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EFFIZIENZ:
Kommunal vernetzt voneinander lernen
Ob die Sanierung einer Turnhalle, der Neubau eines Kindergartens oder eines Nahwärmenetzes: Netzwerke helfen Kommunen, Erfahrungen auszutauschen, um Fehler im Vorfeld zu vermeiden.
 
„Das Gute an Effizienznetzwerken ist, dass man offen über Probleme bei Projekten sprechen kann und sich mit den Kollegen aus anderen kommunalen Unternehmen oder Gemeinden austauscht“, sagt Harald Kiesl. Er ist Geschäftsführer der kommunalen Hersbrucker Energie- und Wasserversorgung (Hewa). Er spricht aus Erfahrung. Der Stadtwerkechef hat derzeit regelmäßig Vertreter von Kommunen oder Mitarbeiter von Versorgern zu Gast – an diesem Tag Ende September sind es Vertreter des kommunalen Energieeffizienznetzwerkes aus dem Raum Bamberg.

Eingeladen dazu hat das Institut für Energietechnik (IfE) an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Das IfE betreut derzeit 13 kommunale Energieeffizienznetzwerke mit rund 130 teilnehmenden Städten und Landkreisen. Hiervon drei gemeinsam mit einem externen Netzwerk-Träger, wobei das IfE die Rolle des energietechnischen Beraters innehat. Bei den anderen Netzwerken ist das Institut sowohl Netzwerk-Träger als auch energietechnischer Berater. Die Mitarbeiter des IfE organisieren mithilfe der Mitglieder die viermal im Jahr stattfindenden Treffen, helfen bei Förderanträgen und geben in Fachvorträgen ihr gesammeltes Know-how weiter.
 
Die Stadtwerke Hersbruck haben damit begonnen, ein Nahwärmenetz aufzubauen
Bild: IfE

Sowohl die Stadt Hersbruck als auch die Hewa sind Mitglied in einem Energieeffizienznetzwerk und arbeiten unter anderem seit zwei Jahren mit dem IfE zusammen. Es sind gemeinsame Projekte entstanden, bei denen Mitarbeiter des Instituts dem kommunalen Versorger beziehungsweise der Stadt Hersbruck beratend zur Seite stehen – wie beispielsweise beim Projekt „Wärmekraftwerk Bürgerbräu“: In Hersbruck entsteht derzeit ein Nahwärmenetz mit einer Heizzentrale; parallel dazu wird ein Arealstromnetz aufgebaut.

Diese Kombination aus Wärme und Strom hat vor allem wirtschaftliche Gründe, erklärt Harald Günzrodt, technischer Leiter bei der Hewa. Was, wie er unumwunden zugibt, recht „hemdsärmlich“ begann, ist mittlerweile ein Vorzeigeprojekt, das auf reges Interesse bei den Fachkollegen stößt.

Vor den eigentlichen Baumaßnahmen hatte die bayerische Stadt Hersbruck beim IfE einen Energienutzungsplan erstellen lassen. „Um die Energieversorgung an die voraussichtliche Entwicklung des Bedarfs und die Ansprüche der Anbieter und Verbraucher optimal anzupassen, ist die Erstellung eines solchen Energiekonzeptes sinnvoll, aber kein Muss“, sagt Günzrodt. Aufgrund der gesammelten Daten konnte ein tragfähiges Konzept für das Projekt erstellt werden.

Die Energiezentrale für das Nahwärmenetz steht mitten in der kleinen mittelfränkischen Stadt auf dem Gelände des Bürgerbräus, der auch einer der größten Abnehmer sein wird. „Das ist in diesem Fall perfekt“, so der technische Leiter Günzrodt. „Durch die Brauerei ist das BHKW aufgrund der benötigten Prozesswärme ganzjährig gut ausgelastet.“ In der Energiezentrale sind derzeit ein BHKW mit 100 kW elektrischer Leistung sowie zwei Spitzenlastkessel mit rund 1 200 kW thermischer Leistung in Betrieb, sie werden mit Ökogas betrieben. „Das gesamte System hat momentan eine thermische Leistung von insgesamt etwa 1,5 Megawatt. Wenn es nötig wird, können wir die Energiezentrale um ein weiteres BHKW und einen weiteren Spitzenlastkessel ergänzen“, erklärt Günzrodt. „Der Platz dafür ist vorhanden.“
Weitere Kunden, die an das Netz angeschlossen werden, sind das „Schickedanz-Areal“ – ein Wohngebiet mit 47 Wohneinheiten -, die Sparkasse im Ort sowie Rathaus, Bürgerbüro und weitere Wohngebäude in der Stadt. In den nächsten Jahren soll das Netz weiter sukzessive wachsen.

Die Bauarbeiten am Nahwärmenetz sind derzeit in vollem Gange. Um es für die Stadt noch effizienter zu gestalten, werden zudem Leerrohre für Glasfaser sowie neue Abwasserkanäle und das Arealstromnetz gleich mitverlegt, so der technische Leiter.
Der erzeugte Strom wird zur Eigenversorgung genutzt, der Reststrom wird ins Netz gespeist. Diese sogenannte Arealstromversorgung, besser bekannt als „Mieterstrommodell“, hat Vorteile für die Abnehmer: „Der Kunde profitiert von einem Mischpreis aus normalem Strom und dem deutlich günstigeren BHKW-Strom“, erklärt Günzrodt. Das sei ein großer Hebel, da unter anderem die Netzentgelte und ein Teil der staatlichen Umlagen entfielen.
 
Bei einem kommunalen Netzwerktreffen haben sichTeilnehmer die neue Energiezentrale der Stadtwerke Hersbruck auf dem Areal vom Bürgerbräu zeigen lassen
Bild: IfE

Der viel wichtigere Punkt allerdings: Eine reine Wärmelösung für diese Bestandsbauten hätte sich für den kommunalen Versorger nicht gerechnet. „Die Erlöse aus dem Stromverkauf finanzieren die Wärmeversorgung“, so Günzrodt. „Diese Kombination aus Wärme und Strom macht das Projekt insgesamt für die Hewa langfristig erst wirtschaftlich.“

Ein wesentlicher Aspekt, wie auch Markus Brautsch bestätigt. Er ist Professor an der OTH Amberg-Weiden und Chef des IfE. Es sei nicht trivial zu entscheiden, welches Konzept – ob nun im Neubau oder im Bestand – ökologisch wie wirtschaftlich tragfähig sei. Daher sei es wichtig, Betreibermodelle durchzurechnen. Ein anderer wichtiger Punkt ist es, mögliche Modelle und deren Fallstricke überhaupt erst einmal zu kennen. Die Netzwerke sowie die Partner helfen dabei, solches Wissen weiterzugeben.

Nach der Erfahrung von Brautsch ist gerade die Weitergabe von Projekt-Erfahrungen wie etwa aus Hersbruck ein wesentlicher Vorteil der Netzwerke. „Es findet bei den Treffen ein ehrlicher, aber nicht öffentlicher Austausch statt. Mitglieder können Detailfragen stellen, die wir diskutieren – um auch Fehler nicht zu wiederholen“, sagt Brautsch. Es nütze niemandem etwas, wenn lediglich Hochglanzbroschüren verteilt würden. Die Mitglieder des Bamberger Effizienznetzwerkes haben bei ihrem Netzwerktreffen in Hersbruck bereits die nächsten Treffen vereinbart, um weitere Projekte kennenzulernen und um sich untereinander auf dem Laufenden zu halten, wie es um ihre eigenen Projekte steht.


Institut für Energietechnik IfE GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden
Das Institut für Energietechnik IfE arbeitet und forscht mit einem Team von 35 Ingenieuren und Wissenschaftlern in den Bereichen rationelle Energiewandlung, Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Seit drei Jahren betreuen Mitarbeiter des IfE auch Effizienznetzwerke, derzeit sind es 13 mit rund 130 teilnehmenden Städten und Landkreisen. Diese Netzwerke werden über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gefördert, das Institut ist sowohl Netzwerk-Träger als auch energietechnischer Berater. Zudem haben die Mitarbeiter des IfE immer ein Auge auf die Fördermittel, bereiten die Anträge für die Netzwerkmitglieder vor und informieren bei den Treffen auch immer über neue Möglichkeiten der Bezuschussung.

Die Hewa GmbH
Die Hersbrucker Energie- und Wasserversorgung GmbH versorgt rund 13 000 Bürger mit Strom, Gas, Wasser und Wärme. In die Wärmeversorgung ist die Hewa vor vier Jahren mit einem kleinen Nahwärmenetz um den städtischen Kindergarten eingestiegen. Im Jahr 2017 setzte der Versorger rund 50 Mio. kWh Strom, 82 Mio. kWh Gas, 5 Mio. kWh Wärme sowie 630 000 m³ Wasser ab. Der Umsatz belief sich auf etwa 18 Mio. Euro und der Jahresüberschuss lag bei 600 000 Euro.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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Dienstag, 06.11.2018, 10:20 Uhr

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