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Bild: Fotolia.com, Nicole Effinger
KLIMASCHUTZ:
Agora Energiewende: Preise und Emissionen steigen
Die Strompreise werden weiter steigen, wenn das Steuer- und Abgabensystem nicht geändert wird. Die Jahresbilanz der Agora 2016 gibt ein gemischtes Bild zur Energiewende.
 
Die Jahresauswertung der Agora Energiewende zeigt einige positive Entwicklungen: Dazu gehört, dass erneuerbare Energien ihren Anteil am Stromverbrauch um 0,8 Prozentpunkte auf 32,3 % steigerten und damit fast ein Drittel des Verbrauchs abdeckten. Es wurden allerdings trotz des starken Zubaus insbesondere von Windkraftanlagen (+5 000 MW) sowie von Photovoltaik-Anlagen (+ 1 000 MW) nur 4 Mrd. kWh mehr Ökostrom als im Vorjahr produziert. Grund war die ungünstige Witterung. „Daraus können wir für die weitere Energiewende lernen, dass sich der Ausbau der erneuerbaren Energien an den regelmäßig auftretenden schlechten Windjahren orientieren sollte“, schlussfolgert Agora-Direktor Patrick Graichen. Denn nur dann sei der Klimaschutz im Energiesystem wirklich gesichert.

Auf der Haben-Seite steht auch die gestiegene Erdgas-Verstromung: Die Erdgaskraftwerke produzierten gut ein Viertel mehr Strom als im Vorjahr und erreichten mit einem Anteil von 12,1 % am Erzeugungsmix fast den Wert der Atomstromerzeugung (13,1 %). Zugleich ging die Kohleverstromung, die seit 2014 sinkt, weiter zurück: Der Anteil von Braunkohle an der Stromerzeugung ist 2016 auf 23,1 % gesunken (-0,8 Prozentpunkte), der Anteil der Steinkohle verringerte sich auf 17 % (-1,2 Prozentpunkte). „Wenn man den Rückgang der Kohleverstromung in 2016 in der Zukunft so fortsetzen würde, so würde ungefähr Anfang 2038 das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen“, verdeutlicht Graichen. Das entspreche dem von Agora Energiewende vorgeschlagenen Pfad für einen Kohleausstieg. „Nach der Bundestagswahl müssen hierzu zügig die Gespräche beginnen, um einen gesamtgesellschaftlichen Konsens für Klimaschutz, Strukturwandel und Versorgungssicherheit zu erreichen“, fordert Graichen.

Jährliche Energieeinsparung müsste mehr als verdoppelt werden

Trotz des weiteren leichten Rückgangs der CO2-Emissionen im Stromsektor um 1,6 % gegenüber dem Vorjahr auf 306 Mio. t, stiegen jedoch die gesamten deutschen Treibhausgasemissionen von 908 auf 916 Mio. t CO2 (+0,9 %). Während damit im dritten Jahr in Folge die CO2-Emissionen des Stromsektors verringert wurden, finde bei Industrie, Wärme und Verkehr kaum Klimaschutz statt, kritisiert Graichen. Hier müsse jetzt dringend gehandelt werden, damit auch diese Sektoren ihre Beiträge liefern.

Nicht nur das Klimaschutzziel für 2020 wird aus Sicht der Agora verfehlt, auch bei der Effizienz mahnt sie mehr Tempo an. So ging laut der Jahresauswertung der Stromverbrauch 2016 zwar leicht zurück: Er fiel mit 592,7 Mrd. kWh um 2,4 Mrd. kWh geringer aus als im Vorjahr. Doch müssten, um das für 2020 gesetzte Effizienzziel der Bundesregierung zu erreichen, von nun an jedes Jahr 9 Mrd. kWh eingespart werden. „Deutschland wird zwar immer effizienter im Umgang mit Strom. Denn trotz eines Wirtschaftswachstums von 1,8 Prozent ist der Stromverbrauch gesunken“, sagt Graichen. „Es muss hier aber noch viel mehr geschehen.“ Zudem mache jede gesparte Kilowattstunde die Energiewende kostengünstiger.

Zustimmung zur Energiewende steigt trotz hoher Strompreise

Zu den Negativposten gehört auch das weitere Auseinanderdriften von immer kostengünstigerer Energie und gleichzeitig steigenden Haushalts-Strompreisen. 2016 sanken sowohl die Weltmarktpreise für Kohle, Öl und Gas als auch die Strompreise an der Börse. „Diese lagen mit 26,60 Euro pro Megawattstunde auf einem Zehn-Jahres-Tief“, so die Agora. Die deutsch-dänische Solarenergie-Auktion habe zudem gezeigt, wie günstig Solarstrom sein könne: Nur noch 5,38 Ct/kWh soll die Vergütung hier betragen. „Das ist der niedrigste je in Europa erzielte Betrag für Solarstrom“, heißt es dazu.

Hingegen schraubten sich die Haushalts-Strompreise aufgrund von steigenden Abgaben und Umlagen weiter nach oben: 2017 wird die Marke von 30 Ct/kWh überschritten. „Bleibt das System der Abgaben und Umlagen wie es ist, so ist bis 2023 ein weiterer Anstieg der Strompreise absehbar“, sagt Graichen. Erst danach kämen die „Ernte-Jahre“ der Energiewende. Der Agora-Direktor fordert daher: „Nach der Bundestagswahl sollte die Energiepolitik das System der Steuern, Abgaben und Umlagen auf Energie komplett überarbeiten. Denkbar wäre es etwa, die Stromkosten zu senken, und die Abgaben und Umlagen auf klimaschädliche Energieträger wie Kohle, Heizöl, Diesel, Benzin und Gas zu verlagern“, meint Graichen.

Trotzdem ist die Zustimmung zur Energiewende in der Bevölkerung weiterhin positiv und 2016 sogar noch gewachsen: Laut der jährlichen Umfrage halten 93 % der Bundesbürger die Energiewende für „wichtig“ oder „sehr wichtig“ (+ 3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr), das ist laut den Angaben der höchste Wert in fünf Jahren. Auch die Umsetzung halten immer mehr Befragte (47 %) für „gut“ oder „sehr gut“. Das sind ebenfalls 3 Prozentpunkte mehr als 2015.

Die Agora Energiewende hat für ihre rund 50-seitige Analyse „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2016“ zahlreiche öffentlich zugängliche Daten analysiert und miteinander in Zusammenhang gesetzt. Zu finden ist die Jahresbilanz unter www.agora-energiewende.de  
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Montag, 09.01.2017, 10:12 Uhr

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