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Bild: UNFCCC
UN-KLIMAGIPFEL:
Verwundbare Staaten beschließen Energierevolution
Es ist der entscheidende Impuls auf dem diesjährigen UN-Klimagipfel: Mindestens 47 Staaten wollen ihre Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien umstellen.
 
Seit Jahren kämpfen sie gegen die Auswirkungen des Klimawandels und versuchen, die Weltgemeinschaft davon zu überzeugen, auf fossile Energieträger zu verzichten, um ihr eigenes Überleben zu sichern. Nun sind 43 Länder, die sich im „Climate Vulnarable Forum“ organisiert haben, und vier weitere Staaten mit einem bemerkenswerten Beschluss vorgeprescht. Sie alle eint die Angst, dass sie durch Meeresspiegelanstieg, zunehmende Hitzeperioden und Dürren sowie Wirbelstürme ihre Lebensgrundlage verlieren könnten. Bis 2020 wollen sie deshalb jetzt ihre nationalen Klimaschutzpläne so umgestalten, dass sie vollständig auf Kohle, Gas und Öl verzichten können und zugleich der Anstieg der Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzt wird. Die Initiative steht allen Staaten offen und die Organisatoren hoffen auf weitere Mitglieder.

Im Kampf gegen den Klimawandel sei nun ein „außerordentliches Momentum“ erreicht, schreibt das UN-Klimasekretariat UNFCCC in dem Entwurf der Abschlusserklärung. Ziel müsse es nun sein, die Klimaziele der Staaten noch vor 2020 zu verschärfen, so das Dokument, das am 18. November noch von allen Staaten beschlossen werden sollte.

Rund zwei Wochen lang hatten die Staaten auf der Klimakonferenz im marokkanischen Marrakesch über die Umsetzung des Pariser Klimavertrags verhandelt. Deutschland blieb dabei die Blamage erspart, nachdem sich die Bundesregierung am 11. November doch noch auf den Klimaschutzplan 2050 verständigt hatte. Lange Zeit sah es so aus, dass Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ohne Umsetzungsdokument des Pariser Klimavertrags anreisen müsste. Dennoch kam sie nicht mit den viel zitierten leeren Händen nach Marrakesch. Auch wenn Umweltverbände und die Opposition den Klimaschutzplan als unzureichend betrachten, gab es auf dem UN-Klimagipfel positive Signale aus Deutschland. Die Bundesregierung wird ihre Finanzhilfen für Anpassungsmaßnahmen um 50 Mio. Euro jährlich aufstocken und ab 2020 jährlich 4 Mrd. Euro in den Adaptation Funds einbezahlen, mit dem ärmere Länder bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützt werden sollen. Ab 2020 sollen die reichen Industriestaaten jährlich 100 Mrd. US-Dollar in diesen Fonds einbezahlen. Das Geld kommt auch den Staaten zugute, die nun in Marrakesch vorgeprescht sind. „Die Ankündigung von 47 Staaten aus den ärmsten Regionen, zu 100 Prozent auf erneuerbare Energie zu setzen, ist ein wichtiges Signal an Industriestaaten und Investoren, dass die Zeit der Kohle vorüber ist“, sagt Sabine Minninger, Klimaexpertin des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt. Insgesamt zieht Minninger eine positive Bilanz des Gipfeltreffens. „Die Aufbruchstimmung von Paris ist nicht verflogen. In Marrakesch wurde konstruktiv weiterverhandelt, um das Pariser Klimaabkommen auszugestalten“, so Minninger. Ambitionierte Klimapolitik und die Umsetzung weltweiter Richtlinien zur Minderung der Treibhausgase sei nicht mehr aufzuhalten.

Für einen Stimmungsdämpfer sorgte allerdings die Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten. Die amtierende US-Regierung verabschiedete sich in Marrakesch mit ambitionierten Klimazielen und will bis 2050 ihre Emissionen gegenüber 2005 auf ein Fünftel absenken. Ob diese noch im Dezember zu beschließende Dekarbonisierungsstrategie und die bereits zugesagten Finanzhilfen unter der Trump-Administration fortgesetzt werden, bleibt unklar. Den weltweiten Umbau der Energiesysteme wird Trump aber kaum mehr aufhalten können.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Freitag, 18.11.2016, 16:34 Uhr

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