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Enerige & Management > Effizienz - "Energiewende ist Herkulesaufgabe"
Bild: Screenshot 2. Energiemanagertag Kassel, E&M
EFFIZIENZ:
"Energiewende ist Herkulesaufgabe"
Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels (SPD) warb auf dem 2. Kasseler Energiemanagertag dafür, die EEG-Umlage abzuschaffen. Vergütungen müssten in Zukunft anders finanziert werden.
 
Gremmels ist Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Zur Eröffnung des Zweiten Kasseler Energiemanagertages sagte Gremmels: „Am Beispiel der Wasserstoffproduktion zeigt sich exemplarisch, welche Bedeutung bezahlbare erneuerbare Energie für Industrie und Innovation innehat. Als SPD-Bundestagsfraktion wollen wir die EEG-Umlage bis Mitte des Jahrzehnts deshalb für alle Anwendungen ganz auf null absenken. Denn nur mit bezahlbarem Strom aus Wind und Sonne sichern wir die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie und lösen die Fesseln der Energiewende.“ Der 2. Kasseler Energiemanagertag wurde vom Unternehmen Postberg + Co GmbH veranstaltet und fand am 24. Februar statt.

Postberg-Geschäftsführer Peter Otto verwies als Gastgeber des Energiemanagertags auf den Erfolg der Energiewende: „Wir haben unseren Strom in Deutschland im Corona-Jahr 2020 zu 55 Prozent erneuerbar erzeugt. Das ist eine echte Erfolgsgeschichte.“ Auch sei es im Kampf gegen den Klimawandel seit 2000 in einem „ersten Schritt immerhin gelungen, das Wachstum von Energieverbrauch und CO2 Emissionen durch mehr Energieeffizienz zu entkoppeln“. Jedoch seien in derselben Zeit auch viele energieintensive Industrien nach Indien und China abgewandert.

Der Dienstleister Postberg will mit den Energiemanagertagen die relativ junge Gruppe der Energiemanager vernetzen. Das Berufsbild sei erst vor zehn Jahren offiziell geschaffen worden. Es gebe viele junge Energiemanager, die durch den Erfahrungsaustausch mit den Älteren der Berufsgruppe schneller lernen könnten.

Der Transformationsprozess der Energiewirtschaft über die kommenden 30 Jahre zu einer verbraucherorientierten und dezentralen Versorgung brauche sowohl weitere technische Innovationen als auch den freien Wettbewerb der Unternehmen. Hierzu könnten Ingenieure und Energiemanager einen wichtigen Beitrag leisten. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen schaffen, dass Investitionen nicht nur von Großunternehmen getätigt werden.

Konjunkturprogramm für den Klimaschutz

Ein wichtiger erster Beitrag der Bundesregierung sei das aktuelle Konjunkturprogramm, da 56 Mrd. von den 130 Mrd. Euro auf Energie- und Klimathemen entfielen. Verbände wie der Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) müssten darauf achten, dass das Geld aus diesen Programmen auch beim Mittelstand und bei innovativen Start-ups lande. Der Green Deal in Europa gebe Hoffnung für die durch Corona stark betroffenen Länder im sonnigen Süden.

Beim Strom setze Deutschland noch zu sehr auf Importkohle anstatt zum Beispiel auf Methan oder Wasserstoff aus Power-to-Gas-Lösungen. „Bis 2030 könnten wir in Deutschland 30 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen selbst decken“, sagte Otto. Heute sind es 17,4 %, die aus erneuerbaren Quellen kommen. Der größere energetische Teil der Prozesswärme- und Raumwärme sowie der gesamte Mobilitätssektor basierten noch zu sehr auf fossilen Energieträgern. Die schrittweise Besteuerung von CO2 und die Bündelung von Einzelschritten im Gebäudeenergiegesetz aus 2020 sei ein „Beschleuniger“ für das Thema Energieeffizienz im Wärmesektor und in der Mobilität.

Die Energiewende sei eine Herkulesaufgabe von 30 Jahren, während derer etwa eine Billion Euro in die Decarbonisierung investiert werden müssten. Das entspreche 33 Mrd. Euro an Investitionen im Jahr. Davon entfallen laut Maximilian Gege vom Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management etwa 223 Mrd. Euro auf die Steigerung der Energieeffizienz, davon wiederum 150 Mrd. Euro auf die energetische Gebäudesanierung inklusive Heizung.

Die Investition zahle sich jedoch rasch aus, argumentierte Otto. Aktuell importiere Deutschland für etwa 87 Mrd. Euro Energie im Jahr. Wenn es gelinge, in zehn Jahren ein gutes Drittel einzusparen, rechne sich das Herkulesprojekt von alleine.

Mit der Einführung der ISO 50001 Zertifizierung vor rund zehn Jahren entstand die Berufsgruppe der Energiemanagementbeauftragten. Im Jahr 2019 gab es laut Postberg etwa 18.000 auditierte Unternehmen weltweit, davon 5.800 in Deutschland. Im Jahr darauf waren es bereits 8.500 zertifizierte Unternehmen in Deutschland.

Viele der Unternehmen vernetzen sich lokal in mehr als 291 Energieeffizienz-Netzwerken. Jedoch gibt es keine Bildungs- und Netzwerkveranstaltung speziell für Energiemanager im deutschsprachigen Raum. „Diese Lücke wollen wir mit dieser Veranstaltung schließen. Alle Energiethemen sollen in der Breite für Ausbildungspunkte mit Anerkennung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sorgen, welche Auditoren und Energiemanager jährlich als Weiterbildungsmaßnahmen nachweisen müssen“, sagte Peter Otto.

Die Firma Postberg bietet Lösungen für die Einsparung von Kosten durch die Optimierung von Druckluftsystemen. Im Jahr 2021 veranstaltete Postberg das zweite Mal die Kasseler Energiemanagertage.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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