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Enerige & Management > Studien - Agora will mit 100 Mrd. Euro Wirtschaft und Klimaschutz ankurbeln
Bild: Minerva Studio, Fotolia
STUDIEN:
Agora will mit 100 Mrd. Euro Wirtschaft und Klimaschutz ankurbeln
Angesichts der großen wirtschaftlichen Einbußen in Folge der Corona-Pandemie schlägt die Denkfabrik konkrete Investitionen vor, die Klimaschutz und Konjunktur zugleich befördern sollen.
 
Nach Einschätzung verschiedener Wirtschaftsforschungsinstitute werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland und Europa für 2020 um 4 bis 7 % sinken. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet sogar mit der schlimmsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise von 1929. Daher machen Agora der Bundesregierung Vorschläge, mit welchen Maßnahmen in Deutschland die Konjunktur anzukurbeln wäre, ohne den Klimaschutz aufzugeben. Ein „doppelter Booster“ soll beide vorantreiben.

„Das Programm, das jetzt nötig ist, muss einen Beitrag zur Erreichung der transformativen Ziele einer Gesellschaft leisten, zu denen auch eine höhere Widerstandskraft gegenüber künftigen Krisen zählt“, heißt es in dem Vorschlag. Hierzu gehöre ganz zentral der Klimaschutz. Mit mehr als 50 Maßnahmen für Industrie, Verkehr, Gebäude, Energiewirtschaft und zur Stärkung der Kaufkraft für die nächsten zwei Jahre sollen 100 Mrd. Euro investiert werden.

Ziele des Doppel-Boosters

Damit solle die Wirtschaft nicht nur gesunden, sondern zugleich auch so umgebaut werden, dass sie bis 2050 klimafreundlich werden kann. „2020 könnte wieder eines der trockensten Jahre in Deutschland werden und eines der heißesten weltweit“, mahnten Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende und Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende bei der Vorstellung des Doppel-Boosters. Das Programm solle deshalb Investitionen auf heute vorziehen, die bisher erst morgen anstanden. „Dieses Geld für morgen dürfen wie aber nicht in Technologien und Produkte von gestern stecken“ warnte Graichen zugleich.

Mit 100 Mrd. Euro umfasst das Programm rund 3 % des deutschen BIP. Es liege damit in einer Größenordnung, die auch Wirtschaftsforschungsinstitute für geboten halten. „Dieses Geld soll es in jedem Sektor ermöglichen, dass Klimaschutzinvestitionen vorgezogen und zukunftsfähige industrielle Strukturen aufgebaut werden“, sagte Graichen. Es ersetze nicht die grundlegenden Gesetzesreformen im Energie- und Klimabereich, diese seien weiterhin auch unabhängig von Konjunkturprogrammen nötig.

Die einzelnen Maßnahmevorschläge

Mit 25 Mrd. Euro werde die Bauwirtschaft am meisten von dem Doppelten Booster profitieren. Zehn Mrd. Euro sollen in den Aufbau einer Industrie für die serielle energetische Sanierung von Häusern fließen. Jeweils fünf Mrd. Euro sind für den Ausbau klimafreundlicher Fernwärmenetze und für die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude sowie für ein Programm zum Austausch von einer Mio. Erdöl- und Erdgasheizungen gegen elektrische Wärmepumpen vorgesehen.

Die Kaufkraft der Bürger und Unternehmen soll um 22 Mrd. Euro gestärkt werden durch eine deutliche Absenkung der Strompreise. Dazu soll die Ökostromförderung zu einem Großteil aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden, wodurch sich die EEG-Umlage um 75 % vermindern würde. Strom, der ja schon zu fast 50 % erneuerbar produziert wird, wäre dadurch um rund 6 Ct/kWh günstiger.

Ein Betrag von 15 Mrd. Euro ist für die Mobilitätswirtschaft vorgesehen. „Mit klugen Konjunkturimpulsen können wir auch den Strukturwandel in der Automobilindustrie und die Verkehrswende voranbringen“, sagt Christian Hochfeld. Ziel sei, die Elektrifizierung des Straßenverkehrs und die Modernisierung des öffentlichen Verkehrs zu beschleunigen. Gleichzeitig gelte es, Fehlanreize zu vermeiden, die den Umstieg auf alternative Antriebe und klimafreundliche Verkehrsträger weiter verschleppen.

1,5 Mrd. Euro sollen in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs fließen. Schließlich sei es Agora zufolge dringend erforderlich, zusätzliche Personalkapazitäten für die Planung und Genehmigung von Verkehrsinfrastrukturen einzurichten, damit öffentliche Investitionen in diesem Bereich möglichst rasch Früchte tragen.

Ebenfalls 15 Mrd. sollen in den klimafreundlichen Umbau der Chemie-, Stahl- und Grundstoffindustrie fließen. Jeweils fünf Mrd. Euro sind als Anschubfinanzierung von Anlagen zur Wasserstoffherstellung sowie von klimafreundlichen Produktionsanlagen im Bereich der Stahl-, Zement- und Chemieindustrie vorgesehen. Ebenfalls fünf Mrd. Euro dienen der Verbesserungen der Energieeffizienz von Produktionsprozessen. Zudem schlägt das Papier die Einführung eines Regulierungsrahmens für Industriestrom auf Basis von Erneuerbaren Energien vor, der durch weitgehende Befreiung von Abgaben und Umlagen besonders günstig sein kann.

Der Vorschlag „Der Doppelte Booster – für ein zielgerichtetes 100-Mrd.-Euro-Wachstums- und Investitionsprogramm“   steht auf der Internetseite der Agora zum Download Verfügung.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Montag, 11.05.2020, 14:36 Uhr

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