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Bild: Steag
STROM:
Handelspreise auf Rekordniveau
Der Strompreis reißt die 50-Euro-Marke. Der CO2-Preis klettert über 20 Euro die Tonne. Auch Kohle und Gas steigen seit Monaten. Das sind die Gründe.
 
Der Grundlast-Kontrakt für das Kalenderjahr 2019 kostete am 27. August an der Terminmarktbörse EEX erstmals mehr als 50 Euro/MWh. Zum letzten Mal wurde ein Kontrakt im Jahr 2012 in dieser Höhe gehandelt. Händler zahlten damals für das Lieferjahr 2015 mehr als 50 Euro. Vor einem Jahr lag das Kalenderjahr 2019 Baseload noch unter 30 Euro/MWh.

„Wir werden uns an die höheren Strompreise gewöhnen müssen“, sagt Angela Pietroni, Senior Manager beim Berliner Analystenhaus Brainpool. „Wie es scheint, sind die sieben mageren Jahre vorbei.“ Strom ist eine Sekundärenergie. Die Erzeugung korrespondiert mit den anderen Commodities Kohle, Gas und CO2. Auch hier kennen seit rund zwei Jahren die Preise nur einen Weg – nach oben. Und das teilweise richtig schnell.

Ein aktueller Treiber beim Strom ist der CO2-Preis. Die Betreiber von Gas- und Kohlekraftwerken müssen für das bei der Stromproduktion ausgestoßene CO2 Zertifikate erwerben. Und diese sind aktuell richtig teuer. Vor einem Jahr gab es die Tonne CO2 für Erfüllung im Dezember 2018 noch für weniger als fünf Euro. Anfang der Woche kletterte die Notierung auf über 20 Euro.

Neue EU-Regeln stützen den CO2-Preis

Für die Steigerung der CO2-Preise gebe es mehrere Gründe, sagte Michael Kroehnert von Emissionshändler.com und Herausgeber des „Emissionsbrief“ zu E&M. Im vergangenen November seien neue Rahmenbedingungen für den europäischen Emissionshandel festgelegt worden. So werden ab 2021 die CO2-Gesamtemissionen jährlich um einen höheren Beitrag verringert. Ein weiterer Grund ist die sogenannte Marktstabilisierungsreserve, bei der bis zu 25 % der Zertifikate aus dem Markt genommen werden können. Diese tritt aber zum 1. Januar 2019 in Kraft.

Wie Pietroni ergänzt, hätten sich viele Unternehmen angesichts der verschärften Handelsregeln mit Zertifikaten eingedeckt. Das habe zu einem Anstieg der CO2-Preise geführt, der sich nun selbst verstärke. Denn bei der aktuellen Vervierfachung des Preises würden einige Marktteilnehmer in Panik verfallen. „Wer sich jetzt noch nicht eingedeckt hat, macht das.“

Kohle ist ein globaler Markt

Neben den CO2-Preisen sind auch die Preise für Kohle zur Verfeuerung in Kraftwerken gestiegen. Der europäische Kontrakt API#2 für Steinkohle für das Kalenderjahr 2019 ging innerhalb eines Jahres um 20 US-Dollar auf 90 US-Dollar die Tonne nach oben. Der Kohlemarkt ist global aufgestellt, vor allem die Nachfrage nach dem Brennstoff aus Indien und China befeuert die Preise. „Wenn in Asien die Kohlepreise steigen, dann müssen sie auch in Rotterdam in die Höhe gehen, damit die Kohlefrachter Europa ansteuern“, sagt Pietroni.

Gas hängt auch am Öl

Ein weiterer Punkt, der sich auf die Strompreise auswirkt, sind die Gaspreise. Der Gaspreis für das Kalenderjahr 2019 im Marktgebiet Netconnect Germany ist von Anfang des Jahres von rund 17 Euro/MWh auf nun 23 Euro/MWh gestiegen. An den anderen europäischen Gasmärkten ist die Entwicklung vergleichbar.

„Der Gaspreis hängt auch immer ein Stück weit am Ölpreis und auch dieser ist kräftig gestiegen“, sagte Pietroni. Möglicherweise schlage da schon ein gewisser Groningen-Effekt durch. Die Niederlande haben angekündigt, in Groningen das größte europäische Gasfeld an Land schrittweise bis 2030 zu schließen. Die Förderung hatte öfters Erdbeben ausgelöst.

Gewinner Kernkraft und EEG-Umlage

Die Gewinner der aktuellen Preisrallye sind in erster Linie die Kernkraftwerksbetreiber, da sie keine CO2-Zertifikate benötigen. Aber auch die Braunkohlebetreiber dürften die hohen Strompreise freuen. Zwar belastet sie ebenfalls der steigende CO2-Preis, ihre Kosten für den Brennstoff Braunkohle sind aber im Gegensatz zu Steinkohle und Gas gleich geblieben.

„Ein Gewinner könnte auch die EEG-Umlage sein“, so Pietroni. Da der über das EEG vergütete Erneuerbaren-Strom von den Übertragungsnetzbetreibern an der Börse vermarktet wird, steigen deren Einnahmen durch die höheren Strompreise an. Sie müssten dann weniger EEG-Umlage von den Stromkunden einsammeln, um den Erneuerbaren-Betreibern den Ökostrom zu bezahlen. Die EEG-Umlage könnte tendenziell sinken.
 

Stefan Sagmeister
Chefredakteur
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Dienstag, 28.08.2018, 16:36 Uhr

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