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Enerige & Management > Politik - Aiwanger: "KWK ist eine eierlegende Wollmilchsau"
Bild: E&M, Roider
POLITIK:
Aiwanger: "KWK ist eine eierlegende Wollmilchsau"
Das bayerische Wirtschaftsministerium möchte mit der Roadshow „KWK vor Ort“ mehr Interesse für diese Technologie wecken. Die Auftaktveranstaltung fand in der Oberpfalz statt.
 
Die Roadshow „KWK vor Ort“ hat zum Ziel, effiziente und innovative KWK-Anlagenkonzepte bayernweit vorzustellen und damit die Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie bekannter zu machen. In den nächsten Monaten soll möglichst in jedem Regierungsbezirk Bayerns eine solche Anlage präsentiert werden.

Bayern Innovativ stellt im Auftrag des bayerischen Wirtschaftsministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum KWK und dem Institut für Energietechnik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH) diese hocheffizienten Anlagen vor Ort vor.

Den Auftakt bildete der Besuch bei der Meistermetzgerei Ponnath im oberpfälzischen Kemnath. Das Unternehmen produziert täglich rund 120 Tonnen Fleisch- und Wurstwaren und benötigt dafür neben elektrischer Energie auch Dampf, Warmwasser und vor allem Kälte für die Kühlung der Rohstoffe und der fertigen Lebensmittel. Dafür ist vor rund drei Jahren eine neue Anlage installiert worden.

Diese Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlage (KWKK-Anlage) besticht durch ein besonders flexibles Versorgungskonzept, entwickelt vom Institut für Energietechnik IfE GmbH an der OTH Amberg. Ponnath, dem Anlagenbauer Ago und dem Institut für Energietechnik IfE wurden dafür unter anderem vom Verband BKWK und von E&M der Preis „BHKW des Jahres 2017“ verliehen. Im vergangenen Jahr hat die Anlage außerdem den Bayerischen Energiepreis erhalten.
 
Markus Brautsch (2.v.l.), Professor an der OTH Amberg, erklärt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger die KWKK-Anlage bei der Meistermetzgerei Ponnath im oberpfälzischen Kemnath
Bild: E&M, Heidi Roider

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) betonte bei der Veranstaltung, dass Kraft-Wärme-Kopplung eine „zentrale Säule der Energiewende“ sei. Solche Vorzeigeprojekte seien wichtig, um auch anderen Unternehmern, Stadtwerken und Kommunen die Vorteile der KWK aufzuzeigen. Auch weil in den kommenden Jahren viel gesicherte Erzeugungskapazität − etwa aus Atomkraft oder Kohle − vom Netz gehe, müsse Bayern dringend neue Kapazitäten aufbauen. KWK biete dazu ein hohes Potenzial. Dem bayerischen Wirtschaftsminister seien „viele dezentrale KWK-Anlagen wesentlich lieber als ein oder zwei große Gas-Kraftwerke“, denn eine dezentrale Versorgung ist „sicherer und effizienter“.

Für Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger ist die Kraft-Wärme-Kopplung für die Energiewende eine „eierlegende Wollmilchsau“. KWK sei nicht nur eine hocheffiziente und ausgereifte Technologie, sie habe auch in der Bevölkerung keine Akzeptanzprobleme wie zum Beispiel Wind- oder Wasserkraft. „Die KWK stört niemanden, und damit können wir schnell in die Massenanwendung kommen“, sagte Aiwanger in Kemnath. Dafür will er sich einsetzen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung, darunter Mitarbeiter von BHKW-Herstellern, Projektierern, Kommunen und Stadtwerken, zeigten sich über die Aussagen zufrieden, gaben dem Minister aber auch eine klare Forderung mit auf den Weg. Die KWK sei technisch sehr wohl in der Lage, ihre systemdienlichen Aufgaben zu erledigen. Die größten Hemmnisse lägen in der immens komplizierten Bürokratie − Teilnehmer nannten die unübersichtliche Zahl an Meldepflichten zu unterschiedlichen Stichtagen, die ausufernden Meldungen bei diversen Behörden und die gesetzlichen messtechnischen Regelungen.

Auf die ausufernden bürokratischen Hürden verwies auch Raphael Lechner vom Kompetenzzentrum KWK der OTH Amberg in seinem Vortrag „Aktuelle Rahmenbedingungen, Entwicklungen und Hemmnisse der KWK“, den er an diesem Tag in Kemnath hielt. Eine Vereinheitlichung und Vereinfachung der Regularien sei daher dringend geboten.

Markus Brautsch, Professor an der OTH Amberg und Geschäftsführer des Instituts für Energietechnik, fasste es so zusammen: „Das Kleingedruckte muss händelbar werden.“ Aiwanger versprach abschließend, sich auch dieses „Kleingedruckten“ anzunehmen, damit sich KWK-Betreiber künftig wieder auf die Technik konzentrieren könnten.


Die Anlage Ponnath bei Kemnath

Das dezentrale Kraftwerk besteht aus einem Erdgas-BHKW von MTU Onsite Energy mit knapp 1,3 MW elektrischer Leistung. Ergänzt wird es durch einen Abhitzedampfkessel, der 760 kg Sattdampf pro Stunde bei 8,5 bar Überdruck erzeugen kann. Dieser Dampf wird für die Wurst- und Fleischproduktion benötigt.

Die eingesetzte Absorptionskälteanlage vom Typ „Ago congelo“ hat eine Kälteleistung von bis zu 550 kW und kann besonders tiefe Vorlauftemperaturen von bis zu -10 °C liefern. Diese Temperatur ist notwendig für das Einfrieren der Wurst- und Fleischprodukte. Die Anlage lässt sich darüber hinaus als Notstromaggregat und zur Netzersatzversorgung einsetzen.
 

Heidi Roider
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Mittwoch, 30.10.2019, 12:54 Uhr

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