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Bild: Statoil
GAS:
Fossile und erneuerbare Lösungen verknüpfen
Der norwegische Öl- und Gasproduzent Statoil befürchtet noch keinen schnellen Einbruch des Erdgasbedarfs in Europa, baut aber bereits an einem erneuerbaren Standbein.
 
Wie positioniert sich ein großer Öl- und Gasproduzent zum Klimaschutz? Jan Karl Karlsen muss nicht lange überlegen. „Wir stellen die Ziele in keiner Weise in Frage“, sagt der Leiter der Berliner Vertretung des norwegischen Öl- und Gaskonzerns Statoil. „Klimaschutz ist wichtig und wir tragen mit eigenen Maßnahmen aktiv zu Emissionsreduzierungen bei“, unterstreicht er.

Norwegen ist einer der wichtigsten Gaslieferanten Europas. Im letzten Jahr lieferte Statoil etwa 20 bis 25 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases. Konsequenter Klimaschutz stellt aber das traditionelle Geschäft aller Gas und Ölproduzenten zunehmend in Frage.

Sehr intensiv habe Statoil deshalb die Diskussionen über die politischen Folgerungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verfolgt, berichtet Karlsen. „Der deutsche Klimaschutzplan sah am Ende viel besser aus als der ursprüngliche Vorschlag“, resümierte er im Gespräch mit E&M zum Jahresende 2016 die Debatten der zurückliegenden Monate.
 
Jan Karl Karlsen: „Klimaschutz ist wichtig und wir tragen mit eigenen Maßnahmen aktiv zu Emissionsreduzierungen bei“
Bild: Statoil

Als Erfolg bewerte Statoil dabei, „dass die deutsche Politik verstanden habe, dass der Energieträger Erdgas und die Gasinfrastruktur einen Wert für die Energiewende haben“, sagt er. Anfang 2016 sei noch darüber diskutiert worden, möglichst schnell aus fossilen Energien und aus Investitionen in fossile Infrastruktur auszusteigen. Zum Ende des Jahres habe das Umweltministerium dann in den Klimaschutzplan geschrieben, dass Gasgeräte und Gasinfrastruktur zukunftsfähig seien, wenn das Gas im Laufe der Zeit erneuerbar werde.

„Das ist auch ein Erfolg der deutschen Gaswirtschaft, die sich intensiv in die Diskussion um den Klimaschutzplan eingeschaltet hat“, lobt der Statoil-Manager. „Wir haben die Herausforderung mit guten Argumenten beantwortet und diskutieren jetzt realistischer“, zeigt sich Karlsen zufrieden. „Es gibt einen neuen Optimismus.“ Auch Statoil baue darauf, dass der Klimaschutzplan der Gasbranche Perspektiven am Wärmemarkt, in der Stromerzeugung und im Energietransport lasse.

In der Wärmeversorgung Deutschlands werde Erdgas weiter eine wichtige Rolle spielen. Der zwischenzeitliche Vorschlag, neue Gasheizungen ab 2030 zu verbieten, sei auch bei Statoil auf wenig Zustimmung getroffen, berichtet Karlsen. Verbote seien der falsche Weg. „Wir brauchen effiziente fossile Lösungen und erneuerbare Energie.“

„Erneuerbare und Erdgas sind am Wärmemarkt gute Partner“

„Erneuerbare und Erdgas sind auch am Wärmemarkt gute Partner.“ Auch bei Statoil sehe man in Brennwertkesseln, Mikro-Blockheizkraftwerken und Brennstoffzellen, die mit Gas befeuert werden, zukunftsfähige Lösungen. Der Maßstab für den Erfolg der Wärmewende müsse sein, Klimaschutz zu den volkswirtschaftlich geringsten Kosten zu erreichen – und das sei mit Erdgas möglich.

Längerfristig gesehen müsse Gas seinen Kohlenstoff-Fußabdruck reduzieren, zum Beispiel durch einen höheren Anteil erneuerbarer Gase. Auch Karlsen sieht das nicht als Problem. „Gas kann grün“, stellt der Statoil-Manager klar. „Wir werden in Zukunft mehr Power-to-Gas sehen.“

Auf diesem Weg erneuerbaren Strom für die Wärmeversorgung nutzbar zu machen, sei eine sinnvolle Variante der Sektorkopplung. Die Elektrifizierung der Wärmeversorgung dagegen berge die Gefahr, sehr teuer zu werden und zu Problemen im Hinblick auf Versorgungssicherheit, Systemstabilität und Stromnetzausbau zu führen.

Power-to-Gas könne aber nicht nur grünes Gas für den Wärmemarkt liefern, sondern mache das Gasnetz auch für den Transport erneuerbarer Energien nutzbar. „Die Gasinfrastruktur wird unserer Einschätzung nach eine wichtige Rolle als Alternative zum Stromnetzausbau spielen.“
 
Der norwegische Statoil-Konzern sieht die vernünftige Verknüpfung von fossilen und erneuerbaren Lösungen als wichhtige AufgabeBild: Statoil / Oyvind Hagen

Gute Perspektiven sieht Karlsen auch in der Stromerzeugung. „Gas ist sehr flexibel und man kann es nutzen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht“, so der Manager. „Ein Wechsel von Kohle zu Gas und anderen CO2-armen Lösungen würde zu einer schnellen und volkswirtschaftlich günstigen Treibhausgasminderung sorgen“, betont er.

„Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir etwas mit der Kohle tun“, spricht Karlsen das heikle Thema Kohleausstieg an. Der Ausstieg sei zwar eine politisch anspruchsvolle, aber lösbare Aufgabe, meint er. „In einem wirtschaftlich starken Land wie Deutschland muss das machbar sein.“ Er gehe davon aus, „dass die nächste Bundesregierung ab 2018 am Kohleausstieg arbeiten wird.“

Der Klimaschutz verändert indes auch Statoil selbst. „Wir möchten unser gesamtes Unternehmen in Richtung eines möglichst kleinen CO2-Fußabdrucks bewegen“, so der Manager. „Das wird zu unserem Leitmotiv.“

Die Öl- und Gasproduktion in Norwegen sei bereits heute wesentlich weniger CO2-intensiv als in anderen Ländern. Die Emissionen liegen bei 55 Kilogramm CO2 pro Tonne Öläquivalent – im weltweiten Durchschnitt sind es 130 Kilogramm.
„Außerdem setzen wir die Entwicklung der CCS-Technologie fort.“ Emissionen aus der Energieproduktion sollen damit unterirdisch abgelagert werden. „Wir nutzen in Norwegen Offshore-Formationen als CO2-Deponien. Langjährige Untersuchungen zeigen, , dass diese dicht und sicher sind“, unterstreicht Karlsen.

„Ich glaube, Pipelinegas wird das Rückgrat der Versorgung bleiben“

Und welchen Spielraum lässt der Klimaschutz noch für Öl und Gas? „Von Paris ausgehend, müssen wir für Europa langfristig mit einem Rückgang des Gasverbrauchs rechnen“, sagt Karlsen. Dieser könnte sich jedoch erst einmal in Grenzen halten, weil bei einem Kohleausstieg mehr Gas für die Stromerzeugung gebraucht werde. Die im Sommer 2016 von Statoil veröffentlichten Energieperspektiven gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Gas sogar bei einem starken Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2040 nur leicht abnehmen wird.

Weil aber in diesem Zeitraum die Gasförderung in den Niederlanden und in Deutschland stark abnehmen wird, „gehen wir davon aus, dass der europäische Importbedarf auf absehbare Zeit eher steigen als sinken wird“, so der Manager. Statoil plane deshalb weitere Investitionen in die Gasproduktion.

Per Schiff transportiertes verflüssigtes Erdgas (LNG) aus dem Mittleren Osten, aus den USA oder Australien sei eine interessante Option für Versorgungssicherheit und Preiswettbewerb. „Ich glaube aber, dass Pipelinegas das Rückgrat der Versorgung in Europa bleiben wird“, betont Karlsen.

Trotz Zuversicht im Hinblick auf das traditionelle Geschäft, investiert der norwegische Gaskonzern parallel dazu verstärkt in die erneuerbare Zukunft. In Deutschland baut Statoil gerade zusammen mit Eon den Offshore-Windpark Arkona (385 MW) vor Rügen. Bereits 2011 ging vor der englischen Küste der Windpark Sheringham Shoal (317 MW) in Betrieb, der 2017 um den Offshore-Park Dudgeon (402 MW) ergänzt wird.

Vor der schottischen Küste soll bis Ende 2017 ein schwimmender Windpark (30 MW) ans Netz gehen. Für die Speicherung des dort produzierten Stroms entwickeln die Norweger in Kooperation mit schottischen Universitäten eine batteriebasierte Speicherlösung namens Batwind. „Außerdem haben wir Ende 2016 die Ausschreibung für eine Offshore-Windfläche vor New York gewonnen“, ergänzt Karlsen.

Statoil werde zudem weiter in innovative Speicherlösungen investieren – möglicherweise auch in Power-to-Gas-Anlagen. Nicht auszuschließen sei ein Engagement in der Solartechnik.

„Unser Ziel ist, den Klimaschutz durch eine vernünftige Verknüpfung von fossilen und erneuerbaren Lösungen voranzubringen“, umreißt Karlsen die generelle Ausrichtung des norwegischen Öl- und Gaskonzerns, der sich in eine klimafreundlichere Zukunft aufgemacht hat.
 

Peter Focht
Redakteur
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Mittwoch, 11.01.2017, 11:25 Uhr

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