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Enerige & Management > Erdgasfahrzeuge - Initiative kämpft um Biogas als Alternative zu Elektro-Antrieben
Quelle: Fotolia/stadtratte
ERDGASFAHRZEUGE:
Initiative kämpft um Biogas als Alternative zu Elektro-Antrieben
Die schwindenden Marktanteile erdgasbetriebener Autos empfindet die Initiative „CNGasgeben“ als „Katastrophe“. Zumal mit BioCNG längst ein klimaverträglicher Brennstoff bereitstehe.
 
Sinkende Umsätze veranlassen Stadtwerke in ganz Deutschland dazu, Erdgastankstellen nach und nach zu schließen, berichteten wir jüngst. Als Grund nannte eine Sprecherin der Stadtwerke Heidenheim die grundsätzlich zu beobachtende „Abkehr vom Erdgasantrieb“ bei gleichzeitigem Boom der Elektrofahrzeuge. Das betrachtet die Initiative „CNGasgeben“ mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Es sei „gut so, dass Erdgastankstellen wirklich an Boden verlieren“, so Norbert Viezens, Sprecher der im westfälischen Lippstadt beheimateten Initiative, in einer Reaktion auf unsere Nachricht. Denn Erdgas sei ein fossiler Treibstoff. Dass Tankstellen-Betreiber vor ihrer Entscheidung aber nicht den Umstieg auf ökologisches CNG in Betracht zögen, zeuge nicht von Weitsicht. Schließlich zähle aus Abfall- und Reststoffen gewonnenes BioCNG zu den „sauberen Alternativen“. Mit dessen Vertrieb lasse sich über die Treibhausgasminderungs-Quote (THG) „sogar Geld verdienen und gleichzeitig ein quasi klimaneutraler Kraftstoff verkaufen“.

Anteil der Tankstellen mit Bio- statt Erdgas "steigt extrem an"

Die Initiative verweist auf ihre ehrenamtliche Struktur und darauf, dass sie keine wirtschaftlichen Interessen verfolge. Vielmehr setzt sie sich laut Viezens für eine klima- und umweltfreundliche Mobilitätszukunft ein, in der nicht nur Elektro-Autos, sondern auch Fahrzeuge mit CNG-Antrieb fahren. BioCNG spart laut Energieagentur NRW 90 % an CO2 gegenüber Diesel- und Benzinantrieben ein.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen listete die Agentur zuletzt 165 CNG-Tankstellen auf, von denen 33 auch Lkw betanken könnten. 67 dieser Tankstellen hatten 100-prozentiges Biogas im Angebot, die damit ein „CO2-neutrales“ Fahren ermöglichten. Zur Freude der Initiative „CNGasgeben“ steigt der Anteil der Biogas-Tankstellen in Europa „extrem“ an, in Deutschland sei an 80 % der Zapfsäulen nur noch BioCNG erhältlich. Tendenz steigend.

In Lippstadt, so die Initiative, habe die örtliche Tankstelle aus Kostengründen auf BioCNG umgestellt. BioCNG ist aufgrund seiner Erzeugung günstiger anzuschaffen als das fossile Erdgas. Das in Lippstadt angebotene Gas sei ein Produkt aus Abfall- und Reststoffen, speziell aus der Verwertung des Biomülls aus der „braunen“ Tonne. Andere Tankstellen bieten als Ökogas Biomethan an, das auf Abfallstroh, Gülle oder Hühnerexkrementen zurückgeht. Zum nachhaltigen Kreislauf zählt auch, dass verbleibendes Substrat an die Landwirte zurückgehen kann, die es zum Düngen und Aufbereiten der Böden verwenden.

Die Initiative verweist zudem auf den Klimaplan der Stadt Lippstadt, der die Mobilität auf Basis von BioCNG mit der E-Mobilität aus regenerativen Quellen gleichberechtigt auf einer Stufe sehe. „Durch all diese Maßnahmen schreibt unsere Lippstädter Tankstelle seit längerem schwarze Zahlen“, so Viezens.

Vor diesem Hintergrund ist der nur gering ansteigende Absatz an Erdgasautos aus Sicht von „CNGasgeben“-Sprecher Norbert Viezens in „Anbetracht unserer Klimasituation nicht nur schade, sondern eigentlich eine Katastrophe“. Im Bereich der Nutzfahrzeuge sei ein anderer Trend erkennbar. Hier gebe es bei den Verkäufen auch aufgrund öffentlicher Förderung „große Steigerungsraten“. Zur Beliebtheit trage zusätzlich bei, dass CNG-betriebene Lastwagen von der Autobahnmaut befreit sind. Von den Vorteilen dieser Antriebsart hat sich zuletzt beispielsweise die Umweltservice Bochum GmbH (USB) überzeugen lassen. Das 100-prozentige Tochterunternehmen der Stadtwerke Bochum Holding GmbH gemeindete erstmals ein CNG-betriebenes Abfallsammelfahrzeug in den Fuhrpark ein.

Für die Initiative „CNGasgeben“ steht fest: „Fossile Verbrenner haben in der Zukunft nichts mehr zu suchen“, so Norbert Viezens. Ihm liege aber „am Herzen“, nicht nur die Elektromobilität zu fördern, „sondern alle sauberen Alternativen zu unterstützen“.
 

Volker Stephan
© 2021 Energie & Management GmbH
Dienstag, 07.09.2021, 16:29 Uhr

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