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Enerige & Management > KWK - Küstenkraftwerk feiert ersten Geburtstag
Bild: Carsten Bernot
KWK:
Küstenkraftwerk feiert ersten Geburtstag
Vor einem Jahr ging das Küstenkraftwerk der Stadtwerke Kiel in Betrieb - nach mehreren Verzögerungen. Nun haben sie eine erste Bilanz gezogen.
 
„Unser Küstenkraftwerk läuft und hat im ersten Jahr bereits rund 1.000.000 Tonnen CO2 gegenüber dem Vorgängerkraftwerk eingespart“, freute sich Frank Meier, Vorstandsvorsitzender der Stadtwerke Kiel, bei der virtuellen Geburtstagsfeier am 20. Januar. Das seien 70 % weniger Emissionen im Vergleich zum Vorgänger. „Ein erheblicher Beitrag für das Klima sowie zur sicheren Wärme- und Stromversorgung in Kiel.“ Das umgesetzte Erzeugungskonzept mit Gasmotoren, Wärmespeicher und Elektrodenkessel in dieser Größenordnung ist europaweit einzigartig.

Bei der Geburtstagsfeier zeigten die Kieler von Neuem, wie stolz sie auf ihr Leuchtturmprojekt sind. Dabei war sein Bau sicherlich ein Kraftakt. Ursprünglich war eine Inbetriebnahme bereits für Herbst 2018 geplant, dieser Termin konnte aber aufgrund von mehreren technischen Problemen in der Bauphase nicht eingehalten werden. Es gab unter anderem Schwierigkeiten mit den Rückkühlern der Anlage, die anfangs nicht die geforderte Leistung brachten. Offiziell in Betrieb ging die Anlage letztendlich am 16. Januar 2020.

Auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer lobte bei der virtuellen Geburtstagsfeier das als Küstenkraftwerk bezeichnete Gasmotorenheizkraftwerk: „Vor einigen Wochen erhielten wir den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021 in der Kategorie Großstädte. Eine große Rolle für die Jury spielte dabei auch die Inbetriebnahme des Küstenkraftwerks.“ Mit dem Kraftwerk vollzieht der Versorger auch den Kohleausstieg.
 
Gefeiert wurde virtuell bei den Stadtwerken Kiel
Bild: MVV

Als das Küstenkraftwerk im vergangenen Jahr in Betrieb ging, sagte Jörg Teupen, Technikvorstand der Stadtwerke Kiel, im Gespräch mit dem E&M-Energiefunk daher, es sei ein „anspruchsvolles Projekt gewesen“ – vor allem was die Technik anbelange. „Wir sind das modernste und innovativste Kraftwerk europaweit. Wir haben diese Technologie erstmals in dieser Größenordnung weltweit eingesetzt.“ Das mache schon stolz. Das Ziel, die Versorgung ökologisch für die Bürger, aber auch ökonomisch für die Stadtwerke umzusetzen, sei erreicht worden. Bei der virtuellen Geburtstagsfeier sagte er, er sei begeistert über den „erfolgreichen und zuverlässigen Betrieb“.

Küstenkraftwerk läuft seit einem Jahr zuverlässig

Die Anlage ersetzte das im Frühjahr 2019 vom Netz gegangene Gemeinschaftskraftwerk Kiel, das als Brennstoff Kohle verfeuerte und das die Stadtwerke gemeinsam mit Uniper betrieben. Nun versorgt das Küstenkraftwerk seit einem Jahr mehr als 73.500 Kieler Haushalte, Betriebe und Einrichtungen mit ökologischer Fernwärme. Zudem speist die Anlage die erzeugte elektrische Energie in das Kieler 110-kV-Stromnetz ein, das sowohl die Wohnungen in der Landeshauptstadt als auch der umliegenden Gemeinden mit Strom versorgt. Kraftanlagen München errichtete als Generalunternehmer das Gasmotorenheizkraftwerk an der Kieler Förde.

Der Standort an der Ostsee erfordert eine flexible Technik: Wegen des hohen Anteils an Windstrom im Netz muss das Kraftwerk in der Lage sein, innerhalb kürzester Zeit die volle Leistung in das örtliche Netz einzuspeisen, um die Schwankungen in der Stromgewinnung durch Wind- und Sonnenenergie auszugleichen. Das Kraftwerk wurde daher so ausgelegt, dass es in nur fünf Minuten von null auf Volllast gefahren werden kann – möglich machen das 20 Gasmotoren von Innio, die jeweils individuell regelbar sind.

Die Anlage erzeugt bis zu 190 MW Fernwärme. Das modular aufgebaute Kraftwerk kann Netzschwankungen ausgleichen sowie Strom zur Vermarktung am Regelenergiemarkt liefern. Zur Flexibilität der Kraft-Wärme-Kopplungsanlage tragen ein 60 Meter hoher Wärmespeicher mit 30.000 m3 Speichervolumen bei und ein 35-MW-Elektrodenkessel (Power-to-Heat-Technologie). 

Für Kunden bedeutet das Kraftwerk weniger laufende Kosten. Jan Christoph Kersig, Geschäftsführer Kersig Immobilien, sagte bei den Feierlichkeiten: „Für unsere Immobilien ist Fernwärme die klima- und umweltschonendste Wärmeversorgung. Der Ausstoß von CO2 und Schadstoffen ist erheblich geringer als bei vergleichbarer Nutzung von Einzelfeuerungsanlagen beispielsweise mit Öl. Für Fernwärme sprechen auch die einfachere Technik, geringe Installations-, Wartungs- und Betriebskosten und die Platzersparnis in den Gebäuden.“

Die Investitionen in das Kraftwerk lagen bei 290 Mio. Euro. Die Gesellschafter der Stadtwerke Kiel sind die Landeshauptstadt Kiel mit 49 % und die MVV Energie mit 51 %.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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