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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Flaute auf See voraus
Bild: diak / Fotolia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Flaute auf See voraus
Mit zuletzt 1.111 MW Leistung hat die deutsche Offshore-Windbranche 2019 noch einmal ein gutes Ausbaujahr erlebt. In den kommenden beiden Jahren ist aber Stillstand angesagt.
 
Ein Novum bei der Windenergienutzung hierzulande: Mit 1.111 MW ist im vergangenen Jahr erstmals mehr Windkraftleistung auf See als an Land neu in Betrieb gegangen. Onshore dürfte nach mehreren Nachmeldungen im Marktstammdatenregister während der ersten Januartage der letztjährige Bruttozubau bei 955 MW liegen. Abzüglich der abgebauten Altanlagen kommt sogar nur eine Nettoleistung von 868 MW zusammen.

Dass in den zurückliegenden zwölf Monaten 160 neue Windturbinen in den Nordsee-Projekten wie Deutsche Bucht oder EnBW Hohe See ans Netz gegangen sind, ist keine Überraschung. „Wir liegen voll im offiziellen Ausbauplan“, kommentierte Andreas Wagner die 2019er Ausbaubilanz gegenüber E&M. „Bis auf wenige verzögerte Projekte haben wir nun die letzten Meerwindkraftwerke gesehen, die noch unter das ‚alte‘ Förderregime des Erneuerbare-Energien-Gesetzes aus dem Jahr 2013 fallen“, so der Geschäftsführer der Stiftung Offshore Windenergie.

Nach der von mehreren Offshore-Windverbänden vorgestellten Ausbaustatistik waren Ende vergangenen Jahres 1.469 Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 7.516 MW vor der deutschen Küste in Betrieb. Die Bundesnetzagentur hatte Netzanschlüsse mit einem Volumen von insgesamt 7.700 MW bis Ende 2020 genehmigt.

Diese Kapazität wird auf jeden Fall ausgeschöpft. Das EnBW-Projekt Albatros mit einer Leistung von 112 MW ist bereits seit Mitte Januar vollständig am Netz. Was noch fehlt, sind 96 MW aus dem Trianel-Projekt Borkum West, die in den kommenden Wochen die Stromproduktion aufnehmen dürften. Außerdem kommen noch zwei Windturbinen mit einer Leistung von gut 17 MW auf neuartigen Fundamenten in den Hochseewindpark Deutsche Bucht hinaus. 

Damit ist absehbar, dass in diesem Jahr das Plus beim Offshore-Windausbau nur 225 MW betragen wird. 2021 wird der Absturz noch krasser ausfallen. Dann steht eine Null unter dem Strich. „Der Fadenriss, vor dem wir die Politik seit Jahren gewarnt haben, ist unabwendbar“, kritisiert Wagner. Deshalb fordert er – auch das nicht zum ersten Mal – die Politik auf, für die schnellstmögliche Vergabe von freien Netzanschlüssen in Nord- und Ostsee zu sorgen. Mit diesen Kapazitäten von maximal etwa 2.000 MW Leistung ließe sich die abzeichnende Ausbaulücke „etwas abfedern“, sagt der Stiftungsgeschäftsführer.

Das ist nicht die einzige Forderung aus dem Kreis der Offshore-Windbranche: Für die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Anhebung des Ausbaudeckels um weitere 5.000 auf dann 20.000 MW Offshore-Windkraft-Leistung bis 2030 müssen noch bis zur Sommerpause die notwendigen Gesetze verabschiedet werden. Damit nicht genug: „Wir brauchen eine klare Ausbau-Perspektive über das Jahr 2030 hinaus.“ In mehreren Studien haben sich die Offshore-Windorganisationen bestätigten lassen, dass in den deutschen Nord- und Ostseegewässern eine Leistung von 50.000 MW bis zum Jahr 2050 möglich ist.

Nicht nur wegen der nationalen Klimaziele sieht die Stiftung Offshore Windenergie die Bundesregierung beim Ausbau der Seewindenergie in der Pflicht: „Deutschland hat mit Jahresbeginn den Vorsitz der Nordsee-Kooperation übernommen, zu der sich die Anrainerstaaten zusammengeschlossen haben“, sagt Wagner. Damit sei eine Vorbildfunktion verbunden. Was auch ab Mitte des Jahres der Fall sein wird: Damit wird Deutschland den Vorsitz EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. „Der von der neuen Kommissionschefin Ursula von der Leyen vorgestellte Green Deal Europe wird nicht ohne einen massiven Ausbau der Offshore-Windenergie möglich sein“, so Wagner.

Nach den vorliegenden Plänen werden die nächsten deutschen Offshore-Windturbinen in der Tat erst ab 2022 ans Netz gehen. So sieht es der derzeitige Planungsstand für das Nordsee-Projekt Kaskasi mit einer Leistung von 342 MW vor, den Innogy gegenüber E&M bestätigte.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 23.01.2020, 11:30 Uhr

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