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Bild: Gabi Eder/Pixelio.de
KLIMASCHUTZ:
Mobilität ohne Öl bis 2035 möglich
Laut einem Szenario des Wuppertal-Instituts im Auftrag von Greenpeace könnte der Verkehr in Deutschland ab 2035 ohne Mineralöl auskommen und damit deutlich zum  Klimaschutz beitragen.
 
Der momentan heiß umstrittene Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ist laut dem Szenario möglich. Wesentlich dafür ist laut der aktuellen Studie „Verkehrswende für Deutschland - Wege zu CO2-freier Mobilität bis 2035“ des Wuppertal-Instituts der massive Ausbau von ÖPNV und Radverkehr sowie die Nutzung von Elektrofahrzeugen. Eines stellen die Autoren vorneweg klar: „Um die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen, ist eine reine Energiewende und Elektrifizierung des motorisierten Verkehrs nicht genug. Die Politik ist gefordert, den Verkehr wo möglich zu reduzieren und ihn auf die effizientesten Verkehrsmittel zu verlagern.“

Elektrifizierung reicht nicht

Der Anteil von Rad- und öffentlichem Verkehr müsste demnach bis zum Jahr 2035 durch einen beschleunigten Ausbau der Infrastruktur verdoppelt werden. Hier, so die Autoren, gebe es noch erhebliche ungenutzte Potenziale. Der Umweltverbund aus öffentlichem Verkehr, Fuß- und Radverkehr wird den Angaben zufolge heute für 42 % der Wege genutzt, deckt aber nur 21 % des Verkehrsaufwands ab. Hier sind integrierte Konzepte gefragt. Zudem sollten über die Raumplanung, etwa für Gewerbeansiedlung, kurze Wege angepeilt werden.

Privatautos werden in Städten laut dem Szenario entsprechend an Bedeutung verlieren. 2016 bewegten sich knapp 45 Mio. Pkw auf deutschen Straßen (davon nur etwa 200 000 Hybrid- und Elektroautos). Die Zahl der Privatautos würde bis zum Jahr 2035 gegenüber 2015 mehr als halbiert: von aktuell 548 auf 200 Pkw pro 1 000 Einwohnern. Die verbleibenden Pkw werden mit erneuerbaren Energien betrieben. „Der Personenverkehr lässt sich weitgehend elektrifizieren, da sein Endenergiebedarf und damit die benötigte Menge erneuerbaren Stroms begrenzt sind“, so die Autoren. Sie betonen: „Wenn ab 2035 keine Pkw mit Verbrennungsmotor im Bestand sein sollen, dürfen schon ab 2025 keine solcher Neuwagen verkauft werden.“

Güterverkehr mit Bahn, Oberleitungen und PtG/PtL-Kraftstoffen

Aktuell entfallen über 70 % des Güterverkehrsaufwands auf den Straßenverkehr. Dabei verursacht der Transport mit Lkw rund dreimal so hohe CO2-Emissionen wie der mit dem Binnenschiff. Im Vergleich zum Schienentransport sind es sogar viermal so hohe Emissionen. Der Transport von Gütern müsste sich laut dem Szenario bis 2035 größtenteils von der Straße auf die Schiene verlagern. Der auf der Straße verbleibende Güterfernverkehr auf der Straße würde zu 80 % elektrisch über Oberleitungen angetrieben. Für die restlichen, kürzeren Wege kämen Lkw zum Einsatz, die klimaverträgliche synthetische Kraftstoffe (Power-to-Gas /Power-to-Liquid) nutzen. Weitere Maßnahmen betreffen die Reduzierung des Flugverkehrs.

Greenpeace verweist darauf, dass laut einer Umfrage des Umweltbundesamtes eine solche Verkehrswende den Wünschen der Menschen in deutschen Städten entspreche: 91 % der Befragten äußerten dabei die Ansicht, dass weniger Autos in Städten die Lebensqualität verbessern. „Seit Jahrzehnten versagt die Verkehrspolitik dabei, den Ausstoß von Schadstoffen zu senken“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. Mit 166 Mio. t habe der CO2-Ausstoß im Jahr 2016 sogar über dem Wert von 1990 (162 Mio. t) gelegen. „Die Folge sind alarmierend schlechte Luft in Städten und eine verheerende Klimabilanz. Nur wenn die Bundesregierung heute ein Datum für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor beschließt, wird der Verkehrssektor morgen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“

Dazu soll auch das im Ende 2016 vom Kabinett beschlossene Klimaschutzplan 2050 enthaltene Ziel für den Verkehrssektor dienen, bis zum Jahr 2030 mindestens 40 % weniger Treibhausgase auszustoßen. „Ein Ziel, das nur mit einem raschen Abschied vom Verbrennungsmotor erreicht werden kann“, fordert Greenpeace. Daher dürften ab 2025 keine neuen Autos mehr mit Verbrennungsmotor zugelassen werden, so die Umweltschützer.

Die Studie findet sich unter www.greenpeace.de  
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Donnerstag, 31.08.2017, 11:11 Uhr

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