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Enerige & Management > IT - In digitalen Lösungen liegt hohes CO2-Einsparpotenzial
Quelle: iStock / zhudifen
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In digitalen Lösungen liegt hohes CO2-Einsparpotenzial
Die Gebäudeautomation könnte in den nächsten zehn Jahren dazu beitragen, bis zu 14,7 Mio. Tonnen CO2 jährlich einzusparen. Dafür braucht es aber eine fundierte Datenbasis.
 
Der Gebäudesektor ist einer der Hauptverursacher von CO2-Emissionen in Deutschland und neben der Industrie und dem Verkehr einer der größten Konsumenten von Energie. Rund ein Drittel des deutschen Endenergieverbrauchs wird für Gebäude benötigt. Davon werden mehr als 90 % zur Heizung und Warmwassererzeugung genutzt.

Der Digitalverband Bitkom hat herausgearbeitet, dass digitale Gebäudetechnologien, insbesondere Gebäudeautomation, einen deutlichen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen leisten können. Gemäß den Ergebnissen der Studie „Klimaschutz und Energieeffizienz durch digitale Gebäudetechnologien“ kommt neben digitalen Basistechnologien - wie Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen - vor allem dem Management von Wärme und Strom in Gebäuden eine Schlüsselrolle zu.

Demnach könnten bis 2030 pro Jahr bis zu 14,7 Mio. t CO2-Emissionen durch Gebäudeautomation eingespart werden, schreiben die Autoren der Studie, Severin Beucker und Simon Hinterholzer vom Borderstep Institut. Dies vor allem durch die effizientere Bereitstellung von Heizung und Warmwasser. Die CO2-Minderungspotenziale verteilen sich in etwa gleichmäßig auf Wohn- und Nicht-Wohngebäude.

Unterschiede zeigen sich bei der CO2-Minderung im Bereich Beleuchtung und Klimatisierung: Hier liege ein etwas größeres Potenzial im Teilsektor der Nicht-Wohngebäude, da mit mehr steuerbaren elektrischen Verbrauchern - wie etwa Beleuchtung, Kühlung oder Belüftung - gerechnet wird. Sogar wenn der Ausbau der Gebäudeautomation nur im aktuellenTempo vorankommt, könnten dadurch bis 2030 immerhin noch 5,7 Mio. Tonnen jährlich eingespart werden.

Digitale Lösungen, energetische Sanierungen und mehr grüne Wärme

Allein durch digitale Lösungen wird es bei den Gebäuden allerdings nicht funktionieren, die ambitionierten Klimaschutzziele noch zu erreichen, so die Studie. Zugleich müssten auch energetische Sanierungen und die Dekarbonisierung der Energieträger weiter vorangetrieben werden. Die Gebäudeautomation bilde - neben baulichen Maßnahmen wie Dämmung und Dekarbonisierung von Energieträgern - die dritte Säule der Energiewende im Gebäudesektor.

Der Einsatz von Gebäudeautomation kann laut den Autoren damit nur der erste Schritt sein. Der Ausbau etwa von intelligenten Messeinrichtungen sei eine Grundvoraussetzung, um über variable Stromtarife oder Netzentgelte Anreize für eine flexible Speicherung und Nutzung von Erneuerbaren zu setzen. Schließlich seien die emissions- und energierelevanten Informationen aus Gebäuden von großem Wert für eine intelligente Bestands- und Stadtplanung (Smart City), in der diese für digitale Gebäudekataster oder Sanierungspläne genutzt werden können.

Mittel- bis langfristig (2030 bis 2045) könne durch Digitalisierung und Gebäudeautomation der Nutzungsanteil erneuerbarer Energien im Gebäudesektor erhöht werden, indem etwa Strom aus Solar oder Wind in Gebäuden (Warmwasser, Batterien) gespeichert wird und sich Gebäude durch einen flexiblen Verbrauch an die Energieverfügbarkeit anpassen. Gerade die intelligente Nutzung erneuerbarer Quellen über die Sektoren hinweg werde eine wichtige Rolle einnehmen. Hier „besitzt Deutschland noch ein großes Entwicklungspotenzial“, zeigen die Studienergebnisse.

Im Koalitionsvertrag hat die neue Bundesregierung sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 bis zu 50 % der Wärme klimaneutral erzeugt werden soll. Für den Gebäudebereich sieht der Koalitionsvertrag weitreichende Änderungen vor, etwa bei den Förderungen sowie dem Gebäudeenergiegesetz. Wärmenetze sollen verstärkt ausgebaut werden.

Neue HKVO trägt zu Digitalisierung bei

Eine wichtige Weichenstellung zur Digitalisierung der Energiewirtschaft hatte die alte Regierung mit der Novelle der Heizkostenverordnung (HKVO) auf den Weg gebracht, die am 1. Dezember in Kraft trat.
  • Neu installierte Wärmezähler müssen damit aus der Ferne ablesbar sein, bestehende bis Ende 2026 nachgerüstet oder ersetzt werden.
  • Fernablesbare Verbrauchserfassungsgeräte müssen zudem Datensicherheit nach dem Stand der Technik gewährleisten.
  • Mieterinnen und Mieter sollen monatlich Abrechnungs- und Verbrauchsinformationen erhalten, damit sie sparsam mit Wärmeenergie umgehen können. Dies solle auch helfen, CO2-Emissionen zu reduzieren.
  • Zur Stärkung des Wettbewerbs müssen neu installierte Geräte mit Systemen anderer Anbieter interoperabel und an ein Smart Meter Gateway anbindbar sein.
  • Bis Ende 2031 müssen auch Bestandsgeräte damit nachgerüstet werden.
 
Die komplette Studie „Klimaschutz und Energieeffizienz durch digitale Gebäudetechnologien“ als PDF.
Zur Vollansicht auf die Grafik klicken
Quelle: Bitkom

 
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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Montag, 27.12.2021, 11:19 Uhr

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