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Enerige & Management > Klimaschutz - So will die DUH fossile Heizungen ersetzen
Bild: kav777, Fotolia
KLIMASCHUTZ:
So will die DUH fossile Heizungen ersetzen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will neue Ölheizungen ab 2020 und Gasheizungen ab 2025 verbieten. Wie soll dann die Wärmeversorgung funktionieren? E&M fragte nach.
 
In ihrer Stellungnahmen zur Anhörung des Gebäudeenergiegesetzes forderte die DUH „ein Verbot neuer Ölheizungen ab 2020 sowie ein Verbot neuer Gasheizungen ab 2025“. Sie begründet das mit den Klimaschutzzielen der Bundesregierung. Als Schlüssel für eine klimaneutrale Wärmeversorgung nennt der Umweltverband in seiner Stellungnahme „elektrische Wärmepumpen und dekarbonisierte Wärmenetze“. Power-to-X hingegen sei in der Regel keine echte Alternative im Wärmesektor. Wie will die DUH das in die Praxis umsetzen?

Diese Frage haben wir Nicolas Besser gestellt, Projektmanager Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe. „Wenn wir die Pariser Klimaziele ernst nehmen, bräuchte es eine CO2-Reduktion im Gebäudebereich von minus 95 % bis 2050.“

Grundlage dafür ist eine ordentliche Gebäudedämmung, um den Energieverbrauch in den Gebäuden erheblich zu reduzieren. Die restliche Wärme sollte dann klimaneutral organisiert werden. Deshalb muss man laut Besser auch vom Ziel her denken, also vom Jahr 2050. Neue Gas- oder Ölbrennwertheizungen, die heute eingebaut werden, laufen mindestens 20 Jahre, die gesetzliche Austauschpflicht liegt bei 30 Jahren.

Die Wärmepumpe ist effizienter 

Es sei nicht zielführend, wenn jetzt angesichts der langen Laufzeiten der Heizungen noch rein fossil betriebene Heizungssysteme verbaut werden, sagte Besser. Deshalb fordert die DUH das Verbot von Ölheizungen 2020 und Gasheizungen 2025 — Gas etwas später, weil es viel breiter im Einsatz ist als Öl.

Durch eine ordentliche Dämmung sinke der Wärmeverbrauch schon mal erheblich, so die DUH. Für den restlichen Energiebedarf plädiert der Verband für deutliche effizientere Methoden als Öl- und Gasbrennwertheizungen. Dazu gehöre die elektrische Wärmepumpe in ihren verschiedenen Ausführungen. Vor allem in ländlichen Gebieten werde noch viel mit Öl geheizt, dort lassen sich die Häuser nach einer ordentlichen Dämmung mit einer Wärmpumpe sehr effizient beheizen.
 
Unter anderem mit elektrischen Wärmepumpen will die DUH Öl und Gas im Wäremsektor ersetzen. Bild: Hermann/Fotolia

Aber die Wärmepumpe funktioniert nicht überall. Im dicht besiedelten urbanen Raum, wo viel mit Erdgas geheizt wird, würden dekarbonisierte Wärmenetze die Rolle einnehmen, so Besser. Da gebe es unterschiedliche Ansätze, je nach regionalen und lokalen Gegebenheiten, mit Solarthermie, Geothermie, Biomasse oder, wenn es gar nicht anders geht, auch mit grünen Gasen, die in BHKWs Strom und Wärme erzeugten.

Power-to-X wird für andere Sektoren gebraucht

Die DUH stellt sich nicht grundsätzlich gegen Power-to-X im Wärmesektor. Aber: „Wir brauchen Power-to-Gas oder auch Power-to-Liquids vordringlich für Bereiche, die wir elektrisch nicht klimafreundlich bekommen. Das sind Teile der Industrie, der Schwerlast- und Flugverkehr.“

Besser kann die Skepsis der Gasversorger durchaus verstehen. Der Umbau der Infrastruktur dauert lang, ebenso die Amortisation der Investitionen. Aber alle anderen Alternativen seien nach Berechnungen von zahlreichen Instituten langfristig nicht günstiger und mit viel mehr Risiko behaftet.

„Der Umbau der Wärmversorgung ist eine große Kraftanstrengung. Aber das ist es in allen Sektoren, wenn wir die Pariser Klimaziele erreichen wollen“ sagt Besser. Aber: „Technisch ist es machbar und zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen zwingend notwendig.“
 

Stefan Sagmeister
Chefredakteur
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Freitag, 12.07.2019, 16:42 Uhr

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