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Enerige & Management > Photovoltaik - Baywa Re setzt auf schwimmende Solarparks
Bild: Jonas Rosenberger
PHOTOVOLTAIK:
Baywa Re setzt auf schwimmende Solarparks
Solarstromanlagen auf dem Wasser sind im Kommen. Bei diesem (weltweiten) Zukunftsgeschäft will Baywa Re von Beginn an mitmischen und mit Eigenentwicklungen branchenweit Akzente setzen.
 
Wohl noch in diesem Jahr wird Baywa Re, das Energie-Tochterunternehmen des Münchener Baywa-Konzerns, seinen bereits dritten schwimmenden Solarpark in den Niederlanden in Betrieb nehmen.

„Wir hoffen, dass bis dahin der notwendige Netzanschluss steht“, betonte Benedikt Ortmann, Geschäftsführer für die globalen Solar-Projekte bei Baywa Re, gegenüber einer internationalen Journalistengruppe. In diesen Oktobertagen laufen bei dem jüngsten Projekt Sekdoorn bei Zwolle in der Nähe des Ijsselmeeres die abschließenden Errichtungsarbeiten. Bei dem Floating-Solar-Vorhaben mit einer Leistung von 14,6 MW auf einem Kiessee ist die Installation von knapp 40 000 Modulen, 330 Wechselrichtern sowie sieben Trafostationen vorgesehen. Der errechnete Ökostromertrag liegt bei jährlich über 13 Mio. kWh.

Ganz neu ist die Solarnutzung auf dem Wasser nicht, allerdings nach vorliegenden Zahlen noch ein Nischenmarkt. Für Ende 2018 zählte das
Solar Energy Research Institute of Singapore dutzende Projekte mit einer Gesamtleistung von rund 1 300 MW. Gut dreiviertel davon entfielen allein auf China, Europas Marktanteil lag nach diesen Zahlen lediglich bei 1 %. Dazu trägt auch Deutschlands mit einer Leistung von rund 750 kW größtes "Floating-Solar"-Projekt im baden-württembergischen Renchen (Ortenaukreis) bei, das Erdgas Südwest als Generalunternehmer in diesem Frühjahr realisiert hat. 
 
Eine große grau-blaue Oberfläche: Der Kiessee bei Zwolle, auf dem Baywa Re ihren neuesten schwimmenden Solarpark errichtet
Bild: Ralf Köpke

Dass sich Baywa Re in den Niederlanden zum Marktführer in dem noch kleinen Marktsegment Floating Solar aufschwingt, kommt nicht von ungefähr. Die Regierung in Den Haag vergütet jede Kilowattstunden aus solch innovativen Solar-Projekten 15 Jahre lang mit rund zehn Cent. Auch deshalb waren die Bayern im vergangenen Frühjahr mit 70 % beim einheimischen Projektentwickler GroenLeven mit Sitz im friesländischen Heerenveen eingestiegen.

Und nicht nur das: Zusammen mit der Firma Zimmermann PV-Stahlbau GmbH aus dem oberschwäbischen Eberhardzell (Landkreis Biberach) hat Baywa Re ein eigenes System für die Installation der schwimmenden Solarparks entwickelt. Dabei trägt eine Art von Ponton mit je vier Schwimmkörpern jeweils zwölf Module, von denen jeweils sechs nach Osten und Westen ausgerichtet sind, wobei die "Innenpark-Verkabelung" akurat gelöst ist. Verankert werden diese schwimmenden Gestelle, die miteinander verbunden werden, je nach örtlichen Gegebenheiten im Untergrund oder mit Spezialseilen an Land.

„Während wir bei unserem ersten Projekt Ende vergangenen Jahres bei den Aufbauarbeiten frei nach dem Motto ‚Learning bei doing‘ vorgegangen sind, haben wir bei Sekdoorn deutliche Fortschritte gemacht“, zeigt sich Edgar Gimbel, technischer Direktor für die Solar-Projekte von Baywa Re, zufrieden. In den letzten Wochen konnte täglich eine Solarleistung von rund 500 kW auf dem See installiert werden.

Rund drei Monate hat nach seinen Worten die Installationszeit des schwimmenden Solarparks bei Zwolle gedauert. „Je mehr Projekte wir errichten, desto eingespielter werden unsere Teams, was sich positiv auf die Kosten auswirkt“, sagt Gimbel. Im Vergleich zu einer gleich großen Freilandanlage lägen die Kosten für einen „solaren Floater“ derzeit noch 20 bis 25 % höher: „Unser Ziel ist es, die Mehrkosten auf etwa zehn Prozent zu begrenzen.“
 
Mittlerweile eingespielt ist bei Baywa Re die Montage der schwimmenden Solar-Gestelle.
Bild: Ralf Köpke

Nach vorläufigen Auswertungen der ersten beiden Projekte warnt Baywa Re vor der Annahme, dass die schwimmenden Solarparks höhere Erträge erzielen. „Unsere Messungen haben Mehrerträge zwischen 1,5 und 2,5 Prozent ergeben“, sagt Gimbel. Er sieht den eigentlichen der Mehrwert der Floating-Solar-Projekte in der Möglichkeit, so Flächen für die Solarstromnutzung zu erschließen, die ansonsten ungenutzt blieben.

Floating-Solar-Potenzial in Deutschland von 15 000 Megawatt

Mit solchen Binnenseen ließe sich allein in Deutschland ein „technisches Solar-Potenzial“ von etwa 15 000 Megawatt erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme für Baywa Re errechnet. „Dabei sind alle Natur- und Freizeitseen ganz bewusst unberücksichtigt geblieben“, sagt Solarfachmann Gimbel, „wir haben uns auf industriell und gewerblich genutzte Wasserflächen wie Bagger- oder Abraumseen konzentriert.“ Um dort wirklich demnächst Solarmodule auf das Wasser zubringen, setzt Gimbel auf ein Umdenken bei den Genehmigungsbehörden: „All diese Seen sind bereits für ihre jetzige Nutzung genehmigt worden. Um mit der Solarnutzung auf dem Wasser schnell voranzukommen, braucht es nach unserem Verständnis kein zweites Genehmigungsverfahren.“

Nach Einschätzung von BayWa-Re-Geschäftsführer Ortmann wird es wohl noch dauern, bis in Deutschland in größerem Stil „Floating-PV“-Projekte gebaut werden: „Abgesehen von der Eigenstromnutzung werden solche Vorhaben erst dann wirtschaftlich, wenn es für die Kilowattstunde sechs, sieben Cent gibt.“ Die nächsten schwimmenden Windparks will BayWa Re wiederum in den Niederlanden bauen, aber auch Frankreich, Italien oder Großbritannien stehen auf der Projektliste.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 21.10.2019, 10:12 Uhr

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