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Bild: Leonid Tit, Fotolia
KLIMASCHUTZ:
Berchtesgadener Land gründet Energieeffizienz-Netzwerk
Zu einem kommunalen Energieeffizienz-Netzwerk Berchtesgadener Land haben sich in dem südostbayerischen Landkreis elf Gemeinden zusammengefunden. 
 
Im Energieeffizienz-Netzwerk Berchtesgadener Land zusammengeschlossen haben sich die Gemeinden Ainring, Anger, Bayerisch Gmain, Bischofswiesen, Piding, Saaldorf-Suhrheim, Schönau am Königssee, der Markt Berchtesgaden, die Städte Bad Reichenhall, Freilassing und Laufen. Die jeweiligen Bürgermeister unterzeichneten im Landratsamt Berchtesgadener Land in Bad Reichenhall am 18. Oktober die Gründungsvereinbarung.
 
Freut sich über das Gründungsdokument mit den Unterschriften: Landrat Georg Grabner (M.)
Bild: P. Koller

Das Netzwerk wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in den kommenden drei Jahren mit 270 000 Euro gefördert. Landrat Georg Grabner (CSU) lobte bei dieser Gelegenheit die von den Gemeinden bereits geleistete Vorarbeit in Form von Energienutzungsplänen. Damit habe man nun ein hervorragendes Werkzeug für die Umsetzung im Rahmen des Energieeffizienz-Netzwerks an der Hand: „Wir wollen keine Pläne, die dann in Schubladen verschwinden, sondern Projekte, mit denen wir etwas bewegen können.“ Das bestätigt auch Markus Brautsch vom Institut für Energietechnik IFE GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Amberg-Weiden, der das Projekt auf der energietechnischen Seite betreut: „Die Energienutzungspläne haben hier einen neuen Standard gesetzt.“

Im Zuge dieser Ermittlung von Verbrauchsdaten und Optimierungsmöglichkeiten von kommunalen Liegenschaften hat sich bereits eine ganze Palette von Projekten ergeben, über die sich die Gemeinden im Rahmen des Netzwerks austauschen wollen. Organisatorisch betreut wird dieser Austausch unter anderem in Form von vier jährlichen Treffen von Willie Stiehler, Geschäftsführer der Energieagentur Südostbayern in Traunstein. 

Die Palette der beim Gründungstreffen angesprochen Projekte reicht von einer Fernwärmeversorgung aus der Abwärme von Milchwerken in Piding über eine energetisch optimierte Turnhallenbeleuchtung in Schönau am Königssee bis zu einer Energiezentrale für ein Arealnetz in Freilassing. 

Ein Highlight der Planungen ist das Projekt einer modernen KWK-Lösung in Bad Reichenhall. Das Vorhaben der Stadtwerke Bad Reichenhall hat als eines von bundesweit fünf Projekten den Zuschlag für eine Förderung als innovatives KWK-System (iKWK) bekommen. Der Vorteil dieser speziellen Ausschreibung besteht unter anderem in dem Gebotswert. Der Höchstwert liegt bei 12 Ct/kWh statt 7 Ct/kWh wie bei den konventionellen KWK-Ausschreibungen. 

Die iKWK-Anlage in Bad Reichenhall umfasst insgesamt drei Wärme-Erzeugereinheiten mit zwei BHKW (elektrische Leistung rund 2 mal 3,4 MW), einer Grundwasser-Wärmepumpe (Heizleistung etwa 1,3 MW) und einer Power-to-Heat-Anlage (elektrische Leistung rund 2 MW). Weiterhin ist ein thermischer Pufferspeicher mit etwa 1 500 m3 sowie die Errichtung eines Fernwärmenetzes geplant. Die gesamte Regelungs- und Steuerungstechnik der einzelnen Anlagen soll übergeordnet auf eine zentrale Gebäudeleittechnik/Fernwirktechnik zusammengeführt werden.

Als ein erstes gemeinsames Unterfangen aller Gemeinden im Rahmen des neu gegründeten Netzwerks schlugen Brautsch und Stiehler vor, die für das Gesamtprojekt notwendige Erfassung der Verbrauchsdaten der kommunalen Liegenschaften in den Gemeinden auf eine einheitliche digitale Basis zu stellen. Dazu sollen die abgelesenen Zählerwerte künftig in eine Datenbank-Software eingepflegt werden, in der auch Dokumente wie etwa Pläne oder Genehmigungen digital hinterlegt werden können. In einem zweiten späteren Schritt wäre es auch möglich, Zählerstände ohne einen Wechsel der Zähler durch angebrachte Sensoren automatisiert in die Software zu übermitteln.

Brautsch: „Im Bereich der Verbrauchsdatenerfassung herrscht oft noch eine Zettelwirtschaft vor, davon müssen wir wegkommen.“ Über ein zunehmend hochauflösendes Bild des Energieverbrauchs eines Gebäudes werde es einfacher, konkrete Handlungsempfehlungen auszusprechen. Als Beispiel nannte Brautsch das von ihm andernorts betreute Projekt einer PV-Anlage. Durch den Einsatz von Sensorik ließ sich bei der geplanten Anordnung der Module eine mittägliche Abschattung beobachten. Durch eine veränderte Anordnung konnte das Problem einer Delle in der Stromerzeugung zu einer der Hauptverbrauchszeiten verhindert werden.
 

Peter Koller
Redakteur
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Freitag, 19.10.2018, 15:29 Uhr

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