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Enerige & Management > Meinung - Die politisch forcierte Windflaute
Bild: Denis Junker, Fotolia
MEINUNG:
Die politisch forcierte Windflaute
Die schwarz-rote Bundesregierung ist dabei, den weiteren, für den Klimaschutz unverzichtbaren Windkraftausbau an Land an die Wand zu fahren, meint E&M-Chefreporter Ralf Köpke
 
Diese Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, energiepolitisch arg Wundersames zu schaffen. Die schwarz-roten Koalitionäre arbeiten daran   , gleichermaßen den Ausstieg aus Atom, Kohle und Windkraft an Land zu schaffen. In diesem Ausstiegs-Triple ist das Ende für die Atom- und Kohlekraft (so gut wie) offiziell beschlossen, bei der Windenergie ist es faktisch der Fall.

Denn die Bundesregierung schaut dem Absturz der Windenergie seit zwei Jahren tatenlos zu, nicht unerhebliche Teile der Unionsfraktion freuen sich mehr oder weniger klammheimlich über diese Entwicklung. Wie es aussieht, wird In diesem Jahr die neu installierte Onshore-Leistung noch nicht einmal die 1.000-MW-Schwelle erreichen. Das kommende Jahr sieht nicht besser aus. Und im Jahr 2021 werden hunderte Altanlagen nach 20-jähriger Förderung keine Einspeisevergütung mehr erhalten. Da sich für viele Windmüller der Weiterbetrieb ihre Altanlagen nicht mehr lohnt, ist ein nicht unerheblicher Aderlass bei der Windkraftkapazität zu erwarten. Im schlimmsten Fall werden 2021 mehr Windturbinen vom als ans Netz gehen.

 
Ralf Köpke ist Chefreporter bei Energie & Management.
Bild: Evi Ludwig



Das alles wissen die Bundesregierung und ihr Energieminister Peter Altmaier. Dem CDU-Politiker, der bereits als Bundesumweltminister eine höchst unglückliche Figur gemacht hatte, wird es nicht gelingen, mit den dürftigen Ergebnissen seines „Windkraft-Gipfelchens“ von Anfang September das Ruder herumzureißen. Erschwerend kommt die geplante bundeseinheitliche Abstandsregelung von 1.000 Metern zwischen Wohnsiedlungen (was immer das ist) und Windparks hinzu, mit der dann dringend notwendige Flächen für den weiteren Windkraftausbau wegfallen (und die nebenbei auch das Repowering vieler Altanlagen unmöglich macht).

Dass Altmaier seiner Kabinettskollegin, Bundesumweltministerin Svenja Schulze, nun eine Blockade bei der Reform von Arten- und Naturschutzgesetzen vorhält, ist reines Ablenkungsmanöver. Altmaier hat in Sachen Windenergiepolitik seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2018 durch Nichtstun geglänzt.

Ein Ergebnis davon ist, dass der deutsche Marktführer Enercon jüngst angekündigt hat, bis zu 3.000 Beschäftigte aus seinem unübersichtlichen Firmengeflecht zu entlassen. Damit dürfte sich die Zahl der in der Windbranche seit 2017 verloren gegangenen Stellen auf 40.000 erhöhen. Wer mitverfolgt, wie Schwarz-Rot mehrere Pirouetten um jeden Arbeitsplatz von Kohlekumpeln in der Lausitz und im Rheinischen Revier dreht und Milliarden an Strukturfördergeldern in diese Regionen pumpt, kann diese ungleiche Behandlung nicht nachvollziehen. Schon einmal haben die Bundesregierung und insbesondere mehrere ostdeutsche Länder dem Niedergang der Solarindustrie, einer Schlüsselbranche für die Energiewende, mit weit über 50.000 Arbeitsplätzen tatenlos zugeschaut.

Nicht nur arbeitsmarktpolitisch ist der Ausstieg aus der Windkraft an Land eine Katastrophe. Wie die Bundesregierung ihre 2030er Klimaziele ohne deutlich mehr Windstrom zwischen deutsch-dänischer Grenze und dem Alpenvorland erreichen will, ist Energiepraktikern und -wissenschaftlern ein Rätsel. Um die im Klimaschutzprogramm beabsichtigte Drosselung des Windkraftausbaus in den kommenden Jahren nach außen hin nachvollziehbar zu machen, hat die Bundesregierung eine Milchmädchenrechnung vorgelegt. Verstärkte Effizienzmaßnahmen, auf die die Republik seit Jahren wartet, sollen künftig den nationalen Stromverbrauch sogar senken.

Dass die Sektorenkopplung, die E-Mobilität oder die Wasserstoffherstellung deutlich mehr Ökostrom als heute erfordern, will die Bundesregierung nicht wahrhaben. Wenn künftig der Wasserstoff aus Nordafrika importiert wird, ist der Energiewende hierzulande kein Jota geholfen. Die grünen Ressourcen dafür sind hierzulande reichlich vorhanden. Genau die will die Bundesregierung aber nicht nutzen, wie ihr wundersamer Triple-Ausstieg aus Kohle, Atom und Onshore-Wind zeigt.
 

Ralf Köpke
© 2020 Energie & Management GmbH
Dienstag, 12.11.2019, 11:19 Uhr

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