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Enerige & Management > Kleinwind - Grüne Milch dank Kleinwind
Bild: Mellimage, Fotolia
KLEINWIND:
Grüne Milch dank Kleinwind
Das junge niederländische Unternehmen „E.A.Z. Wind“ zieht es mit seiner Kleinwindanlage auf den deutschen Markt − als potenzielle Kunden stehen landwirtschaftliche Betriebe im Fokus.
 
Die Kleinwindbranche bekommt Unterstützung vom niederländischen Molkereikonzern Friesland Campina. Denn das weltweit operierende Unternehmen mit 22 000 Mitarbeitern und rund 18 000 genossenschaftlich organisierten Milchviehhaltern, davon rund 800 in Deutschland, will bei der Produktion von der Weide bis zum Joghurtbecher spätestens bis 2050 klimaneutral werden.

Über das neu aufgelegte „Farm Energy“-Programm vermittelt Friesland Campina seinen Mitgliedsbetrieben deshalb Kontakte zum niederländischen Herstellers EAZ Wind bv, der vor gut fünf Jahren eine Kleinwindanlage mit 10 kW Leistung auf den Markt gebracht hat.

Den Windstrom nutzen die Milchviehbetriebe selbst

„In Kombination mit Solarmodulen ist das für uns die optimale Lösung für einen energieneutralen Betrieb“, betont Unternehmenssprecher Jan-Willem ter Avest gegenüber E&M. Den erzeugten Windstrom sollten die Milchviehbetriebe gezielt selbst nutzen. Ob die Kleinwind-Offensive von Friesland Campina in Deutschland erfolgreich sein wird, muss sich zeigen: Denn ihre deutschen Mitgliedsbetriebe sind nicht im windreichen Norden, sondern eher in Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz beheimatet.
 
EAZ Wind ist vor fünf Jahren im friesländischen Hoogezand in der Provinz Groningen gegründet worden. Die Abkürzung EAZ steht für Enschede aan Zee, was auch ein versteckter Hinweis darauf ist, dass vier begeisterte Windsurfer und Söhne von Milchviehbauern das Unternehmen aus der Taufe gehoben haben. Nach eigenen Angaben hat sich dieses mit über 200 verkauften Anlagen zum Marktführer in den Niederlanden in der 10-kW-Klasse entwickelt.

Seit Herbst vergangenen Jahres drängen die Holländer auf den deutschen Markt. In der Wesermarsch gingen damals die ersten beiden Anlagen in Betrieb. „Wir konzentrieren uns derzeit auf die Regionen Nordwest-Niedersachsen und den Westen Schleswig-Holsteins“, erklärt Jenny von Bernstorff, die zusammen mit Geschäftsführerin Linda Schmetjen die deutsche EAZ-Dependance mit Sitz in Hamburg managt.

 
Sollen auch auf deutschen Michviehhöfen zur Gewohnheit werden: Kleinwindanlagen von EAZ
Bild: E.A.Z Wind GmbH

Hinter der strikten regionalen Ausrichtung steckt eine klare Aussage: Nur an wirklich windstarken Standorten ist bei der übersichtlichen Nabenhöhe von 15 Metern ein wirtschaftlicher Betrieb mit über 25 000 bis zu 35 000 Kilowattstunden Jahreserzeugung möglich. Zudem bietet EAZ die Windmühle zurzeit nur den landwirtschaftlichen Betrieben an, die mehr als die Hälfte des Windstroms für den Eigenbedarf nutzen können. Doppelter Vorteil für diese Klientel: Zum einen reduziert sich für die Milchbauern so die EEG-Umlage auf 40 Prozent. Wenn das 50-Prozent-Kriterium erfüllt ist, können sie das EAZ-Windrad als sogenannte "untergeordnete Nebenanlage" auch außerhalb von ausgewiesenen Konzentrationszonen errichten.

Nachfrage ist vorhanden

Dass sich die Niederländer nicht über eine mangelnde Nachfrage beklagen kann, zeigt eine erste Zwischenbilanz: Unabhängig von dem „Farm Energy“-Programm drehen sich die ersten sechs Anlagen mit den ästhetisch anmutenden Flügeln aus Lärchenholz bereits im norddeutschen Wind, elf weitere Bauanträge sind gestellt und fünf in Arbeit. „Unsere Kunden müssen sich um nichts kümmern, wir holen die Genehmigung ein und errichten unsere Anlage schlüsselfertig zu einem Gesamtpreis von 55 000 Euro netto“, sagt von Bernstorff.

Nicht festlegen will sie sich, ob es demnächst auch EAZ-Anlagen auf den deutschen Friesland-Campina-Höfen geben wird: „Wenn wir uns auch in diesen eher windärmeren Regionen engagieren wollten, dann brauchen wir Anlagen mit anderen Nabenhöhen, um den dortigen Betreibern einen wirtschaftlichen Erfolg gewährleisten zu können.“
 

Dierk Jensen
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 11.07.2019, 15:31 Uhr

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