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Bild: Heinz Wraneschitz
BAYERN:
Bayerischer Energiepreis: Bewährtes setzt sich durch
Nicht nur absolut neue, sondern bereits praktisch bewährte Konzepte und Effizienz-Ideen wurden bei der Verleihung des Bayerischen Energiepreises 2018 ausgezeichnet.
 

Das beste Beispiel dafür: Hauptpreisträger ist die Unterfränkische Überlandzentrale eG (ÜZ), über deren Konzept der Nahwärmeversorgung E&M bereits berichtet hatte.

Dennoch hat der neue bayerische Energieminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) recht, wenn er seine Rede vor der Preisvergabe unter das Motto „Neue Ideen für ein besseres Energiesystem“ gestellt hatte. Denn all die Ausgezeichneten in den acht Kategorien wie auch die ÜZ beim übergreifenden Hauptpreis werden mit ihren Projekten dem Anspruch gerecht: Es sind Energie-Beispiele zum Nachmachen.

Aiwanger hatte in seinem großteils frei vorgetragenen, emotionalen Statement gerade für Bürger-Genossenschaften wie die ÜZ eine Lanze gebrochen: Diese schüfen Dezentralität und damit eine sicherere Energieversorgung, als sie „eine europäische Kupferplatte je bieten kann“. Konkret sprach er dabei die „Gefahr der Sabotage“ großer Leitungen an.
 

Hubert Aiwanger: „Sektorengrenzen überschreiten, viel Tempo vorlegen“
Bild: Heinz Wraneschitz


Aiwanger nannte es zudem „eine einfallslose Energiepolitik, nur 500 km lange Trassen kreuz und quer durch die Republik zu schlagen“. Er wolle in seinem neuen Amt „Sektorengrenzen überschreiten, viel Tempo vorlegen, die Energieabteilung aufwerten, bestehende Akteure vernetzen, Umwelt und Wirtschaft zusammenbringen“. Auf Nachfrage von E&M erklärte er: „Ich hoffe noch auf intelligente Lösungen.“ Bislang konnten Kritiker im Koalitionsvertrag zwischen CSU und FW solche Wege nicht entdecken.

Insgesamt hatten sich 168 Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Organisationen für den 11. Bayerischen Energiepreis beworben.

Mit dem mit 15 000 Euro dotierten Hauptpreis ausgezeichnet wurde die ÜZ Mainfranken für ihr Projekt „ÜZ – Erneuerbarer Energie einen Wert geben!“. Dabei geht es gemeinsam mit Kommunen im Versorgungsgebiet um die wärmetechnische Erschließung von Neubaugebieten, die Nutzung der oberflächennahen Geothermie mit Erdsonden und den Einsatz von Wärmepumpen in Kombination mit Speichern.

Preisträger ist auch der „Hocheffiziente KWKK-Systemverbund mit Kälte- und Dampferzeugung“ der Metzgerei Ponnath aus Kemnath, der bereits als BHKW des Jahres 2017 von E&M ausgezeichnet wurde.

Ebenfalls unter den Preisträgern sind „LINDA“, das Projekt zur „Lokalen Inselnetzversorgung und beschleunigtem Netzwiederaufbau mit dezentralen Erzeugungsanlagen bei großflächigen Stromausfällen“ der LEW Verteilnetz , Augsburg, und das Stadtwerk Haßfurt mit seiner „Power-to-Gas-Anlage im Praxisbetrieb“. Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Zösch forderte auf der Bühne von Minister Aiwanger, er solle „in ganz Bayern die 10-H-Abstandsregel abschaffen, dann würde Putin Angst bekommen vor unserem Windstrom“.

Nachwuchsförderpreis für neue Energie-Ideen
 


Vergeben wurde auch ein Nachwuchsförderpreis. Diesen gewann Florian Samweber von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) für seine Dissertation „Systematischer Vergleich Netzoptimierender Maßnahmen zur Integration elektrischer Wärmeerzeuger und Fahrzeuge in Niederspannungsnetze“. Als „Tool für Wärme und E-Mobilität – damit die Netze nicht zum Flaschenhals der Energiewende werden“ beschrieb der Preisträger selbst das Ergebnis seiner Arbeit.

Um das Laden von E-Autos sorgt sich auch das Start-Up-Unternehmen ChargeX. Die Münchner durften sich vor der offiziellen Preisverleihung in einen „Pitch Contest“ mit der Würzburger „ENER-IQ“ (Digitalisierung des Heizungskellers) und Turbonik aus Markt Bissingen (Entwicklung einer Mikro-Dampfturbine zur Eigenstromerzeugung) messen.

ChargeX hat ein „modulares Ladesystem für Elektroautos“ entwickelt. Tobias Wagner, einer der Geschäftsführer und Co-Gründer, beschrieb es als „die Mehrfachsteckdose für Elektromobile“. Die Produktion sei schon angelaufen.

Dennoch belegte ChargeX nur den zweiten Platz beim durch Publikums-Lautstärke entschiedenen Pitch. Den 10 000-Euro-Siegerscheck bekam die Turbonik-Idee einer (Ab-)Dampfturbine von 300 kW Leistung. Die ist wasser- statt ölgeschmiert, und könnte 15 000 mal in Deutschland eingesetzt werden, um überschüssigen Dampf zu verstromen.

„ENER-IQ“, der drittplatzierte Bewerber, ist dabei, ein mit künstlicher Intelligenz ausgestattetes Heizanlagen-Überwachungssystem zu etablieren. Durch 365 Tage Überwachung im Jahr seien Reparaturen rechtzeitig und kostengünstig möglich. „Energie-Einsparungen von durchschnittlich 20 Prozent“ erwartet Geschäftsführer Sven Rausch. Bei flächendeckendem Einsatz könne damit allein sein System Deutschlands Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaschutzabkommen erfüllen: Die Erfinder setzen offenbar auf millionenfachen Bedarf.

 

Heinz Wraneschitz
© 2018 Energie & Management GmbH
Freitag, 16.11.2018, 11:50 Uhr

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