittelt.
 
Die jetzt veröffentlichte, von mehreren Instituten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Untersuchung „Erneuerbare Energien- Vorhaben in den Tagebauregionen“ hat ergeben, dass ein verstärkter Ausbau von Photovoltaik und Windenergie auf den Tagebauflächen besondere Chancen für einen ökonomisch erfolgreichen Strukturwandel in den Braunkohlerevieren böte. Das gilt insbesondere für hybride Großkraftwerke, die zugleich Wind- und Sonnenenergie nutzen.

Hierbei können die durch die Schließung von Kohlekraftwerken frei werdenden Netzkapazitäten wie auch die Kompetenzen der Menschen und Unternehmen in den Revieren genutzt werden. Die Hybridkraftwerke könnten synchron zur schrittweisen Verringerung der Kohleverstromung errichtet werden, heißt es dazu. Sie bieten zugleich die Basis für eine verstärkte Errichtung von PtX-Anlagen.

Potenzial für tausende Arbeitsplätze

Die Studie betrachtet die vier deutschen Tagebauregionen Lausitzer Revier, Mittel-deutsches Revier, Rheinisches Revier und Helmstedter Revier. Dabei geht das Basis-Szenario für die Windenergie von einer 80 %igen Nutzungsquote der identifizierten Flächen und einer mindestens 70 %igen Standortgüte sowie einem Repowering bestehender Anlagen aus. Das Ergebnis: „Alle Reviere verfügen über signifikante Potenziale, aber in unterschiedlicher Zusammensetzung.“

Für das Lausitzer Revier wurden knapp 2 GW für die Windenergie und rund 9 GWp für die PV ermittelt. Das Mitteldeutsche Revier verfügt über ein hohes Solarpotenzial mit etwa 4,5 GWp, doch über wenig Windenergiepotenziale. Im Rheinischen Revier ergaben sich jeweils über 1 GW Potenziale bei beiden Technologien.

Die Studie hat das Lausitzer Revier als „Fallbeispiel“ genauer untersucht, wobei auch Energieeffizienz im Strom- und Wärmesektor und Beiträgen zur Mobilitätswende einbezogen wurden. Demnach könnten hier mindestens mehreren hundert, möglicherweise sogar einige tausend Arbeitsplätze entstehen. Allein durch Planung, Errichtung und Betrieb der hier genannten Technologien könnten Beschäftigungseffekte von bis zu 1 000 Vollzeitäquivalente geschaffen werden – unabhängig von weiteren möglichen Potenzialen aus der Herstellung, heißt es dazu.

Räumliche Steuerung und Förderfonds

Allerdings bedarf es spezifischer Maßnahmen, um diese Potenziale zu heben. Dazu gehört ein Zusammenwirken der Akteure aus Bund, Ländern und Kommunen. Es seien Instrumente zur räumlichen Steuerung zu prüfen, um die Anlagen in die Reviere zu bringen. Die Autoren nennen dazu Sonderausschreibungen wie auch planerische Maßnahmen. Auch eine größtmögliche ökonomische Teilhabe vor Ort müsse sichergestellt werden, etwa Einnahmen aus Abgaben oder Gebühren und Möglichkeiten zur Investitionsbeteiligung. So könnten Wertschöpfung und Beschäftigung in der Region gehalten und damit die Akzeptanz gesteigert werden.

Zwar könne auch die Ansiedelung großer, beschäftigungsintensiver Einheiten wie . Industrieunternehmen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen oder Bundes-und Landesbehörden sind in ihren Realisierungschancen in Betracht gezogen werden, doch könne eine kleinteiligere und verteiltere Forschungs- und Wirtschaftsförderstrategie eine höhere Resilienz aufweisen, betonen die Studienautoren.

Bei der Erschließung geeigneter Flächenpotenziale müsse man sich auch mit Nutzungskonflikten wie dem Natur- und Artenschutz befassen, aber auch mit möglichen Synergien mit anderen Nachnutzungsoptionen.
Zudem empfehlen die Experten einen spezifischen Förderfonds. Dieser sollte die Kommunen in den Revieren dabei unterstützen, die Bandbreite der Energiewendebereiche gezielt und individuell für sich zu erschließen.

Die Studie steht zum kostenlosen Download bereit unter www.erneuerbare-energien.de  
 
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Donnerstag, 15.11.2018, 12:29 Uhr

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