• Notierungen zeigen sich am Mittwoch etwas fester
  • Alle Preise etwas fester
  • Netzschonendes Schnellladen mit Batteriespeicher
  • Netznutzungsentgelte steigen in Bremen am stärksten
  • Verpflichtende Speichernutzung soll Anstieg der Gaspreise stoppen
  • Regionalstromplattform auch als App
  • Regelenergieeinsatz beeinflusst Intradaymarkt
  • Steag plant 1.000 MW in Griechenland
  • Initiative "Ready4H2" unterstreicht Rolle der Verteilnetzbetreiber
  • Oersted holt Glennmont-Fonds bei Borkum Riffgrund 3 mit ins Boot
Enerige & Management > Erdgasfahrzeuge - Erdgas verliert als Treibstoff an Boden - Tankstellen schließen
Quelle: Fotolia/stadtratte
ERDGASFAHRZEUGE:
Erdgas verliert als Treibstoff an Boden - Tankstellen schließen
Erdgas hat als Treibstoff einen schweren Stand. Während der Markt für Elektroautos stark wächst, stagnieren die Zahlen bei CNG-Antrieben so gut wie. Die ersten Tankstellen geben auf.
 
Die Zeichen verdichten sich, dass mit Erdgas als Kraftstoff immer seltener gute Geschäfte zu erzielen sind. Die Neuzulassungen von Erdgasautos ziehen kaum an, letztmals fuhren 2018 mehr Erdgas- als elektrisch betriebene Pkw (ohne Hybrid) auf Deutschlands Straßen. Unternehmen, die Erdgastankstellen betreiben, schauen genauer auf die Umsätze. Nach den Stadtwerken Homburg (Saar) schließt auch der lokale Versorger in Heidenheim an der Brenz seine Erdgastankstelle.

Wer in Ostwürttemberg sein Auto mit Erdgas betanken möchte, hat damit ab 2023 voraussichtlich weniger Auswahl und länger andauernde Anfahrten. Die Stadtwerke Heidenheim AG gibt zum Jahresende 2022 die einzige CNG-Tankstelle des Landkreises auf. Umsatzrückgänge, den Trend zur E-Mobilität und erschwerte Instandhaltung gibt die Unternehmensgruppe als Gründe an. Zuletzt hatten die Stadtwerke Homburg im Januar 2021 eine Erdgastankstelle an der Saar aufgegeben.

Eine Sprecherin der Stadtwerke Heidenheim spricht gegenüber unserer Redaktion von der „Abkehr vom Erdgasantrieb“, die sich auch an fallenden Umsätzen ablesen lasse. So sanken die Nettoeinnahmen seit 2018, als noch 105.763 Euro zu Buche standen, um mehr als 20.000 Euro auf 82.809 Euro im Jahr 2020. Der Negativtrend hält an. Bis einschließlich Juli kamen im laufenden Jahr nur 23.104 Euro netto in die Kasse. Weniger als 600-mal im Monat fahren Erdgasautos durchschnittlich die Tankstelle an.

Das Ländle läge bei Stromern auf Rang fünf unter den EU-Staaten

Gut 21 Jahre lang werden die Stadtwerke die Erdgastankstelle an der Kanalstraße betrieben haben, wenn das letzte Kilogramm CNG die Säule verlassen hat. Nach heutigem Stand müssen sich im Landkreis die Halterinnen und Halter von gut 190 Erdgasautos eine neue Kraftstoffquelle suchen. Alternativen finden sich aktuell im schwäbischen Aalen, das etwa 20 Kilometer entfernt liegt, und auf der anderen Seite der Landesgrenze im bayerischen Günzburg (35 km).

Die Stadtwerke Heidenheim verfügen aktuell über sieben Erdgasfahrzeuge im Fuhrpark. Zwei von ihnen stehen perspektivisch zum Verkauf, bei den fünf anderen laufen die Leasingverträge ersatzlos aus. Zur Aufgabe der Tankstelle habe auch beigetragen, dass Linde als Hersteller der Anlage sich ebenfalls aus dem Geschäftsfeld zurückgezogen hat, so Stadtwerkesprecherin Viktoria Liske. Wartung und Betrieb der Tankanlage hätten sich zudem erschwert, da immer weniger Firmen in diesen Bereichen aktiv seien.

Der Erdgasantrieb habe sich langfristig nicht durchsetzen können, so die Sprecherin, vor allem gegenüber Elektromotoren nicht. Tatsächlich ist in Deutschland laut Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts für 2020 nur eines von 400 neu zugelassenen Pkw ein Erdgasauto. Auch die 1.111 neuen Erdgaswagen in Baden-Württemberg bilden diesen Trend ab, sie stellen 0,26 % der gut 425.000 Neuzulassungen. Insgesamt gab es in Deutschland zu Jahresbeginn 83.067 gemeldete Erdgasautos, das ist ein leichtes Plus von 1,1 %. Ihnen stehen etwa 850 Tankstellen mit Erdgas zur Verfügung.

Dem Boom von Elektroautos können die CNG-betriebenen Fahrzeuge nichts entgegensetzen: Baden-Württemberg liegt nach einer Berechnung des Statistischen Landesamts mit 70.000 zugelassenen Stromern auf Platz fünf in einer fiktiven Tabelle der EU-Staaten hinter Deutschland, Frankreich, Schweden und den Niederlanden. Dies liegt auch an einer Steigerung um 280 % bei den Neuzulassungen im Jahr 2020. Auf den Straßen im Ländle wird nun beinahe jedes sechste Auto (16 %) mit Strom betrieben.
 

Volker Stephan
© 2021 Energie & Management GmbH
Dienstag, 10.08.2021, 13:33 Uhr

Mehr zum Thema