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Bild: Gasheizung Einstellung, 2010, Bild Erdgas Südbayern
GAS:
Erdgas mehr Beachtung schenken
Stadtwerke werben weiter für Klimaschutzoptionen mit Erdgas, klagen aber unverändert über mangelhafte Rahmenbedingungen am Wärmemarkt.
 
„Der Klimaschutzplan ist das Gegenteil von Leitplanken“, stellt Katherina Reiche fest. Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) zeigt sich wenig überzeugt von dem Ende letzten Jahres nach kontrovers geführten Diskussionen verabschiedeten Fahrplan für die Verringerung der CO2-Emissionen in Deutschland. Erdgas finde darin nicht genügend Beachtung.

Bezogen auf den Wärmemarkt vermisst die VKU-Chefin insbesondere die nötige Technologieoffenheit, um erdgasbasierte Lösungen zum Einsatz bringen zu können. Bei genauem Lesen müsse man zu dem Schluss kommen, dass der Plan am Ende doch auf die Elektrifizierung der Wärmeversorgung hinauslaufe, sagte Reiche am 23. Januar bei einer Pressekonferenz in Berlin. Erste Entwürfe für den Klimaschutzplan hatten Anfang 2016 für viel Aufregung gesorgt, weil sie sogar ein Verbot von neuen Erdgasheizungen ab 2030 vorsahen.

Auch Konstantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Mainova AG, sprach von „mangelhaften Vorgaben“ im Klimaschutzplan. Um die Vorteile von Erdgas für Klimaschutz am Wärmemarkt wirksam werden zu lassen, seien technologieneutrale Vorgaben erforderlich. Er wünscht sich dabei eine Ausrichtung auf ein klares CO2-Minderungsziel und marktwirtschaftliche Lösungen. Dann könnten Erdgas und moderne Anwendungstechniken wie Blockheizkraftwerke und Brennstoffzellen ihre Vorteile ausspielen. Reiche merkte an, dass ein höherer CO2-Preis im Emissionshandel Erdgas am Wärmemarkt helfen könnte. Eine spezielle CO2-Steuer lehnt sie indes ab, weil sie auf europäische Ebene nicht durchsetzbar sei.

„Erdgas kann grün“, unterstrich auch Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas. Gaswärmepumpen, Hybridheizungen, Mikro-KWK und Brennstoffzellen eröffneten schon heute gute Möglichkeiten, die CO2-Emissionen aus der Wärmeversorgung mit Erdgas als Brennstoff erheblich zu reduzieren.

Rund 70 % aller Heizungen in Deutschland hätten „Modernisierungspotenzial“, sind also technisch veraltet. Modernisierungslösungen mit Erdgas bezeichnete Kehler als „kostengünstigsten Weg für Klimaschutz und Klimaeffizienz“. Die Rahmenbedingungen seien jedoch so, dass viele Bauherren heute bei strombasierten Heizlösungen landeten, obwohl der Strom noch zu einem erheblichen Teil aus klimaschädlichen Braunkohlekraftwerken stamme, kritisierte er.

Erdgasnetz speichert große Energiemengen

Längerfristig sieht die Gasbranche wichtige Optionen für die künftige Energieversorgung auch im Gasnetz. Es sei in der Lage, große Mengen Energie zu speichern − nicht nur Erdgas, sondern ebenso Bioerdgas oder erneuerbaren Strom. Dieser könne über Power-to-Gas in Wasserstoff verwandelt und im flächendeckend ausgebauten Gasnetz transportiert sowie zwischengespeichert werden.

Die Gasinfrastruktur werde einen wichtigen klimapolitischen Beitrag leisten, zeigte sich die VKU-Chefin Reiche überzeugt vom Erfolg dieser Technologie. Aus dem Gasnetz seien 2014 rund 801 Mrd. kWh ausgespeist worden – aus dem Stromnetz nur 487 Mrd. kWh, so Reiche. Das zeige die Leistungsfähigkeit des Gasnetzes.

Nach Ansicht von Experten werde es ab einem regenerativen Anteil an der Stromerzeugung von mehr als 50 % nicht mehr ohne Speicher gehen, betonte Alsheimer. Unter den Großspeichern sei Power-to-Gas am nächsten an der Wirtschaftlichkeit, so der Mainova-Vorstand. „Ich kenne zur Zeit kein wirtschaftlicheres Speichermedium“, sagte er. Um die Technologie voranzubringen, sei es jedoch auf jeden Fall nötig, Rahmenbedingungen zu ändern und Speicher von Endverbraucherabgaben zu befreien.

Reiche, Alsheimer und Kehler waren sich auch einig in der Bewertung, dass das Gasnetz im Hinblick auf Versorgungssicherheit erhalten bleiben sollte. „Wir sollten nicht alles auf eine Karte setzen“, kommentierte Alsheimer Vorschläge aus dem Bundeswirtschaftsministerium, die eine weitgehende Elektrifizierung der Wärmeversorgung hinauslaufen. „Wir brauchen mehr als eine Infrastruktur“, forderte auch Kehler.

Berechnungen für Frankfurt hätten ergeben, dass das Stromverteilnetz für eine Elektrifizierung der Wärmeversorgung erheblich verstärkt werden müsste, weil sich dadurch die Spitzenlast auch unter optimierten Bedingungen mehr als verdoppeln würde, berichtete Alsheimer. Auch unter dem Aspekt der dafür erforderlichen Investitionen von geschätzt 4 Mrd. Euro sei die weitere Nutzung des Gasnetzes sinnvoll.

Deutschland verfüge mit dem Erdgasnetz über eine hocheffiziente und sichere Infrastruktur, die einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der klima- und energiepolitischen Ziele leisten könne, resümierte Reiche.
 

Peter Focht
Redakteur
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Montag, 23.01.2017, 16:44 Uhr

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