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Bild: Wandersmann/pixelio.de
BUCHBESPRECHUNG:
Die "wahre" Energiewende
In seinem „Faktencheck Energiewende“ gibt Thomas Unnerstall kein Soziologen-Gesülze oder Politik-Kauderwelsch, sondern pragmatische Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen.
 
Von Winston Churchill, ehemals Premierminister von Großbritannien (und, so wie in diesem Jahr Bob Dylan, im Jahr 1953 Gewinner des Literatur-Nobelpreises) wird erzählt, dass er im Parlament mal eine feurige Rede hielt, die außergewöhnlich viele Zahlen und Fakten enthielt. Nach der Rede kam sein Assistent zu ihm und sagte: Herr Premierminister, das hat doch alles nicht gestimmt. Darauf Churchill: Ist doch egal, bis das jemand überprüft hat, vergehen mindestens sechs Wochen, und da ist das Thema längst vergessen.

„Faktencheck Energiewende: Konzept, Umsetzung, Kosten – Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen“, so lautet der Titel eines 267 Seiten langen Buches von Thomas Unnerstall, von dem er selbst sagt, dass man es in seinen wesentlichen Aussagen in einer halben Stunde lesen könne. Wollte man die „Fakten“ überprüfen, säße man sicherlich etliche Wochen beim Literaturstudium, und in dieser Zeit hätten sich auch schon wieder (politisch bedingt) ein paar „Fakten“ für die Energiewende verändert.

Wer den Autor kennt, kann zumindest von einer ganz wesentlichen Qualität des Buches ausgehen: Da wird nichts ideologisch verbrämt; „Fakten“ werden nicht in die eine oder andere Richtung so dargestellt, dass nur diese oder jene Schlussfolgerung für die Energiewende zu ziehen wäre. Thomas Unnerstall hat ein sachliches und auch ein fachliches Buch geschrieben. Der promovierte Physiker und Philosoph hat 20 Jahre in leitenden Funktionen in der Energiewirtschaft gearbeitet, immer als Kämpfer für Veränderungen (Energiewende) und dabei nie die normative Kraft des Faktischen ignorierend.
 
Thomas Unnerstall macht den Faktencheck Energiewende
Bild: Springer-Verlag

Unnerstall hat sein Buch sehr gut strukturiert, auch (vor allem) Energiewende-Laien können sich systematisch in die komplizierte Materie einlesen und sie dann verstehen, was immer das auch heißen mag bei „systemischen Folgen“ und „volkswirtschaftlichen Effekten“, über die ja nun heftig gestritten wird.
Zur halben Stunde Lesezeit: Unnerstall stellt zehn Fragen wie „Ist die Energiewende zu teuer …; ist sie sozial ungerecht; wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gefährdet; sind die großen Stromtrassen erforderlich; ist die Energiewende noch zu retten oder ist sie schon in vielerlei Hinsicht gescheitert?“

Dazu gibt er erkennbar pragmatische Antworten, kein Soziologen-Gesülze oder Politik-Kauderwelsch: „Die Energiewende wird nicht an der Technik scheitern, und sie wird auch nicht an den Kosten scheitern. Wenn sie scheitert, dann am mangelnden Mut zu den systemischen Folgen ….; an der mangelnden Fähigkeit zu klarer politischer Führung, um die als richtig, ja alternativlos erkannten Grundzüge der Energiewende gegen die Vielzahl von Partikularinteressen durchzusetzen“, so Unnerstall.

Thomas Unnerstall, Faktencheck Energiewende, Springer-Verlag, ISBN 978-3-662-49776-0, 267 Seiten, Softcover, 19,99 Euro
 

Helmut Sendner
Herausgeber
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Donnerstag, 22.12.2016, 10:01 Uhr

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