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Enerige & Management > Vertrieb - Banning: "Wenn machbar, klagen wir!"
Bild: Naturstrom AG/Daniel Koebe
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Banning: "Wenn machbar, klagen wir!"
Mit Thomas Banning, Vorstandschef der Naturstrom AG, sprach E&M über seine Bewertung des von der EU genehmigten Eon-Innogy-Deals.
 
E&M: Herr Banning, die Naturstrom AG hat seit der ersten Bekanntgabe des Eon-Innogy-Deals immer zu den Kritikern dieser Übernahme gezählt, die eine Neuordnung der Geschäftsaktivitäten zwischen den Energiekonzerne Eon und RWE bedeutet. Wird Naturstrom gegen die jüngst von der EU-Kommission ausgesprochene Genehmigung klagen?

Banning: Bei uns läuft die rechtliche Prüfung dieser Genehmigung, die sich seit dem Sommer abgezeichnet hat. Kommen unsere Experten nach einer Risikoabwägung zu dem Schluss, dass eine Klage aussichtsreich ist, gehe ich nach derzeitigem Stand aus, dass wir uns zu diesem Schritt entschließen. Gerne als Teil einer Klagegemeinschaft. Denn es geht bei dieser Genehmigung nicht um eine Kleinigkeit, von Eons künftiger Marktmacht sind nicht nur wir als Naturstrom, sondern andere unabhängige Anbieter und vor allem auch sehr viele Stadtwerke betroffen.

E&M: Wieso?
 
Thomas Banning: „Die Wettbewerbskommission katapultiert uns mit ihrer Genehmigung zurück in die Vergangenheit“
Bild: Naturstrom AG

Banning: Dass Brüssel diesen Deal ohne wirklich ernst zu nehmenden Auflage genehmigt hat, finde ich gleichermaßen empörend wie unverständlich. Es war die EU, die in den 1990er Jahren für eine Liberalisierung des verkrusteten deutschen Energiemarktes gesorgt hat. Deshalb konnte es Newcomer wie uns überhaupt nur geben. Die Wettbewerbskommission katapultiert uns mit ihrer Genehmigung zurück in diese Vergangenheit.

E&M: Warum?

Banning: Wir hatten immer dafür plädiert, dass sich Eon von ihren Beteiligungen an Stadtwerken und Regionalversorgern trennen muss. Auch wenn Eon sehr oft nicht der Hauptgesellschafter ist, wird über die Minderheitsbeteiligungen das Konzerninteresse eingebracht und auch durchgesetzt. In der Hand von Eon liegen künftig die Hälfte aller Verteilnetze hierzulande, damit ist Eon wie eine Krake künftig auch in allen wichtigen und neuen Geschäftsfelder wie beispielsweise Digitalisierung, Smart Meter oder Elektromobilität dabei und bestimmt durch seine Einkaufsmacht künftige technologische Entwicklungen und Preise. Eon nimmt dann ja bei Zählern oder Ladesäulen die Hälfte der Produkte der Hersteller ab. Deshalb bestimmt das Unternehmen nicht nur bei den Lieferanten, sondern auch in den wichtigen Gremien die künftigen Standards. Für mich ist es rätselhaft, warum die EU-Kommission solche naheliegenden Entwicklungen nicht berücksichtigt. Dass sich Eon nun von 34 in Kürze bereits veralteten Ladesäulen und einigen tausend Heizstromkunden trennen muss, ist nur noch lächerlich. Ich mache mir wirklich Sorgen über die weitere Entwicklung auf dem deutschen Energiemarkt.

E&M: Wann werden Sie die EU-Genehmigung rechtlich geprüft haben?

Banning: Ich will mich nicht auf einen Zeitpunkt festlegen. Wir werden ernsthaft alle Möglichkeiten und Erfolgsaussichten einer Klage prüfen. Das ist keine Floskel.
 
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 19.09.2019, 15:53 Uhr

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