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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Neue Software soll Millionenkosten vermeiden
Quelle: Fotolia / pict rider
WINDKRAFT ONSHORE:
Neue Software soll Millionenkosten vermeiden
Mit einer neuen Wetterprognose-Software will der österreichische Stromnetzbetreiber Austrian Power Grid APG Ausfälle bei Windkraftanlagen rechtzeitig erkennen.
 
Tage wie der 26. November sind es, die die ganze österreichische Energiewirtschaft in Atem halten können: Der Osten des Landes, wo ausgerechnet besonders viele Windkraftanlagen in Betrieb sind, wurde von einem Wintereinbruch überrascht. Es bestand die Gefahr, dass die Rotorblätter vereisen und ganze Parks für die Stromproduktion ausfallen.

Wenn so etwas plötzlich auftritt, dann wird es in der Regel richtig teuer, das Netz stabil zu halten. Es muss schnell Ersatzstrom her, Reservekraftwerke müssen kurzfristig hochgefahren werden, in wenigen Stunden können so Kosten in Millionenhöhe zusammenkommen.

Um das Risiko zu vermindern, mit solchen Problemen unerwartet konfrontiert zu werden, hat APG seit einigen Wochen eine Software von „MeteoServe“ im Einsatz, die eine mögliche Vereisung vorzeitig meldet und so dabei helfen kann, rechtzeitig alternative betriebliche Maßnahmen zu ergreifen und damit Kosten zu sparen.

Der Ansatzpunkt: Etwa die Hälfte der rund 1.200 Windkraftanlagen in Österreich werden in Echtzeit überwacht, ihre Stromerzeugung laufend mit aktuellen Wetterdaten abgeglichen. Die dahinterstehenden Algorithmen wurden von APG und Meteo Serve, einer 100-%-Tochter der Austro Control, entwickelt. Lukas Strauss, Mitinitiator des Projekts, erklärte dazu: „Zur Vereisung an Windkraftanlagen wird schon seit einigen Jahren geforscht. Der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen von APG hat uns aber ganz klar den Anwendungsfall vor Augen geführt, für den sich die Erkenntnisse umsetzen lassen.“

Beim Netzbetreiber verdeutlicht man die Tragweite, die solche Ereignisse haben können, mit Werten von Ende Dezember, als durch Vereisung maximale Abweichungen von der prognostizierten Erzeugung von bis zu 1.500 MW auftraten. Das entspricht in etwa dem Verbrauch der gesamten Stadt Wien. Über ein 24-stündiges Zeitfenster summierte sich die fehlende Erzeugung auf rund 27.000 MWh.
Das mit Meteo Serve entwickelte Überwachungssystem sieht APG jetzt als „echten Gamechanger“.

Wie man sich der Lösung angenähert hat, schildert Strauss so: „Die Überwachung von Windkraftanlagen ist an und für sich nichts Neues – die Betreiber wissen sehr genau, was sich an ihren Anlagen tut, oft sind sogar eigene Eisdetektorsysteme installiert. Womit wir es in diesem Projekt zu tun haben, ist aber eine Größenordnung dazu. Aufgrund der riesigen Datenmengen brauchte es einen Big Data-Ansatz, um die Zusammenhänge zwischen Anlagenverhalten und meteorologischen Umgebungsbedingungen sichtbar zu machen.“ Am Schluss stand der Versuch, diese Korrelationen auf so wenig entscheidende Parameter wie möglich herunterzubrechen, beispielsweise den richtigen Temperaturschwellwert, ab dem das System in einen „Warnmodus Vereisung“ übergeht.

In der Endausbaustufe soll es eine Echtzeitüberwachung der gesamten österreichischen Windkraft geben – das sind derzeit rund 1.200 Windkraftanlagen mit 3.600 MW installierter Leistung.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Montag, 14.02.2022, 11:34 Uhr

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