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Enerige & Management > Klimaschutz - Mehr regenerative Energie und mehr Gaskraftwerke erforderlich
Quelle: Fotolia / PhotographyByMK
KLIMASCHUTZ:
Mehr regenerative Energie und mehr Gaskraftwerke erforderlich
Um die neuen Klimaziele zu erreichen, ist ein schnellerer Ausbau der regenerativen Energien nötig. Außerdem braucht es mehr Gaskraftwerke. Das geht aus einer Analyse des EWI hervor.
 
Das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln (EWI) sieht für den Energiesektor die Chance, dass die nationalen und europäischen CO2-Einsparziele nicht nur erreicht, sondern auch übertroffen werden können. Allerdings erfordere das ein deutlich ehrgeizigeres Vorgehen beim Zubau der Erneuerbaren-Anlagen.

Im Rahmen des Legislativ-Pakets „Fit for 55“ der EU soll das Klimaziel der Europäischen Union von 40 auf 55 % Einsparung beim CO2-Ausstoß bis 2030 verschärft werden. Gleichzeitig enthält der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung zahlreiche Maßnahmen, um die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen. Im Jahr 2030 will man beispielsweise einen Anteil von 80 % erneuerbarer Energien an der Bruttostromnachfrage erreichen, zuvor lag der Zielwert bei 65 %. Das EWI hat jetzt analysiert, wie sich der Stromsektor bis zum Jahr 2038 entwickeln könnte, wenn die europäischen und nationalen Ziele gleichermaßen erreicht werden.

Die jetzt angestrebte frühzeitigere Stilllegung von Kohlekraftwerken in Deutschland erfordert nach Berechnungen der Forscher bereits bis Ende der 2020er Jahre wasserstofffähige Gaskraftwerke mit einer Leistung von 47.000 MW. 2019 lag diese bei 32.000 MW. Zusätzlich steige der Bedarf an Flexibilitätssoptionen bei der Stromproduktion um 6.000 MW auf etwa 16.000 MW, wie sie etwa durch Batteriespeicher zur Verfügung gestellt werden können. Dabei geht die Analyse von einer Reduzierung der Kohlekraftleistung bis zum Jahr 2030 auf 10.000 MW aus – die dann aber auch nur noch primär als Backup zur Verfügung steht – und von einem marktgetriebenen Kohleausstieg bis 2035.

Die Ziele zum Erneuerbaren-Ausbau hat die neue Bundesregierung deutlich erhöht: Für Photovoltaik wird eine Gesamtkapazität und 200.000 MW im Jahr 2030 angestrebt, was einer Verdoppelung der bisherigen Ziele entspricht. Wind-Offshore soll auf 30.000 MW um das 1,5-Fache erhöht werden, Wind Onshore von 71.000 MW auf 89.000 MW.
 
Auswirkungen eines deutschen Kohleausstiegs im Jahr 2030 auf
die installierte Leistung von Gaskraftwerken und Flexibilitäten. 
Zugrundegelegt sind die europäischen "Fit for 55"-Ziele sowie ein
Erneuerbaren-Anteil in der Bundesrepublik von 80 %
(Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: EWI

Neben der Erzeugung aus Erneuerbaren steigt in dem verschärften deutschen Ausstiegsszenario auch die Gasverstromung deutlich auf 104 Mrd. kWh an, was im Vergleich zu 2019 einer Verdoppelung entspricht. Vor dem Hintergrund höherer Gaspreise sehen die Wissenschaftler allerdings auch die Großhandelspreise für Strom nach oben klettern: Die könnten im Jahr 2025 auf bis zu 82 Euro/MWh zulegen, 2019 waren es 38 Euro/MWh. Trotz steigender Nachfrage sieht das EWI für Deutschland eine ausgeglichene Stromhandelsbilanz. Die Preise für Emissionszertifikate im Rahmen des "Fit for 55"-Pakets werden bis 2038 auf bis 130 Euro/t CO2 geschätzt.

„Sofern die Umsetzung der europäischen und nationalen Zielvorgaben gleichermaßen gelingt, könnten die Treibhausgasemissionen im Energiesektor in den 2020er Jahren deutlich zurückgehen und auf 88 Megatonnen CO2 im Jahr 2030 absinken. Das sektorale Klimaziel von 108 Megatonnen würde in diesem Fall deutlich unterboten“, sagt Max Gierkink, Manager am EWI.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Freitag, 14.01.2022, 14:52 Uhr

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